Kampf gegen Krise und Bankenblockade
In einigen Ländern Europas erahnen die Unternehmen bereits Licht am Ende des Tunnels. Trotzdem sind sie gezwungen, Arbeitskräfte zu entlassen, Vermögenswerte zu veräußern und Investitionen zurückzufahren. EURACTIV bringt einen Überblick über die Situation in Europa. Die Lage ist insgesamt dramatisch. Klein- und Mittelbetriebe (KMU) haben das Nachsehen. Die Verweigerungshaltung der Banken gilt als Hauptfaktor für steigende Arbeitslosigkeit in Europa.
In einigen Ländern Europas erahnen die Unternehmen bereits Licht am Ende des Tunnels. Trotzdem sind sie gezwungen, Arbeitskräfte zu entlassen, Vermögenswerte zu veräußern und Investitionen zurückzufahren. EURACTIV bringt einen Überblick über die Situation in Europa. Die Lage ist insgesamt dramatisch. Klein- und Mittelbetriebe (KMU) haben das Nachsehen. Die Verweigerungshaltung der Banken gilt als Hauptfaktor für steigende Arbeitslosigkeit in Europa.
Einige Länder berichten zwar, dass die Kreditklemme etwas abnimmt und die Darlehen an die Klein- und Mittelbetriebe (KMU) wieder ansteigen. Dennoch sieht es für die meisten Unternehmen düster aus.
BusinessEurope, der Dachverband von Wirtschafts- und Arbeitgeberverbänden aus EU-Ländern sowie der Schweiz und der Türkei zwecks Dialogs mit der Politik Europas, weist darauf hin, dass größere Firmen in höherem Ausmaß Kredite erhalten als in der Vergangenheit. Das hat jedoch zur Folge, dass die Finanzinstitute nun noch weniger geneigt sind, an KMU Kredite zu vergeben.
Größerer Einfluss des Staates
Die Regierungen einiger EU-Staaten unterstützen Banken, die sich mit Darlehen an die Realwirtschaft und an Verbraucher zurückgehalten haben. Die Finanzinstitute in den meisten Ländern haben eine Kapitalspritze durch die jeweilige Regierung bekommen. Dadurch haben die Regierungen nun größeren Einfluss über die Kreditvergabepraxis der Banken. Außerdem haben etliche Regierungen Bürgschaftsmodelle entwickelt, um risikoaverse Banken zu motivieren.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen auf ein Rekordtief von einem Prozent heruntergefahren, und die Europäische Investitionsbank (EIB) hat angekündigt, dass sie dreißig Milliarden Euro an Krediten für die KMU und an Bürgschaften zur Verfügung stellen wird.
Deutschland
In Deutschland spitzt sich der Streit um die Kreditklemme zu. Wie die Financial Times Deutschland (FTD) in ihrer Freitagausgabe berichtet, täuschen die Daten des Bundesverbands der Banken über sinkende Kredite für die Realwirtschaft hinweg. BGA-Präsident sieht "Folterwerkzeuge" im Einsatz. Der Mittelstand meldet verschlechterte Kreditkonditionen.
Banken: "Phantom-Debatte"
In Deutschland wird die Kreditklemme immer kontroverser diskutiert. Für die einen spitzt sich die Lage auf dem Kreditmarkt für Unternehmen dramatisch zu. Andere sprechen von einer "Phantom-Debatte". Anfang der Woche hatte Manfred Weber, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB), gesagt: "Wir reden uns hier die Köpfe ein bisschen heiß, anstatt mit Ruhe und Sachverstand heranzugehen, um eine mögliche Kreditklemme gar nicht erst entstehen zu lassen, die wir bis heute aber nicht haben."
Tricks bei der Berechnung
Nach Angaben des BdB stieg der Kreditbestand im ersten Quartal 2009 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6,9 Prozent. Doch nach Berechnungen der FTD täuschen die Zahlen aufgrund der Einbeziehung von Krediten an Investmentfonds, Versicherungen oder Finanzleasinggesellschaften über die sinkende Kreditvergabe an die Realwirtschaft hinweg. Das Kreditvolumen für Unternehmen und Selbstständige sei um 2,7 Milliarden Euro gesunken.
