Inflation: Italien will Lebensmittelhilfe für Bedürftige einführen

Italiens regierendes Rechtsbündnis will auf der Grundlage eines Vorschlags von Abgeordneten der sozialdemokratischen Demokratischen Partei (PD) eine Lebensmittelhilfe für bedürftige Familien einführen.

EURACTIV.it
Italian Prime Minister Meloni reports to the Lower House
Der Vorschlag sieht vor, dass jede einkommensschwache Familie Unterstützung erhält, einschließlich Lebensmittel und Getränke, die aus unverkauften Waren in großen Lebensmittelgeschäften ausgewählt und in Paketen gesammelt werden. Mit dem Vorschlag soll auch das Problem der Lebensmittelverschwendung in einem Land bekämpft werden, in dem eine Durchschnittsperson etwa 37 kg pro Jahr verschwendet. [ EPA-EFE/ETTORE FERRARI]

Italiens regierendes Rechtsbündnis will auf der Grundlage eines Vorschlags von Abgeordneten der sozialdemokratischen Demokratischen Partei (PD) eine Lebensmittelhilfe für bedürftige Familien einführen.

Der Vorschlag sieht vor, einkommensschwache Familien zur Unterstützung Sachleistungen erhalten sollen, einschließlich Lebensmitteln und Getränken, die aus unverkauften Waren in großen Lebensmittelgeschäften ausgewählt und in Paketen gesammelt werden.

Mit dem Vorschlag soll auch das Problem der Lebensmittelverschwendung in dem Land bekämpft werden, in dem eine Durchschnittsperson etwa 37 kg pro Jahr verschwendet.

Der Vorschlag sehe die Bereitstellung von Mitteln zur Bekämpfung der „Lebensmittelarmut und zur Vermeidung des Wegwerfens von 230.000 Tonnen unverkaufter Lebensmittel“ vor, erklärte der PD-Abgeordnete Marco Furfaro, der zu den Initiator:innen der Initiative gehört.

Für die Finanzierung der Maßnahme hat die italienische Regierung 1,5 Millionen Euro im Jahr 2023 und weitere 2 Millionen Euro im Jahr 2024 veranschlagt.

Ein Erlass des Arbeitsministeriums zu dem Vorschlag wird innerhalb der nächsten 60 Tage erwartet. Darin soll festgelegt werden, wie viele Personen von der Initiative profitieren und welche Einrichtungen des Dienstleistungssektors beteiligt sind.

Bislang sind nur die Leitlinien des Vorschlags bekannt, der erst im Jahr 2023 in den Großstädten eingeführt werden soll.

Die Unterstützungspakete würden über eine App gebucht und von den Bedürftigen abgeholt werden. Für ältere und pflegebedürftige Personen bestünde die Möglichkeit, Lebensmittel nach Hause zu erhalten.

Im Rahmen des vorgeschlagenen Mechanismus ist vorgesehen, „dass die Supermärkte nicht verkaufte Lebensmittel an die Kommunen weitergeben und diese dann die Pakete selbst verteilen oder von den Berechtigten abholen lassen“, erklärte Furfaro.

Laut dem Bericht des Centro Studi Investimenti Sociali (Censis) über die soziale Lage in Italien aus dem Jahr 2022 leben 9,4 Prozent der Bevölkerung in absoluter Armut. 5,6 Millionen Italiener:innen sind betroffen, eine Million mehr als 2019, wobei mehr als jeder Vierte von Armut oder Ausgrenzung bedroht ist.

Wie Coldiretti im Bericht 2022 des Europäischen Hilfsfonds für Bedürftige (Fead) feststellte, handelt es sich bei den „neuen Armen“ häufig um Büroangestellte, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, oder um kleine Händler:innen und Handwerker:innen, die ihre Geschäfte schließen mussten. Beide Gruppen haben stark unter der COVID-19-Pandemie und nun unter der Energiekrise gelitten.

„Jetzt sind 600.000 Kinder, 337.000 ältere Menschen und drei Millionen Italiener:innen auf Suppenküchen oder Lebensmittelpakete angewiesen, wenn es ihnen gut geht, weil sie es sich nicht leisten können, einkaufen zu gehen. Jetzt werden die unverkauften Lebensmittel an die Bedürftigen verteilt“, sagte Furfaro.

Kritiker:innen betonen jedoch, die neue Maßnahme dürfe nicht nur darin bestehen, „Reste an Bedürftige“ abzugeben.

„Würde sollte auch denen gegeben werden, die nichts haben, nicht Reste oder Abfall“, erklärte die Caritas.