Italien: Antifaschismus-Debatte überschattet Tag der nationalen Befreiung
Der 25. April, der Jahrestag der Befreiung Italiens von Faschismus und Nazibesatzung, ist ein Anlass, der das Land jedes Jahr spaltet.
Der 25. April, der Jahrestag der Befreiung Italiens von Faschismus und Nazibesatzung, ist ein Anlass, der das Land jedes Jahr spaltet.
Die Debatte dreht sich nicht nur um die tatsächlichen historischen Fakten, sondern auch um die Gesamtbewertung der zwei Jahrzehnte des Faschismus und die reale Gefahr, dass sich in Italien wieder eine Form der Diktatur durchsetzen könnte.
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (Fratelli d’Italia/EKR) nahm zusammen mit Staatspräsident Sergio Mattarella und anderen führenden Regierungsmitgliedern an den Feierlichkeiten am Altar des Vaterlandes in Rom teil und ließ einen Brief im Corriere della Sera veröffentlichen, um „zu einer neuen nationalen Harmonie beizutragen.“
Meloni wurde schon immer und insbesondere während dieses Jubiläums vorgeworfen, sich nie als „antifaschistisch“ bezeichnet zu haben.
In dem im Corriere veröffentlichten Brief verteidigt Meloni den rechten Flügel, der seit Jahren im Parlament seine „Unvereinbarkeit mit jeglicher Nostalgie nach dem Faschismus“ erklärt. Sie betont, dass „Freiheit und Demokratie ein Erbe für alle sind.“
Meloni wirft ihren politischen Gegnern vor, den Faschismus als Instrument zu benutzen, um sie zu delegitimieren und ihn als „Waffe der Massenausgrenzung“ einzusetzen.
Von linker Seite richten sich mehrere Vorwürfe gegen Meloni und die Fratelli d’Italia, während die beiden verbündeten Parteien der Regierung, Matteo Salvinis Lega und Silvio Berlusconis Forza Italia, nicht an der Debatte beteiligt sind.
„Die Wurzeln unserer republikanischen Geschichte sind antifaschistisch“, kommentierte Senator Francesco Boccia (Demokratische Partei/S&D) den Brief des Ministerpräsidenten.
„Deshalb ist es bedauerlich, dass Giorgia Meloni, obwohl in einem Bemühen, das wir anerkennen, aber eine offensichtliche Zurückhaltung an den Tag legt, sich nicht als Antifaschistin erklärt“, fügt er hinzu.
Die Debatte auf politischer Ebene spiegelt die Spaltung des Landes in dieser Frage wider.
Laut einer Umfrage des Forschungsinstituts Quorum/YouTrend im Auftrag von SkyTG24 sind trotz der Debatte 60 Prozent der Italiener der Meinung, dass der Tag der Befreiung ein Tag ist, der das Land eint, anstatt es zu spalten.
Noch beunruhigender ist, dass nur 29 Prozent der Befragten den Antifaschismus für überholt und anachronistisch halten, während 47 Prozent der Meinung sind, dass es in Italien eine „faschistische Gefahr“ gibt.