Die Rechnung könnte erklären, warum immer mehr Branchenverbände Liquiditätsengpässe melden. So gaben etwa in einer Juni-Umfrage des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) 57 Prozent der rund 1600 befragten Firmen an, bereits eine Kreditklemme zu spüren.
Scharfe Angriffe aus der Politik
Politiker wie Finanzminister Peer Steinbrück griffen die Banken in den vergangenen Wochen für ihre Kreditvergabe scharf an. Sie erhielten "billiges Geld" von der Europäischen Zentralbank, ohne es zu annehmbaren Konditionen an die Unternehmen zu verleihen, so der Vorwurf. Steinbrück und Bundesbankchef Axel Weber brachten die Alternative ins Spiel, die Bundesbank könnte die Unternehmen selbst mit Krediten versorgen. Regierungssprecher Thomas Steg wies entsprechende Überlegungen allerdings zurück.
"Grottenschlechte" Bilanzen 2009
Für den Präsidenten des Deutschen Außenhandelsverbandes (BGA), Anton Börner, droht eine Kreditklemme im Spätsommer. Die Bilanzen der Unternehmen würden in diesem Jahr "grottenschlecht" ausfallen. Dementsprechend würden sich die Finanzierungskonditionen weiter verschlechtern und die Kreditklemme 2010 "noch verschärfen". Schon jetzt merke man "schmerzhaft", dass die Banken in der Kreditvergabe sehr restriktiv würden. "Vor allem beklagen wir, dass die Margen der Banken drastisch angezogen wurden und sich die Banken auch viele Folterwerkzeuge ausdenken, etwa Extragebühren", so der BGA-Präsident.
Börner fordert das Engagement des Staates. "Wir brauchen zwingend so genannte Lead-Investoren, also die KfW-Bank, die Bundesländer oder eben Notenbanken. Ohne Staat geht es nicht, allerdings soll er diese Aufgabe nur vorübergehend ausüben, bis die Finanzmärkte wieder funktionieren", so Börner.
Jeder zweite Mittelständler betroffen
Meldeten zu Beginn der Krise vor allem Großkonzerne Schwierigkeiten, Kredite mit hohen Volumen zu akquirieren, beklagen mittlerweile vermehrt kleine und mittlere Unternehmen (KMU) Probleme bei der Beschaffung von Fremdkapital. "Der Mittelstand steckt in einer Kreditklemme" erklärte Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), jüngst in Berlin. Der Befragung von rund 1500 Unternehmen zufolge hat sich für fast jeden zweiten Mittelständler (46,7 Prozent) die Liquiditätssituation im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. Für 38,4 Prozent der Unternehmen sind die Kreditkonditionen in den vergangenen vier Monaten schlechter geworden.
Reform für Basel II gefordert
Seit Wochen fordern Verbände und Unternehmen angesichts einer drohenden Kreditklemme die Eigenkapitalvorschriften für Banken (Basel II) anzupassen. Die Sorge: Weil sich die Bonitäts-Ratings der krisengeschüttelten Unternehmen verschlechtern, müssen die Banken bei der Kreditvergabe ein höheres Eigenkaptal vorhalten, wie es die Basel II-Regeln vorschreiben (Siehe hierzu: EURACTIV Link-Dossier Basel II). Diese Regelung wirke "prozyklisch" und verschärfe die Krise noch, so unter anderem BGA-Präsident Börner.
Prozyklische Wirkung schädlich
Auch der Bundesverband der Banken (BdB) unterstützt die Forderung nach einer Basel II-Änderung: "Vor dem Hintergrund und den Erfahrungen der Finanzkrise sollten kurz- und mittelfristige Anpassungen an den regulatorischen Kapitalanforderungen vorgenommen werden, um die prozyklischen Wirkungen zu reduzieren", erklärte Hans-Joachim Massenberg, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), in Frankfurt.
