Italien prüft Atomkraft als Ergänzung des Energiemixes

Die Italienische Regierung prüft einen Einstieg des Landes in die Atomkraft. Investitionen in die Kernenergie seien für Italien notwendig, um seine Ziele im Bereich sauberer Energie und Energiesouveränität zu erreichen, sagte der Lega-Abgeordnete Luca Toccalini (ID).

EURACTIV.it
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Neben Investitionen in erneuerbare Energien und Partnerschaften mit nordafrikanischen Ländern für Gaslieferungen will Italien auch die Kernenergie in seinen Energiemix aufnehmen. [Shutterstock/marcovarro]

Die Italienische Regierung prüft einen Einstieg des Landes in die Atomkraft. Investitionen in die Kernenergie seien für Italien notwendig, um seine Ziele im Bereich sauberer Energie und Energiesouveränität zu erreichen, sagte der Lega-Abgeordnete Luca Toccalini (ID).

Neben Investitionen in erneuerbare Energien und Partnerschaften mit nordafrikanischen Ländern für Gaslieferungen will Italien auch die Kernenergie in seinen Energiemix aufnehmen.

„Abgesehen davon, dass sie sauber und sicher ist, sind Investitionen in die Kernenergie äußerst notwendig, um die strategischen Ziele der italienischen, aber auch der europäischen Energiesouveränität zu verfolgen“, sagte der Abgeordnete Luca Toccalini (Lega/ID) gegenüber EURACTIV.

Die Mitte-Rechts-Parteien in der Regierung – Fratelli d’Italia (EKR), Lega (ID) und Forza Italia (EVP) – hatten bereits in ihrem Wahlprogramm, mit dem sie die Parlamentswahlen im September 2022 gewonnen haben, ihre Absicht bekundet, wieder in die Atomkraft zu investieren.

Diese Strategie wird auch von Parteien der Mitte wie Italia Viva von Ex-Premierminister Matteo Renzi und Azione von Ex-Wirtschaftsminister Carlo Calenda geteilt, die die Koalition des „Dritten Pols“ bilden.

Regierung wird Einstieg in die Kernkraft prüfen

Vor einigen Tagen hat die Abgeordnetenkammer einen Antrag über Energieinitiativen zur Erreichung der Klimaneutralität angenommen, insbesondere im Hinblick auf die Kernenergie.

Der Antrag verpflichtet die Regierung, Italiens Dekarbonisierungsprozess zu beschleunigen und die Möglichkeit zu prüfen, die Kernenergie als „alternative und saubere Energiequelle“ in den nationalen Energiemix aufzunehmen.

Um den nationalen Bedarf an sauberer Energie zu decken, muss die Regierung auch Gebiete „außerhalb Italiens“ ausfindig machen, in denen Atomstrom produziert wird, um internationale Abkommen und Partnerschaften einzugehen, die den Import garantieren.

„Die Kernenergie der vierten Generation ist ebenso sicher wie sauber“, sagte der Minister für Umwelt und Energiesicherheit, Gilberto Pichetto Fratin.

„Wir werden nun mit unseren europäischen Partnern darüber diskutieren und mit größter Sorgfalt überlegen, wie wir sie in den nationalen Energiemix der kommenden Jahrzehnte einbinden können, um auch mit dem Beitrag der Kernenergie die von der Europäischen Union gesetzten Dekarbonisierungsziele zu erreichen, bis hin zum Endziel der Klimaneutralität im Jahr 2050“, fügte er hinzu.

Im vergangenen März nahm Italien als Beobachter an dem von Frankreich am Rande des EU-Energierates in Brüssel organisierten Treffen zur Kernenergie teil. Im Monat zuvor unterzeichneten elf europäische Länder ein Kooperationsabkommen zur Kernenergie, die sogenannte „Nukleare Allianz.“

Deutschland „zeigt wenig Pragmatismus“

Unter diesen Ländern fehlt Deutschland, das in den letzten Jahren den umgekehrten Weg eingeschlagen und seine Kernkraftwerke abgeschaltet hat. Die letzten drei Reaktoren wurden am 15. April abgeschaltet, trotz der Proteste einiger Politiker, Klimaforscher und führender Wissenschaftler.

Laut Toccalini hört die Regierung Scholz „lieber auf die […] ideologischen Sirenen der Grünen und zeigt wenig Pragmatismus.“

Die Regierung der derzeitigen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hingegen werde „an den europäischen Verhandlungstischen mit dem Ziel teilnehmen, Italien und seine Spitzenleistungen im Energie- und Automobilsektor zu verteidigen.“

„Daran gibt es keinen Zweifel“, betonte Toccalini.

Das Referendum vom 8. November 1987, das zum Ausstieg aus der Kernenergie in Italien führte, sieht kein Verbot vor und verlangt auch keine Wiederholung eines Referendums, um den Bau von Kernkraftwerken fortzusetzen. Ein einfaches Gesetz, das einen nationalen Energieplan umreißt, ist ausreichend.