Historischer Schritt: Finnland besiegelt NATO-Beitritt

Nach dem schnellsten Beitrittsverfahren in der Geschichte des Militärbündnisses wurde Finnland am Dienstag als 31. Mitglied in die NATO aufgenommen, und die Nation nahm die endgültige Mitgliedschaft mit ruhiger Zufriedenheit auf.

Euractiv.com
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Nach jahrzehntelanger Neutralität und Blockfreiheit bedeutete dieser Tag nicht nur für Finnland, sondern auch für die nordischen und baltischen Regionen eine Zäsur. [EPA-EFE/JOHANNA GERON / POOL]

Nach dem schnellsten Beitrittsverfahren in der Geschichte des Militärbündnisses wurde Finnland am Dienstag als 31. Mitglied in die NATO aufgenommen, und die Nation nahm die endgültige Mitgliedschaft mit ruhiger Zufriedenheit auf.

Vor dem Außenministerium und dem militärischen Hauptquartier in Helsinki wurden zum ersten Mal NATO-Flaggen gehisst. Nach jahrzehntelanger Neutralität und Blockfreiheit bedeutete dieser Tag nicht nur für Finnland, sondern auch für die nordischen und baltischen Regionen eine Zäsur.

Glückwünsche erreichten das nordeuropäische Land auch aus Deutschland. „Das ist ein historischer Schritt, der die Allianz im Ganzen stärkt und mehr Sicherheit in und für Europa bedeutet“, so Bundeskanzler Olaf Scholz.

Der Bundeskanzler betonte, dass er auch Schweden bis Juli als Mitglied des Militärbündnisses begrüßen wolle. Der Beitrittsprozess Stockholms war zuletzt am Widerstand der Türkei und Ungarns ins Stocken geraten.

„Schweden hat auf diesem Weg weiter unsere volle Solidarität“, betonte Scholz.

Nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine wandelte sich die Stimmung in Finnland pro NATO-Mitgliedschaft, und im Mai letzten Jahres wurde ein Antrag gestellt. Trotz des zögerlichen Verhaltens Ungarns und der Türkei galt die Mitgliedschaft Finnlands – anders als die seiner westlichen Nachbarn – nicht als gefährdet.

Bevölkerung bleibt gelassen, NATO-Bier ausverkauft

Während des jüngsten Wahlkampfes in Finnland war die NATO-Mitgliedschaft in den Debatten nicht umstritten. Im neu gewählten Parlament sind von den ungefähr 200 Abgeordneten nur drei gegen den Beitritt.

„Finnland muss bereit sein, sich zu verändern, und muss anpassungsfähig sein. Die Mitgliedschaft ändert zwar nicht alles, aber die Tatsache, dass wir ein Verbündeter sind, verlangt von uns neue Denkweisen und auch einige Änderungen in der Gesetzgebung“, sagte Staatspräsident Sauli Niinistö in einer Erklärung.

Ihm zufolge wurde bereits „viel getan“, da Finnland sich „seit Jahren“ für die Entwicklung der NATO-Kompatibilität „engagiert“ habe. Allerdings „liegt noch viel Arbeit vor uns, um die finnische Verteidigung in die gemeinsame Verteidigung der NATO zu integrieren“, so Niinistö.

Nach den Ereignissen des Tages hielten sich die meisten Menschen an die finnische Tradition, „kein Aufhebens zu machen.“ Es gab jedoch auch Anzeichen für eine gewisse Begeisterung und einer Brauerei ist es gelungen, aus der Politik Profit zu schlagen: Olaf Brewing hat bereits vor einem Jahr ein NATO-Bier auf den Markt gebracht.

In einem Interview mit der Boulevardzeitung Ilta-Sanomat sagte Olaf Brewing-Geschäftsführer Petteri Vänttinen: „Nach der Ratifizierung des finnischen NATO-Abkommens durch die Türkei war der gesamte Bestand praktisch ausverkauft, wir haben in einer halben Stunde 9.000 Dosen verkauft. Jetzt sind wir darauf vorbereitet, dass jeder ein Glas erheben kann.“

In der Firma Printscorpio, die Flaggen verkauft, hat die Mitgliedschaft die Telefone klingeln lassen. „Die Nachfrage nach NATO-Flaggen ist explodiert, und wir versuchen unser Bestes, um sie zu befriedigen. Am letzten Wochenende haben wir einen 15-fachen Anstieg der Bestellungen verzeichnet“, erklärte Geschäftsführer Tommi Helminen gegenüber Ilta-Sanomat.