Interview: KMUs benötigen besseren Zugang zu Finanzmitteln [DE]
Thomas Philippon, Professor an der New York University (NYU), spricht sich für eine Verbesserung der Finanzregelungen und des Konkursrechts in Europa aus, um Unternehmensneugründungen und Wirtschaftswachstum zu fördern. Philippon sprach hierüber mit EURACTIV.
Thomas Philippon, Professor an der New York University (NYU), spricht sich für eine Verbesserung der Finanzregelungen und des Konkursrechts in Europa aus, um Unternehmensneugründungen und Wirtschaftswachstum zu fördern. Philippon sprach hierüber mit EURACTIV.
- EU-Finanzsektor bevorzugt große Unternehmen
Europa hat die USA eingeholt und teilweise gar überholt, was die Entwicklung von Finanzdienstleistungen für große Unternehmen betrifft. Dennoch mangele es in der EU daran, Produkte zur Verfügung zu stellen, die kleine Unternehmen in sich entwickelnden Sektoren benötigten, so Philippon.
„In Europa stellen wir für gewöhnlich mehr Dienstleistungen für bereits etablierte Unternehmen zur Verfügung und der Prozess der europäischen Integration hat diese Unausgewogenheit verstärkt“, erklärt Philippon. „Wenn man sich das Wachstum des US-Finanzsektors anschaut, bin ich der Meinung, es ist ausgewogener, und zwar in der Hinsicht, dass es Jedem Dienste zur Verfügung stellt – von General Electric bis hin zu einer Firmenneugründung in Kalifornien.“
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind im Kontext der Lissabon-Strategie für Wachstum und Beschäftigung in den Fokus der EU-Politiker gerückt. Philippon ist jedoch der Meinung, dass es an den richtigen Bedingungen mangele.
„Es liegt natürlich nicht nur an den finanziellen Mitteln, dass kleine und mittlere Unternehmen in Europa nicht wachsen“, sagte Philippon. „Das Finanzwesen ist jedoch Teil der Erklärung. Was ich beim Unterrichten in den USA realisiert habe, ist, dass junge Leute an der Universität wissen, wenn sie eine verrückte Idee haben, dann können sie jemanden finden, der sie finanziert. Also versuchen sie es.“
Der Professor für Finanzwesen glaubt jedoch nicht, dass KMUs eine direkte Unterstützung benötigten. „Wir brauchen gute Umstände für die Finanzierung der KMUs“. Er sagte, „daher sollten die Gesetzgeber die zahlreichen Finanzquellen transparent darstellen und harmonisieren“.
Insbesondere müsse man die Möglichkeiten finden, um die Vielzahl an Konkursgesetzen, die in Europa derzeit existieren, in Einklang zu bringen und zu verbessern. „Kleine und aufstrebende Unternehmen gehen Risiken ein, daher werden sie vermutlich in eine finanzielle Notlage geraten. Für sie ist daher das Konkursrecht von großer Bedeutung.“
Für die EU-Politiker wird es jedoch eine herausforderungsvolle Aufgabe sein, die Vielzahl an Konkursgesetzen zu harmonisieren, sollten sie sich entscheiden, sich dieser Herausforderung zu stellen. „Das Konkursrecht fällt vollständig in den Aufgabenbereich der einzelnen Staaten, da es tief im Rechtssystem des entsprechenden Landes verankert ist. Daher kann man es nicht ohne weiteres einfach ändern.“
Philippon ist jedoch der Meinung, es gibt einen Handlungsspielraum. „Man muss Bereiche bestimmen, in denen erstens eine Harmonisierung möglich ist, und zweites die Wirkungen groß sind. Im Bereich der Regelungen für finanzielle Notlagen gibt es eine Reihe von Aspekten, wo man einen Fortschritt erreichen könnte – ohne das Konkursrecht komplett neuzuerfinden.“
„Jegliche Standardisierung des Konkursrechts ist sehr kompliziert. Dies ist die wahre Aufgabe für Politiker in der Zukunft.“
- Steuerwettbewerb in Europa ist „ineffizient“ und „unsinnig“
Zum Thema Steuerwettbewerb zwischen den EU-Mitgliedstaaten sagt Philippon, dieser sei „ineffizient“ und „unsinnig“. „Der Steuerwettbewerb in Europa funktioniert so, dass Länder versuchen, Unternehmen mithilfe ihrer Steuersysteme anzuziehen. Dieses System ist sehr ineffizient. Alle Daten zeigen, dass Steuersenkungen, um Unternehmen anzuziehen, keine funktionierende Maßnahme ist. Sie kostet stattdessen viel Geld, daher ist es unsinnig, dies auf europäischer Ebene zu versuchen.“
Er gestand jedoch ein, dass es politisch gesehen schwierig sein würde, die Einführung eines einheitlichen Steuersatzes in ganz Europa zu erreichen, da die Mitgliedstaaten in Steuerfragen an ihrer Souveränität festhielten. „Ich befürworte stark, dass hier mehr Druck ausgeübt wird, aber dies wird politisch gesehen schwierig werden. Ich muss jedoch sagen, wenn man an mögliche Maßnahmen denkt, die das Bild der Europäer, das sie von Europa haben, verbessern könnten, fällt mir nichts besseres ein.“
Um das vollständige Interview mit Thomas Philippon zu lesen, klicken Sie bitte hier.