Finanzminister Peer Steinbrück scheiterte im Kreis seiner EU-Kollegen jüngst mit dem Vorstoß (EURACTIV.de 7.Juli 2009), die Basel II-Vorschriften zu lockern.
Kapital-Puffer für die Zukunft
Am 13. Juli 2009 machten die EU-Kommission und der Baseler Ausschuss stattdessen Vorschläge, wie die Eigenkapitalvorschriften in der Zeit nach der Krise verschärft werden sollen. Ein Ziel: Für Krisenzeiten sollen die Banken in Zukunft Kapital-Puffer anlegen. Der BdB warnt, entsprechende Änderungen dürften nicht zu früh kommen. "Reformmaßnahmen, insbesondere solche, die zu einer Erhöhung des Eigenmittelanforderungsniveaus im Bankensystem führen, sollten allerdings erst umgesetzt werden, wenn die Krise überwunden ist, "da sie ansonsten die aktuelle Situation nur verschärfen würden", sagte Hans-Joachim Massenberg am 15. Juli in Frankfurt.
Bisherige Maßnahmen der EZB
Die EZB hat den Banken im Juni erstmals unbegrenzt frisches Geld für ein Jahr Laufzeit zum festen Zinssatz von einem Prozent angeboten. Mehr als 1100 Banken griffen zu und liehen sich ingesamt die Rekordsumme von 442 Milliarden Euro ( EURACTIV.de vom 24. Juni 2009).
Frankreich
In Frankreich erwartet man für das laufende Jahr 25 Prozent mehr Firmenpleiten als im vergangenen Jahr. Dies geht aus einer im Juni veröffentlichten Studie von Eurler Hermers, einer renommierten Kreditversicherungsgesellschaft, hervor. Die Zahl der diesjährigen Firmenzusammenbrüche könnte auf 73.000 Fälle klettern und damit einen neuen Rekord aufstellen. Zum Vergleich: In der Rezession 1993 gab es 64.800 Insolenzen.
Zahlungsverzug grassiert
Beim Thema Zahlungsverzug ergeht es KMUs in Frankreich besser als in den europäischen Partnerländern. Das ergibt eine Studie des Altares Institute. Der durchschnittliche Zahlungsverzug betrug in Frankreich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 11,7 Tage. Der europäische Durchschnittswert liegt bei 15 Tagen. Am meisten betroffen sind der Immobiliensektor, das Transportwesen und der Einzelhandel. Hier beträgt der durchschnittliche Zahlungsverzug sogar mehr als 15 Tage.
Klagen der Kleinstunternehmer
Die Altares-Studie besagt, dass die französischen Kleinstunternehmer am meisten unter dem Zahlungsverzug zu leiden haben. 60 Prozent der Unternehmen in der Größenordnung von 1 bis 250 Mitarbeitern klagen über Zahlungsverzug, wogegen Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten nur zu 21,5 Prozent davon betroffen sind.
Ein neues Gesetz setzt ein Limit für verspätete Zahlungen fest. Man erwartet, dass diese Reform die KMU im Volumen von 22 Milliarden Euro ankurbelt.
Großbritannien
Erste Anzeichen einer möglichen wirtschaftlichen Erholung meldet eine führende Unternehmensgruppe, wonach allmählich wieder Vertrauen in den Markt zurückkehrt. Der Verband der Kleinunternehmer meldete in seinem jüngsten Monatsbericht einen Aufschwung im Handel. Die Situation sei deutlich besser als im Herbst 2008.
Entkrampfung im Kingdom
Im vergangenen Jahr haben 40 Prozent der kleineren Unternehmen als ihr größtes Problem die Finanzierungskosten genannt. Diese Zahl ist mittlerweile auf 25 Prozent gesunken. Die Bewegung in der Kreditvergabe sorgt für eine ansatzweise Entkrampfung. Die Lage im Vereinigten Königreich wirkt im Vergleich zu den Erfahrungen der anderen KMU in Europa als aus dem Takt geraten. Aber die ersten zarten Triebe im Verbraucherkreditmarkt lassen hoffen.
