Interview: Kritik an EZB 'unangemessen' [DE]

Hinsichtlich der Meinung über die Europäische Zentralbank (EZB), die von dem neuen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy geäußert wurde, warnt Paul de Grauwe, Professor an der Universität Leuven, in einem Interview mit EURACTIV, dass diese Art von Kritik die Währungsunion gefährden könnte.

Hinsichtlich der Meinung über die Europäische Zentralbank (EZB), die von dem neuen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy geäußert wurde, warnt Paul de Grauwe, Professor an der Universität Leuven, in einem Interview mit EURACTIV, dass diese Art von Kritik die Währungsunion gefährden könnte.

Während des Wahlkampfs um das französsische Präsidentenamt ist die EZB unter Beschuss von Nicolas Sarkozy geraten, der deren Zinspolitik scharf kritisierte: Sie konzentriere sich zu stark auf Inflation und zu wenig auf Wachstum. Sarkozy kritisierte weiterhin den Unabhängigkeitsstatus der EZB. Die Finanzminister der Eurozone haben diese Kritik bei dem Treffen der Eurogruppe am 7. Mai 2007 abgelehnt und von dem neugewählten Präsidenten gefordert, die Unabhängigkeit der EZB zu akzeptieren.

In einem Interview mit EURACTIV sagte Professor de Grauwe, dass die Kritik Sarkozys „unangemessen“ und sogar „gefährlich“ sei. Er erklärte, dass keines der Probleme, denen Frankreich gegenüberstehe, durch die EZB oder eine gelockerte Währungspolitik gelöst werden könne. Zudem warnt der Akademiker davor, dass Kritik dieser Art gefährlich sei, da diese, wenn sie ernst genommen würde, die Währungsunion gefährden könne.

Zu der Frage eines möglichen Beitritts Großbritanniens zur Eurozone erklärt Professor de Grauwe, da Großbritannien nicht sehr stark in die Eurozone integriert sei, könne es keine großen ökonomischen Vorteile von der Einführung der gleichen Währung erwarten. Andererseits bestehe auch ein Risiko, dass Großbritannien mit einem Beitritt in die Eurozone die politische Gestaltung verkomplizieren könnte.

Von den neuen EU-Mitgliedstaaten, die der EU 2004 und 2007 beigetreten sind, wird erwartet, dass sie der Eurozone beitreten. Bisher hat nur Slowenien den Euro angenommen, andere werden jedoch folgen. Dennoch ist de Grauwe der Meinung, dass diese Länder kurzfristig gesehen nur einen geringen wirtschaftlichen Einfluss auf die Eurozone haben würden, es sei denn, sie nähmen eine nationalistische Haltung in der Zinspolitik ein.

Zu Fragen im Bereich Finanzdienstleistungen befürwortet de Grauwe den Einbezug der „Kosten von Barzahlungen“ in die Folgenabschätzungen der Kommission. Er argumentiert, die Kosten von Barzahlungen beliefen sich auf ein Vielfaches der Kosten von bargeldlosen Zahlungen. Er fügte hinzu, dass dies jedoch nicht „transparent“ sei und Verbraucher sich daher den hohen Kosten von Barzahlungen nicht bewusst seien.

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