Inflation: Lagarde lässt künftiges Vorgehen der EZB offen

Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte bei ihrer nächsten Sitzung die Zinssätze erneut anheben, könnte aber auch eine Pause einlegen - die Entscheidung darüber werde von den neuesten Daten abhängen, so Präsidentin Christine Lagarde.

EURACTIV mit AFP
European Central Bank Governing Council decides to raise key ECB interest rates
Die Zentralbank der 20 Länder, die den Euro verwenden, hat am Donnerstag zum neunten Mal in Folge die Kreditkosten erhöht, da sie mit einer hartnäckig hohen Inflation kämpft. [EPA-EFE/RONALD WITTEK]

Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte bei ihrer nächsten Sitzung die Zinssätze erneut anheben, könnte aber auch eine Pause einlegen – die Entscheidung darüber werde von den neuesten Daten abhängen, so Präsidentin Christine Lagarde.

Die Zentralbank der 20 Euroländer hat am Donnerstag angesichts der anhaltend hohen Inflation zum neunten Mal in Folge den Leitzins und damit die Kosten für die Aufnahme von Krediten erhöht.

In ihren Äußerungen nach der Sitzung deutete Lagarde jedoch an, dass die EZB ihre historische Serie von Zinserhöhungen bald beenden könnte. Sie sagte, sie sei für künftige Entscheidungen offen.

In einem Interview mit der französischen Tageszeitung Le Figaro, das am Sonntag veröffentlicht wurde, betonte sie, dass noch keine Entscheidung darüber getroffen worden sei, was die EZB auf ihrer nächsten Sitzung am 14. September tun werde.

„Ich höre einige Leute sagen, dass die letzte Zinserhöhung im September stattfinden wird“, sagte sie. „Es könnte eine weitere Anhebung des Leitzinses geben oder vielleicht eine Pause. Eine Pause, wann immer sie eintritt, im September oder später, wäre nicht unbedingt endgültig.“

Entscheidungen würden auf der Grundlage der neuesten Wirtschafts- und Finanzdaten getroffen, sagte sie, immer mit dem Ziel, die Inflation zurück in die angestrebte Bandbreite zu bringen.

Die EZB will auf ihrer September-Sitzung ihre neuesten Prognosen, auch für das Wachstum und die Inflation in der Eurozone, veröffentlichen.

Die Inflation hat sich zwar verlangsamt, lag aber im Juli immer noch bei 5,3 Prozent und damit deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der EZB.

Nachdem die Eurozone um die Jahreswende in eine Rezession geriet und die Wirtschaft zwei Quartale in Folge schrumpfte, wuchsen jedoch die Bedenken über die Auswirkungen von Zinserhöhungen.

Lagarde bezeichnete die am Freitag veröffentlichten Daten zum Wirtschaftswachstum in Deutschland, Frankreich und Spanien für das zweite Quartal jedoch als „recht ermutigend.“

Sowohl die französische als auch die spanische Wirtschaft wuchsen stärker als erwartet. Die deutsche Wirtschaft stagnierte dagegen.

Lagarde wies auch die Kritik von Staats- und Regierungschefs einiger Länder, beispielsweise Italien, an den Zinserhöhungen zurück.

„Als Zentralbanker muss man ein dickes Fell haben“, sagte sie.

Es sei wichtig, „das Ziel, die Inflation zu senken, nicht aus den Augen zu verlieren und sich über die eingesetzten Instrumente und die angestrebten Ergebnisse so klar wie möglich zu sein.“