Vertrauen nimmt wieder zu
Dass das Vertrauen wieder zunimmt, lässt sich auch an folgenden Daten festmachen: 57 Prozent der KMU geben an, dass sie in die Zukunft mit begründetem Optimismus blicken. Eine wachsende Zahl von KMU plant Investitionen in neue Produktentwicklungen und in die Belegschaft. Allerdings stellt die Kreditkrise weiterhin eine existenzielle Bedrohung für Geschäfte und Gaststätten auf dem Lande dar.
Nachhilfestunden für Banker
Der britische Finanzminister Alistair Darling erklärte am 14. Juli, dass der Zugang zu Krediten der Schlüssel für die wirtschaftliche Erholung ist. Er betonte, dass Darlehen an die KMU von ganz besonderer Dringlichkeit seien. Er kündigte ein weiteres kurzfristiges Treffen mit Banken an. Die Regierung habe, so Darling, bereits Darlehensvereinbarungen mit Banken getroffen, an denen der Staat beteiligt ist.
Tschechien
Eine Studie der tschechischen Handelskammer vom Juni belegt den schlechter gewordenen Zugang zu Krediten, was die Unternehmen zwingt, ihre Kosten zu reduzieren. Drei Viertel der Firmen mussten ihre Aktivitäten wegen Kapitalmangels herunterfahren. Mehr als die Hälfte der tschechischen Betriebe mussten geplante Investitionen verschieben oder sogar stornieren.
Entlassungen und Notverkäufe
Probleme mit ihrem Cashflow zwangen 25 Prozent der Unternehmen, Mitarbeiter zu entlassen oder Vermögenswerte zu veräußern. Die Hälfte der befragten Unternehmen erklärte, dass die Banken in den vergangenen drei Monaten weniger Bereitschaft zu Darlehen zeigten. Der tschechische Industrieverband stellte im Juni in seinem Vierteljahresbericht fest, dass 92 Prozent aller tschechischen Industrieunternehmen mit Zahlungsverzug größere Probleme haben als im Jahr davor. Der tschechische Gesetzgeber plant nun Maßnahmen zur Bestrafung von Zahlungsverzug.
Prag: Industrie Ja, Dienstleistung Nein
Nach den Worten von Tomás Bartovsky, dem Sprecher des Industrie- und Handelsministeriums, startete die Regierung in Prag ein eigenes Bürgschaftsprogramm zugunsten der tschechischen Industrie. Die Maßnahme im Volumen von einer Milliarde tschechischer Kronen, umgerechnet knapp 39 Millionen Euro, verspricht beträchtlichen Erfolg. Tschechische Wirtschaftsvertreter wollen die Regierung dazu bringen, auch den Dienstleistungssektor und den Handel in diese Maßnahme einzubeziehen. Allerdings ist die Regierung dazu offenbar nicht bereit, wie Bartovsky zu EURACTIV sagte.
Slowakei
Nach Informationen der Slowakischen Nationalbank stieg die Zahl der gewerblichen Kredite im Mai wieder leicht an. Dies geht vor allem auf ein höheres Kreditvolumen bei Immobilien zurück. Bei Investitions- und Betriebsmittelkrediten gab es jedoch einen Rückgang zum Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Vertrag unter Banken
Zum slowakische Maßnahmenpaket zur Unterstützung der KMU gehört auch der Vertrag, den die Slowakische Bürgschafts- und Entwicklungsbank SZRB mit den Geschäftsbanken abgeschlossen hat. Der Vertrag sieht schnelle Bürgschaftsgarantien vor. Zwischen Januar und April 2009 hat die SZRB 292 Bankgarantien in Höhe von 17 Millionen Euro sowie 46,5 Millionen Euro an Krediten gewährt. Das bedeutet einen Anstieg von 24 Millionen Euro verglichen mit der Vorjahresperiode.
