"Kill-Switch": Uber-Vizepräsident Gore-Coty mit Erinnerungslücken
Uber wird vorgeworfen, mit einem sogenannten "Kill-Switch" Behörden davon abgehalten zu haben, auf sensible Daten des Unternehmens zugreifen zu können. Zwar leugnet der Vice President von Uber die Anwendung, eine durchgesickerte E-Mail deutet allerdings auf das Gegenteil hin.
Uber wird vorgeworfen, mit einem sogenannten „Kill-Switch“ Behörden davon abgehalten zu haben, auf sensible Daten des Unternehmens zugreifen zu können. Zwar leugnet der Vice President von Uber die Anwendung, eine durchgesickerte E-Mail deutet allerdings auf das Gegenteil hin.
Noch vor dem französischen parlamentarischen Untersuchungsausschuss „Uber Files“ zeigte sich der Senior Vice-President von Uber, Pierre-Dimitri Gore-Coty, noch vergesslich: Er könne sich nicht daran erinnern, das Datenvernichtungswerkzeug „Kill Switch“ eingesetzt zu haben.
Das „Kill Switch“-Tool von Uber, dessen Existenz in den „Uber Files“ im Juli 2022 aufgedeckt wurde, sollte verhindern, dass Polizei und Regulierungsbehörden auf sensible Daten zugreifen können, indem der Zugang zu IT-Diensten blockiert wurde.
Das Tool wurde 2017 unter dem neuen Uber-CEO Dara Khosrowshahi abgeschafft. Das Unternehmen räumte öffentlich ein, dass die „Kill Switch“ Teil einer Reihe von „Fehlern“ gewesen sei, welche zum Rücktritt des Gründers und damaligen CEO Travis Kalanick geführt haben.
Frankreichs parlamentarischer Untersuchungsausschuss wurde im Januar im Zuge der Uber Files Leaks eingerichtet, die die Lobbying-Taktiken des amerikanischen Unternehmens aufdeckten, um Einfluss auf hochrangige französische Politiker zu gewinnen, darunter auch den damaligen Wirtschaftsminister Emmanuel Macron.
Der Ausschuss hat sich zum Ziel gesetzt, die Lobbyarbeit in der französischen Politik besser zu überwachen, indem vergangene und gegenwärtige Lobbytaktiken von Uber gründlich untersucht werden.
Schwächelndes Gedächtnis
Letzten Donnerstag wurde Gore-Coty, ehemaliger Uber Regional General Manager für Westeuropa und jetzt Senior Vice-President für Uber Eats, im Rahmen der Arbeit des Ausschusses angehört.
Auf die Frage, ob er den „Kill Switch“ jemals selbst betätigt habe, sagte er unter Eid, dass er sich „nicht genau daran erinnern“ könne, obwohl er die Verwendung des Instruments in Europa während Kalanicks Zeit nicht bestritt.
Eine von EURACTIV eingesehene E-Mail beweist jedoch, dass Gore-Coty das Tool zumindest einmal betätigt hat. Dabei geht es um einen Fall als Uber 2015 von den niederländischen Behörden wegen des Verdachts der Illegalität des privaten Mietwagendienstes UberPop genau unter die Lupe genommen wurde.
Anders als der aktuelle Taxidienst von Uber war UberPop nicht lizenziert und wurde von Personen ohne formale Ausbildung betrieben.
Die E-Mail vom 2. April 2015, die nur eine Betreffzeile und keinen Text enthält, lautet „Kill Switch in AMS asap please“ und wurde von Gore-Coty selbst verschickt. EURACTIV erhielt die Bestätigung, dass das Akronym ‚AMS‘ für Amsterdam steht.
Die Nachricht wurde an einen IT-Ingenieur von Uber geschickt, mit dem damaligen Top-C-Suite-Team von Uber in Kopie, einschließlich Travis Kalanick selbst.
Der Guardian, der an den Ermittlungen beteiligt war, enthüllte im Juli, dass der ehemalige Uber-CEO im selben Zeitraum um den Einsatz des „Kill Switches“ in Amsterdam gebeten hatte. Aus den eingesehenen Akten geht hervor, dass das Tool in mindestens sechs Mitgliedstaaten der EU verwendet wurden.
Auch der französische Radiosender France Inter bestätigte die Beteiligung von Gore-Coty am Einsatz des „Kill Switches“ in Amsterdam. Auch in Frankreich kam es zum Einsatz.
„Wir leugnen nicht, dass wir den „Kill Switch“ im Rahmen der Ermittlungen der DGCCRF [französische Betrugsbekämpfungsbehörde] Ende 2014 und Anfang 2015 eingesetzt haben“, sagte Gore-Coty am Donnerstag vor den Abgeordneten.
Als er von der Berichterstatterin des Ausschusses und Abgeordneten der Linken Danielle Simonnet aufgefordert wurde, eine genaue Antwort auf seine persönliche Beteiligung an der Auslösung eines „Kill Switch“ zu geben, sagte Gore-Coty: „Ich handle in gutem Glauben, wenn ich tatsächlich sage, dass ich mich nicht daran erinnere, welche E-Mail ich wann gesendet habe […]. Wenn Sie Beweise dafür haben, dass ich eine solche E-Mail [zum Auslösen eines Kill Switches] geschickt habe, bin ich bereit, ihre Echtheit anzuerkennen.“
„Wir haben die Fehler der Vergangenheit bereits weithin eingeräumt, einschließlich der Tatsache, dass diese Software niemals hätte verwendet werden dürfen, um behördliche Maßnahmen zu vereiteln“, sagte ein Uber-Sprecher gegenüber EURACTIV.
Das Unternehmen bestätigte auch, dass das Tool seit dem Amtsantritt von Khosrowshashi als CEO im Jahr 2017 abgeschafft wurde.
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald/Luca Bertuzzi]