Nach Rekorddefizit 2022: EU-Außenhandel wieder auf Erholungskurs
Nach einem schwachen Jahr 2022 verbessert sich die Handelsbilanz in Deutschland, Italien und Frankreich aufgrund der sinkenden Energiepreise und Chinas schwächelnder Exportwirtschaft wieder.
Nach einem schwachen Jahr 2022 verbessert sich die Handelsbilanz in Deutschland, Italien und Frankreich aufgrund der sinkenden Energiepreise und Chinas schwächelnder Exportwirtschaft wieder.
Im Jahr 2022 verzeichnete Europa einen starken Rückgang seiner Handelsbilanz mit dem Rest der Welt. Im August desselben Jahres erreichte das Handelsdefizit der Eurozone nach Angaben von Eurostat mit 50,9 Milliarden Euro den höchsten jemals verzeichneten Wert.
Eineinhalb Jahre nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine und der anschließenden Energiekrise scheint sich die Handelsbilanz in den größten Volkswirtschaften der EU – Deutschland, Frankreich und Italien – wieder zu erholen.
Italien konnte im Juni einen Handelsüberschuss von 7,718 Milliarden Euro mit dem Rest der Welt erzielen, verglichen mit einem Defizit von 2,512 Milliarden Euro im gleichen Monat des Jahres 2022, berichtete das italienische Statistikamt ISTAT am Freitag (11. August). Zwischen Mai und Juni stiegen die Exporte um 0,4 Prozent und die Importe sanken um 3,3 Prozent.
Ähnliche Trends in Deutschland und Frankreich
Ein ähnliches Muster ist auch in Deutschland zu beobachten, wo die Exporte im ersten Halbjahr 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 3,3 Prozent auf 797,8 Milliarden Euro gestiegen sind, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit.
Gleichzeitig gingen die Importe deutlich zurück, und zwar um 4,3 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2022. Der deutsche Handelsüberschuss erreichte im ersten Halbjahr 2023 98,7 Milliarden Euro und war damit mehr als doppelt so hoch wie im ersten Halbjahr 2022.
Die deutsche Handelsbilanz war im ersten Halbjahr 2022 noch auch einem relativen Tiefstand. Die größte Volkswirtschaft der EU verzeichnete im Mai 2022 zum ersten Mal seit 14 Jahren ein Handelsbilanzdefizit, was auf den Anstieg der Energiepreise zurückzuführen ist.
Auch Frankreichs Leistungsbilanzdefizit schrumpfte in den letzten sechs Monaten um 29,7 Mrd. € von -39,3 Mrd. € auf -9,6 Mrd. €, was in erster Linie auf einen Rückgang der Energiepreise nach einem volatilen Jahr 2022 zurückzuführen ist, der die Warenimporte billiger gemacht hat.
Im Gegensatz zu Deutschland und Italien hat Frankreich nach wie vor ein Handelsbilanzdefizit zu verzeichnen, das allerdings abnimmt. Die Wareneinfuhren sind im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2022 um 9,4 Prozent gesunken, während die Ausfuhren mit einem leichten Rückgang von -0,8 Prozent stabil geblieben sind. In Geld ausgedrückt, verringerte sich das Handelsdefizit von -89 Mrd. € auf -54 Mrd. €.
Chinas schleppende wirtschaftliche Erholung nach Covid
Der plötzliche Anstieg des EU-Handels ist nicht nur auf die niedrigeren Energiepreise zurückzuführen, sondern auch auf die schleppende wirtschaftliche Erholung Chinas nach COVID. Nach Angaben der Zollbehörden sind die Ausfuhren aus China in den vergangenen Monaten stark zurückgegangen, und zwar um 14,5 Prozent.
Dementsprechend sind die Einfuhren aus China für die größten europäischen Volkswirtschaften zurückgegangen, was sich zugunsten eines Handelsüberschusses auswirkt.
Zwischen Januar und Juni 2023 gingen die chinesischen Exporte nach Deutschland um 16,8 Prozent zurück, während die deutschen Exporte nach China ebenfalls um 8,4 Prozent sanken. Ebenso gingen die Einfuhren nach Italien um 19,9 Prozent zurück, während die italienischen Ausfuhren nach China um 45,6 Prozent stiegen.
Die französischen Exporte nach China stiegen im vergangenen Halbjahr um 7,3 Prozent, was hauptsächlich auf den Luftfahrtsektor zurückzuführen ist.
Chinas exportorientierte Wirtschaft leidet derzeit stark unter der schwächeren globalen Nachfrage, den höheren Energiepreisen, der hohen Inflation und den gestiegenen Zinssätzen aufgrund des Krieges in der Ukraine.
Trotz dieser positiven Ergebnisse in den größten EU-Volkswirtschaften mahnte der französische Handelsminister Olivier Becht zur Vorsicht: „Wir bleiben vorsichtig, und es liegt noch ein langer Weg vor uns […]“, sagte er am Dienstag (8. Juli) vor Journalisten und warnte, dass „solche Trends den Launen des internationalen Wirtschaftsumfelds unterliegen.“
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]