In einer Analyse über die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf die slowakischen KMU teilt die Staatliche Entwicklungsagentur für Klein- und Mittelbetriebe (NADSME) mit, dass nur zwei Prozent der KMU den Zugang zu Krediten als ernstes Problem sieht.
Liquiditätsprobleme nehmen zu
Das Thema Zahlungsverzug beschäftigt die slowakischen KMU jedoch nach wie vor. 65 Prozent von ihnen geben an, dass sie dadurch Liquiditätsprobleme haben. Als Reaktion darauf leisten die betroffenen Unternehmen an ihre eigenen Lieferanten verspätete Zahlungen, anstatt Finanzierungsüberbrückung durch die Bank oder durch Veräußerung von Vermögenswerten anzustreben.
Steuersystem vereinfacht
Jozef Hudák vom Wirtschaftsministerium sagte, dass die Regierung sich nicht in die Auseinandersetzungen zwischen Lieferanten und Verbrauchern einmischen wolle und dass das Zahlungsverzugsproblem durch Kreditaufnahme gelöst werden könne. Die Regierung habe den Zugang zu Krediten erleichtert und das Steuersystem vereinfacht.
Vorigen April genehmigte die EIB eine Kreditlinie von 50 Millionen Euro für die Slowakische Bürgschafts- und Entwicklungsbank. Dieses Volumen soll zur Unterstützung der KMU für Investitionen besonders im Industrie- und Dienstleistungssektor dienen.
Italien
Jedes dritte italienische Unternehmen hatte in der ersten Hälfte 2009 Schwierigkeiten, ein Bankdarlehen zu bekommen. Die Kreditkrise kostet die KMU 13,7 Milliarden Euro pro Jahr – mit durchschnittlich dreißig Firmenzusammenbrüchen pro Tag im Zeitraum von Januar bis Juni 2009.
Um Unternehmen, die in Problemen stecken, zu helfen und Kreditlinien zu bürgen, haben einige Verbände wie Confimpresa ein Bürgschaftsprogramm in Kooperation mit Regionalbanken gestartet.
Öffentliche Hand als Hauptschuldner
Zahlungsverzug ist und bleibt ein großes Problem. Nach Information des Italienischen Bankenverbandes (ABI) schuldet die öffentliche Hand den KMU zwischen 50 und 60 Millionen Milliarden Euro. Am 26. Juni schnürte die Regierung ein neues Maßnahmenpaket, mit dem der öffentliche Sektor seinen Zahlungsverpflichtungen schneller nachkommen soll. Der italienische Finanzminister Giulio Tremonti kündigte die Gründung eines Fonds von 23 Milliarden Euro an, damit die ausstehenden Zahlungen an die Unternehmen geleistet werden können. Confindustria, der italienische Industrieverband, begrüßte zwar diesen Vorschlag der Regierung, merkte aber an: „Wir versuchen zu verstehen, wann und wie die Schulden beglichent werden.“
Drittgrößter Betrag von der EIB
Italien hat – nach Spanien und Deutschland – den drittgrößten Kreditbetrag von der EIB bekommen. Im Mai haben die EIB, die ABI und Confindustria ein Rahmenabkommen unterzeichnet, mit dessen Hilfe ausgiebiger Gebrauch von den EIB-Instrumentarien gemacht werden soll. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Maßnahmen, die den KMU den Zugang zu EIB-Krediten erleichtern soll.
Ferner bereitet dieses Abkommen den Weg für eine enge Kooperation dieser drei Institutionen bei der schnellen Umsetzung der Kreditvergabe durch die EIB an die zwischengeschalteten Banken. Dazu gehören die Verbesserung und Standardisierung der vorgeschriebenen Rechnungslegungs- und Auskunftsverfahren.
