Großbritannien verschiebt Post-Brexit-Grenzkontrollen bis 2024
Die britische Regierung wird die vollständige Einführung von Einfuhrkontrollen für Waren aus der EU nach dem Brexit um weitere drei Monate verschieben. Damit werde den betroffenen Unternehmen mehr Zeit gegeben, sich vorzubereiten.
Die britische Regierung wird die vollständige Einführung von Einfuhrkontrollen für Waren aus der EU nach dem Brexit um weitere drei Monate verschieben. Damit werde den betroffenen Unternehmen mehr Zeit gegeben, sich vorzubereiten.
Damit wird der Starttermin der Kontrollen auf Januar 2024 verschoben, teilte die Regierung am Dienstag (29. August) mit.
Großbritannien verließ den EU-Binnenmarkt im Januar 2021 und hat die vollständige Einführung von Grenzkontrollen mehrmals verschoben, weil man sich Sorgen über Störungen in den Häfen und das Risiko einer zusätzlichen Lebenshaltungskostenkrise machte.
Im Gegensatz dazu hat Brüssel sofort Kontrollen und Dokumentationspflichten für Waren eingeführt, die aus Großbritannien in die EU eingeführt werden. Dies führte zu Verzögerungen und höheren Kosten und machte es für einige Unternehmen schwierig, im Wettbewerb zu überleben.
Die britische Regierung hatte im April angekündigt, dass sie bis zum 31. Oktober Gesundheitszertifikate für einige tierische Produkte, Pflanzen sowie Lebens- und Futtermittel aus Europa verlangen werde.
„Nach Anhörung der Industrie hat die Regierung einer dreimonatigen Verzögerung bei der Einführung der verbleibenden gesundheitspolizeilichen und pflanzenschutzrechtlichen Kontrollen sowie der vollständigen Zollkontrollen für nicht qualifizierte nordirische Waren zugestimmt“, heißt es in einer Erklärung.
Weitere Anforderungen, wie Warenkontrollen und Sicherheitserklärungen, sollen schrittweise bis 2024 eingeführt werden. Der Termin für einige dieser Anforderungen, wie zum Beispiel die Kontrolle von Tierprodukten und Pflanzen mit mittlerem Risiko, wird ebenfalls um drei Monate verschoben. Das soll den Unternehmen Zeit geben, sich vorzubereiten, so die Regierung.
Das am Dienstag veröffentlichte neue Betriebsmodell für die Grenzkontrollen sieht eine intelligentere Nutzung von Daten und Technologien sowie die Beseitigung von Doppelarbeit vor. So soll der Umfang der Daten und des Papieraufwands für die Unternehmen bei der Einfuhr von Waren verringert werden.
Diese Änderungen würden den Unternehmen im Vergleich zum ursprünglichen Importmodell, das 2022 eingeführt werden sollte, rund 520 Millionen Pfund (655 Millionen Dollar) pro Jahr einsparen, hieß es.
Geplant ist auch ein „Single Trade Window“-System zur Vereinfachung und Straffung der Import- und Exportprozesse, so dass die Händler nur noch einmal Informationen einreichen müssen.
„Die Unternehmen werden sich über diese Klarheit freuen, da sie sich auf die schwierige Umstellung auf ein digitales Handelssystem vorbereiten müssen“, sagte William Bain, Leiter des Bereichs Handelspolitik bei den britischen Handelskammern.
„Das Entscheidende ist die Vorbereitung. Die Unternehmen treffen langfristige Investitions- und Lieferkettenentscheidungen und müssen darauf vertrauen können, dass die physische und digitale Infrastruktur an der britischen Grenze rechtzeitig zur Verfügung stehen wird.“
[Bearbeitet von Kjeld Neubert]