Kasachstan steigert Agrar-Exporte und Handel mit der EU

Kasachstan zählt zu den Nicht-EU-Staaten, die vom neuen 465 Millionen Euro großem Fonds der Europäischen Investitionsbank zur Förderung der Landwirtschaft profitieren werden. Dieser soll Reformen im Agrarsektor und den Ausbau von Exportmärkten fördern.

Euractiv's Advocacy Lab
This article is part of our special report "EU-Kasachstan Beziehungen: Strategischer und wirtschaftlicher Wandel"
Angesichts der strategischen Bedeutung Kasachstans seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine könnte der neue EU-Agrarkommissar Christophe Hansen dazu ermutigt werden, die Kooperation weiter auszubauen. [GettyImages/Brian B. Bettencourt ]

Kasachstan zählt zu den Nicht-EU-Staaten, die vom neuen 465 Millionen Euro großem Fonds der Europäischen Investitionsbank zur Förderung der Landwirtschaft profitieren werden. Dieser soll Reformen im Agrarsektor und den Ausbau von Exportmärkten fördern.

Der Fonds ist Teil des Pan-Europäischen Landwirtschaftsprogramms, eines im Juli gestarteten Programms über drei Milliarden Euro zur Förderung von Investitionsinitiativen in der Landwirtschaft und Agrarwirtschaft.

Das Programm zielt darauf ab, die Nachhaltigkeit zu verbessern, Finanzierungslücken zu schließen, junge Landwirte zu unterstützen und klimaresiliente Praktiken voranzutreiben. Es ist die bisher größte Finanzierungsinitiative für den Agrarsektor, die vom Vorstand der Europäischen Investitionsbank (EIB) genehmigt wurde.

Förderung der Exporte

Die Mittel kommen zu einem Zeitpunkt, in dem Kasachstan Reformen zur Verbesserung seines Agrarsektors durchführt. Die zentralasiatische Republik strebt nicht nur an, den inländischen Bedarf zu decken, sondern auch die Exporte zu steigern.

Laut dem Büro des Premierministers reformiert die Regierung Finanz- und Subventionssysteme, um landwirtschaftliche Betriebe zu unterstützen und die Produktion sowie Leasing von landwirtschaftlichen Maschinen im Inland zu fördern.

Die Produktion landwirtschaftlicher Maschinen im Land soll bis 2025 von 498 Millionen Euro auf 568 Millionen Euro wachsen. Berichten zufolge stieg der Verkauf von Maschinen im Vergleich zum Vorjahr um 52 Prozent.

Positive Aussichten

Kasachstan verzeichnet einen Anstieg der Getreideexporte, insbesondere von Gerste, Linsen und Mais. Das Landwirtschaftsministerium erwartet, dass dieser positive Trend auch im ersten Halbjahr 2025 anhält.

Zwischen September und Oktober wurden bereits 1,8 Millionen Tonnen Getreide exportiert, was einem Anstieg von 48 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres entspricht.

Die Linsenexporte stiegen auf das Siebenfache und erreichten 80.000 Tonnen, von denen der größte Teil in europäische Staaten geliefert wurde. Reisexporte wurden durch die Erschließung neuer Märkte in Aserbaidschan und Belarus um 47 Prozent gesteigert.

Für die Jahre 2024–2025 plant Kasachstan zudem, einen Rekord bei den Exporten von Ölprodukten nach China zu brechen und das Volumen auf 250 Millionen US-Dollar zu erhöhen. Ölverarbeiter erwarten, dass die Exporte von Pflanzenölen und Schrot nach China 300 Millionen US-Dollar erreichen werden.

Das Ministerium bekräftigte, dass an der Diversifizierung der Exportwege und der Erweiterung der Absatzmärkte gearbeitet wird. „Die Ernte 2024 ist in Bruttomenge und Qualität um 45 Prozent höher, was eine Reserve für Exportverkäufe schafft“, betonte es.

Exporte in die EU

Kasachstan gehört zu den zehn größten Getreideexporteuren und liefert acht Millionen Tonnen Weizen sowie zwei Millionen Tonnen Mehl in über 80 Länder. Das Land verfügt über ein erhebliches Potenzial, den Agrarhandel mit der EU zu steigern.

Bei einem kürzlichen Staatsbesuch in Frankreich betonte der kasachische Präsident Kassym-Jomart Tokajew die Bedeutung seines Landes für die globale Ernährungssicherheit. Er ermutigte daher französische Unternehmen, Investitions- und Technologiepartnerschaften zu erkunden.

Janusz Wojciechowski, ehemaliger EU-Agrarkommissar, beschrieb Kasachstan als wachsenden Markt für europäische landwirtschaftliche Nahrungs- und Getränkexporte.

Während seiner Amtszeit führte er eine Delegation von 39 Agrarunternehmen und Organisationen aus der EU nach Astana und Almaty, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Sektor mit Ministerpräsident Oljas Bektenow zu erörtern.

Angesichts der strategischen Bedeutung Kasachstans seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine könnte der neue EU-Agrarkommissar Christophe Hansen dazu ermutigt werden, die Kooperation weiter auszubauen.

Derzeit ist Italien der größte Exportpartner Kasachstans, mit einem Exportvolumen von 13 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022. China liegt mit 10 Milliarden US-Dollar an zweiter Stelle, gefolgt von der Russischen Föderation mit 8 Milliarden US-Dollar.

Die Niederlande, Frankreich, Rumänien und Spanien gehören ebenfalls zu den zehn größten Exportpartnern Kasachstans, weisen jedoch im Vergleich zu Italien deutlich geringere Exportvolumina auf, was auf ein erhebliches Wachstumspotenzial im Agrarhandel hinweist.

Logistische Herausforderungen

Trotz des Wachstumspotenzials bleiben logistische Herausforderungen und der Zugang zu internationalen Märkten zentrale Probleme für die nachhaltige Entwicklung des kasachischen Agrarsektors.

Ein Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums vom Oktober argumentiert, dass diese Herausforderungen, zusammen mit einer schlechteren Weizenqualität aufgrund von ungünstigem Wetter während der Ernte und Handelsproblemen mit Russland, Kasachstan gezwungen haben, seine Weizenexportprognosen zu senken.

Landwirte in Kasachstan berichten, dass die Gebote für Weizen in dieser Ernte niedriger ausfielen, was auf Qualitätsprobleme zurückzuführen sei. Gleichzeitig hoffen die Händler, dass niedrige Preise die Nachfrage aus Märkten wie dem Iran und Aserbaidschan wiederbeleben könnten.

Der Bericht erwähnt auch Vorwürfe kasachischer Exporteure, dass Getreidelieferungen aus versiegelten Waggons bei der Durchfahrt durch Usbekistan regelmäßig gestohlen werden.

Positiv wird jedoch angemerkt, dass Kasachstan weiterhin sein Transitpotenzial zwischen China und Europa durch den Mittelkorridor ausbaut. Bis August wurden 2,2 Millionen Tonnen Fracht durch diesen transportiert, 27 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

[Bearbeitet von Brian Maguire | Euractiv’s Advocacy Lab]