Ungarn
Mit einer neuen Steuergesetzgebung per Ende Juni und anderen Reformen soll die ungarische Wirtschaft wieder ins Gleichgewicht kommen. Daneben verabschiedete das Parlament in Budapest ein Gesetz zur Vermögenssteuer. Diese neuen Gesetze dürften eine signifikanten Anschub für die kleineren Unternehmen bedeuten.
System mit mehr Sicherheiten
Die Besteuerung von KMU wird vereinfacht. Ab 2010 darf außerdem jedes Unternehmen in der gemeinsamen europäischen Währung bilanzieren. Ferner werden die Voraussetzungen für Steuerermäßigungen und Abschreibungen erleichtert.
Auch die ungarischen KMU hatten Schwierigkeiten, an Kredite heranzukommen. Doch neue Formen von Finanzdarlehen sollen Finanzinstitute vor Liquidation schützen, indem Leasinggesellschaften Eigentum an geleasten Immobilien eingeräumt wird. Das soll den Kreditgebern mehr Sicherheit geben und den KMU leichteren Zugang zu Darlehen.
Zäher Geldfluss an die Firmen
Die Mittel der EIB haben die ungarischen Unternehmen nur langsam erreicht. Im Mai begann mit Hilfe der Erste Bank Hungary die Auszahlung von 40 Millionen Euro an jene ungarischen KMU, die Projekte für Umweltschutz, Energieeffizienz und Entwicklung der Infrastruktur umsetzen.
Kreditvolumen viel zu gering
Allerdings sagten Sprecher der Erste Bank, dass der zur Verfügung stehende Betrag so gering gewesen sei, dass das Programm schon nach wenigen Tagen ausgeschöpft war.
Immerhin zeigen die Bemühungen der ungarischen Regierung zur Stabilisierung der Wirtschaft ein Ergebnis: Investoren interessieren sich neuerdings zunehmend für den Standort Ungarn. Bisher haben sie Polen bevorzugt.
Angus Halkett, Analyst der Deutschen Bank in London, erläuterte, dass der Grund dafür ironischerweise die Tatsache ist, dass Ungarn als erstes Land den Internationalen Währungsfonds (IWF), die Weltbank und die EU um Hilfe bitten musste.
Kontrastprogramm zu Polen
„Die ungarische Regierung tut alles, was in ihrer Macht steht, um eine weitere Krise zu verhindern und die von EU und IWF geforderten Reformen durchzuziehen“, meinte Halkett. „Polen geht in vielerlei Hinsicht genau die gegenteilige Richtung als Ungarn.“
Bulgarien
Die pessimistischen Vorhersagen über die schrecklichen Auswirkung der Weltwirtschaftskrise sind in Bulgarien alltägliche Realität geworden. Die Arbeitslosigkeit steigt, gleichzeitig schlittern immer mehr Unternehmen in die Pleite, weil sie Finanzierungsprobleme haben.
Rekord an Pleiten
Die Zahl der Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit einstellen mussten, weil sie ihre Rechnungen nicht mehr zahlen konnten, erreichte in den ersten drei Monaten dieses Jahres 118. Zum Vergleich: 2008 waren es in dieser Periode 67. Gemäß dem Bulgarischen Industrieverband (BIA) ist es für Unternehmen mit Fremdkapital leichter, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Allerdings sind viele bulgarische Firmen nicht mehr in der Lage, ihre Aufträge auszuführen, weil ihnen die Banken eine Finanzierung verweigern. Die meistgefährdeten Unternehmen finden sich in der Baubranche, im Tourismus und in der Metallverarbeitung.
Bürokratie bremst schnelle Hilfe
Die Probleme im Zugang zu Darlehen werden noch durch die wachsenden Probleme im Zahlungsverzug verschärft. Statistiken zeigen, dass die verspäteten Zahlungen bereits 70 Prozent ausmachen, was den Unternehmensgewinn deutlich schmälert.
