G7 sagen zusätzliche Milliarden im Kampf gegen Hungerkrise zu

Knapp 4,3 Milliarden Euro wollen die G7-Staaten zusätzlich mobilisieren, um der wegen Russlands Krieg gegen die Ukraine verschärften globalen Hungerkrise entgegenzutreten, so ein Ergebnis des am Dienstag zu Ende gegangenen Gipfels.

Euractiv.de
G7 summit at Elmau Castle 2022
“Wir haben gegenwärtig 345 Millionen Menschen, von denen wir wissen, dass sie nicht ausreichend zu essen haben - das sind viermal so viele, wie in Deutschland leben”, betonte Scholz vor Journalist:innen. [CLEMENS BILAN/EPA-EFE]

Knapp 4,3 Milliarden Euro wollen die G7-Staaten zusätzlich mobilisieren, um der wegen Russlands Krieg gegen die Ukraine verschärften globalen Hungerkrise entgegenzutreten, so ein Ergebnis des am Dienstag zu Ende gegangenen Gipfels.

Man werde “keine Mühe scheuen, um die globale Lebensmittel- und Ernährungssicherheit zu erhöhen und die Schwächsten, die die Ernährungskrise am härtesten zu treffen droht, zu schützen”, heißt es in dem Abschlusskommuniqué, das Bundeskanzler Olaf Scholz als aktueller Vorsitz der G7 nach dem dreitägigen Gipfel am Dienstag (28. Juni) präsentierte.

In einem separaten Kommuniqué zur globalen Ernährungssicherheit betonen die sieben Staats- und Regierungschefs außerdem, an dem 2015 vereinbarten Ziel festhalten zu wollen, 500 Millionen Menschen bis 2030 aus Hunger und Mangelernährung herauszuholen.

“Wir haben gegenwärtig 345 Millionen Menschen, von denen wir wissen, dass sie nicht ausreichend zu essen haben – das sind viermal so viele, wie in Deutschland leben”, betonte Scholz vor Journalist:innen.

Deutschland will sich an den versprochenen zusätzlichen Finanzmitteln mit Neuzusagen von zirka 450 Millionen Euro beteiligen.

Vor Kurzem hatte die Bundesregierung angesichts der verschärften Ernährungslage in Staaten beispielsweise im Nahen Osten oder am Horn von Afrika 430 Millionen Euro zusätzlich zum vorgesehenen Entwicklungshaushalt zugesagt.

Koordiniert werden sollen die Finanzhilfen der G7 durch das sogenannte Bündnis für globale Ernährungssicherung, das Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze kürzlich gemeinsam mit Weltbankpräsident David Malpass ins Leben gerufen hatte.

In einer Erklärung begrüßte Schulze die Zusagen der G7 als “wichtige Hilfen im Kampf gegen die globale Ernährungskrise.”

Blockade ukrainischer Schwarzmeerhäfen auflösen

Neben Krisenhilfen für die von Ernährungsunsicherheit betroffenen Staaten einigten sich die sieben Staats- und Regierungschefs auch auf eine gemeinsame Haltung zur Blockade ukrainischer Schwarzmeerhäfen durch Russland, wegen derer das Land einen Großteil seines gelagerten Getreides aktuell nicht exportieren kann.

“Wir unterstützen ausdrücklich die Ukraine dabei, ihre Agrarexporte auf die Weltmärkte wiederaufzunehmen sowie die Bemühungen der UN, einen sicheren maritimen Korridor durchs Schwarze Meer zu erreichen”, so das Kommuniqué.

Die Vereinten Nationen (UN) hatten sich zuletzt darum bemüht, einen Weg zu finden, wie ukrainische Frachtschiffe sicher die Schwarzmeerhäfen verlassen und Getreide außer Landes bringen könnten.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hatte sich Ende vergangener Woche skeptisch über die Möglichkeit einer solchen sicheren Ausfuhr geäußert und gewarnt, die Ukraine und die westlichen Partner müssten dauerhafte Alternativen finden.

Tatsächlich wollen die sieben Industrienationen auch den Aufbau alternativer Transportrouten, beispielsweise über die Schiene oder die Binnenschifffahrt, stärker unterstützen und bei der Umsetzung der von der EU anvisierten sogenannten “Solidaritätskorridore” helfen.

Mit dieser Initiative will die EU die Ausfuhr von Getreide aus der Ukraine über deren Nachbarländer in der EU wie Polen oder Rumänien erleichtern.

Weg von Russlands Narrativen, weg von Russlands Dünger

Derweil waren die sieben Staaten in ihrem Abschlusskommuniqué auch sichtlich bemüht, dem von Moskau propagierten Narrativ, westliche Sanktionen hinderten Russland am Lebensmittelexport und seien damit schuld an der Ernährungskrise, keinen Raum zu geben.

“Wir werden weiterhin sicherstellen, dass unsere Sanktionspakete nicht auf Lebensmittel oder den freien Verkehr von Agrarprodukten abzielen, einschließlich aus Russland”, betonen sie in ihrer Erklärung.

Während die Sanktionen der EU in vielen Bereichen den Handel mit Russland unterbunden haben, sind Lebensmittel – bis auf wenige Ausnahmen im Luxusbereich – von den Maßnahmen ausgenommen.

Eine Produktgruppe, die dagegen unter die Sanktionen sowohl gegen Russland als auch Belarus fällt, sind Mineraldünger. Beide Länder sind hierbei wichtige Exporteure und die Preise in der EU und auf den Weltmärkten seit dem Embargo stark angestiegen.

Engpässen bei Düngemitteln wollen die G7 unter diesen Umständen entgegentreten. So sollen laut dem Kommuniqué eine effizientere und gezieltere Nutzung der Substanzen unterstützt und die globale Produktion übergangsweise erhöht werden sollen.

Gleichzeitig wollen sie aber auch Alternativen, beispielsweise durch biologischen Dünger, stärken.