Um die KMU zu Investitionen zu stimulieren, hat die bulgarische Regierung 500 Millionen Leva (umgerechnet rund 250 Millionen Euro) als Kredit über die Bulgarische Entwicklungsbank aufgelegt. Allerdings finden die Mittel den Weg zu den Unternehmen nur sehr langsam, sodass von den 500 Millionen erst 200 Millionen Leva in Verwendung sind.
Keine Kredite oder nur zu hohen Zinsen
Vor kurzem hat der Europäische Investitionsfonds (EIF) 400 Millionen Leva für bulgarische KMU bewilligt. Allerdings werden die Mittel über die Kommerzbanken des Landes verliehen, und genau dies scheint das Problem zu sein. Denn trotz der Direktiven der EU, dass den KMU schneller und unkomplizierter Zugang zu Krediten zu gewähren sei, verweigern die Banken entweder die Finanzierung oder bieten nur Kredite zu hohen Zinsen an.
Irland
Die wirtschaftliche Lage in Irland verschlechtert sich weiterhin, obwohl eine Reihe von Maßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene diese Entwicklung aufhalten soll. Die Regierung hat – als Bestandteil eines Rekapitalisierungsplans für die irischen Banken in der Höhe von vielen Milliarden Euro – von den Banken verlangt, dass sie an die KMU mehr Kredite vergeben. Ein neuer Kreditvergabe-Kodex wurde im Lauf dieses Jahres eingeführt – aber eine Umfrage unter Unternehmen lässt darauf schließen, dass die meisten Bankangestellten von dieser Regulierung keine Ahnung haben.
Irische Banken ignorieren die EIB-Mittel
Die Milliarden von Euro, durch von der EIB verfügbar gemacht wurden, gelangen offensichtlich nicht zu denen, die sie benötigen. Der Verband der irischen Klein- und Mittelbetriebe (ISME) gab sogar an, dass die irischen Banken die Mittel, die von der EIB in Luxemburg bereitgestellt wurden, ignorierten und die Kanäle zur Finanzausstattung der Realwirtschaft effektiv blockierten. Irische Bankenvertreter wiederum behaupten, diese Klagen seien übertrieben.
Handelsminister auf Mission
Der Erhebung einer Unternehmensberatungsgesellschaft zufolge sind dieses Jahr bereits 733 Unternehmen in Insolvenz gegangen. Voraussichtlich werden bis Ende 2010 weitere 1.600 folgen.
Handelsminister Billy Kelleher reist im Juli durch das Land und führt Gespräche mit Banken, Unternehmen, Behörden und der Tourismuswirtschaft. Hauptthema dabei ist die Zurückhaltung der Finanzinstitute bei der Kreditvergabe an Unternehmen.
Hintergrund
Kleine Betriebe sind von der Kreditkrise am meisten betroffen. Die Banken halten sich in dieser gefährlichen Phase mit Darlehen an Unternehmen zurück. Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) sind besonders abhängig von Darlehen, um vor allem in den ersten Jahren ihrer Existenzgründung überleben zu können. Doch sind es gerade die KMU, die die geringsten Chancen auf ein Bankendarlehen haben.
Die Banken verhalten sich in einem solch dramatischen Ausmaß mit Kreditzusagen an die Wirtschaft zurück, dass sie europaweit ein wesentlicher Faktor für die steigende Arbeitslosigkeit darstellen.
Verfehlte Hilfsmaßnahmen
Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat 350 Millionen Euro für KMU zu begünstigten Zinsen bereit gestellt. Die Vergabe sollte in ganz Europa über die Geschäftsbanken erfolgen. Doch Wirtschaftsvertreter klagen nach wie vor darüber, dass die Finanzierung nicht bei jenen ankommt, die sie am nötigsten hätten.
Das Austrocknen des Kreditmarktes wurde durch das Übel Zahlungsverzug noch verschlimmert. Unternehmen müssen immer länger warten, bis die Kunden des privaten wie des öffentlichen Sektors offene Rechnungen begleichen.
EURACTIV.com / Alexander Wragge / ekö