Klimaschutz: Zwei-Grad-Ziel angestrebt

Die Industrieländer sind beim G8-Gipfel in Sachen Klimaschutz vorangekommen, aber mit den Schwellenländern noch nicht auf einer Linie. Der WWF sieht einen Fortschritt, aber keinen Durchbruch.

Die Folgen des Klimawandels sind heute schon sichtbar. Foto: dpa
Die Folgen des Klimawandels sind heute schon sichtbar. Foto: dpa

Die Industrieländer sind beim G8-Gipfel in Sachen Klimaschutz vorangekommen, aber mit den Schwellenländern noch nicht auf einer Linie. Der WWF sieht einen Fortschritt, aber keinen Durchbruch.

Am ersten Tag des Gipfels im italienischen L’Aquila verständigten sich die sieben führenden Industrieländer und Russland (G8) darauf, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Erstmals verpflichten sich alle G8-Staaten, also auch die USA, den Schadstoffausstoß bis 2050 weltweit um die Hälfte und bezogen auf die Industrieländer um 80 Prozent oder mehr zu senken.Als gemeinsame Position der G8 mit den Schwellenländer, mit denen am Donnerstag beraten wird, zeichnet sich aber nur die gemeinsame Anerkennung des Zwei-Grad-Zieles ab.

Merkel: "Noch eine Menge Arbeit"

Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstrich in L’Aquila, in dessen Umgebung bei einem Erdbeben im April rund 300 Menschen starben, dass in der G8 beim Klimaschutz "ein deutlicher Schritt nach vorne" gelungen sei. Erstmals wollten nun alle G8-Staaten, von den USA über Japan bis Europa, an dem Zwei-Grad-Ziel arbeiten. Merkel dämpfte aber auch: "Da ist noch eine Menge Arbeit zu leisten, was mittelfristige Ziele anbelangt".

Reinfeldt lobt USA

Fredrik Reinfeldt, schwedischer Ministerpräsident und derzeit EU-Ratsvorsitzender betonte wie wichtig die Klimaschutz-Verpflichtung des US-Präsidenten Obama sei: "Ohne die USA werden wir keinen Erfolg haben. Wir in Europa müssen zeigen, dass es möglich ist, den Kampf gegen den Klimaschutz und die Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise zu verbinden."

Reinfeldt vertritt in L’Aquila die schwedische Ratspräsidentschaft, die bis zum Kopenhagen-Gipfel im Dezember die Klimaschutz-Position der EU-Staaten koordinieren will. Zusätzlich vertritt Jose Manuel Barroso die EU-Kommission.

Ziehen die Schwellenländer mit?

Auch mit den Schwellenländer sind die Industriestaaten Merkel zufolge auf gutem Wege, über eine "gemeinsame aber unterschiedliche Verantwortung" bei diesem Thema zu sprechen. Auch mit ihnen gebe es "einen deutlichen Fortschritt", nämlich die Aussicht, dass auch sie sich hinter das Zwei-Grad-Ziel stellen. Zudem könnten sie sich dazu durchringen, von ihrer bisherigen industriellen Entwicklung im Interesse des Klimaschutzes abzuweichen.

G8-Kreisen zufolge waren die Verhandlungen in einer vorbereitenden Ministerrunde über das Senken der Treibhausgasemissionen in der Nacht zum Mittwoch am Widerstand Chinas und Indiens gescheitert. Die beiden Länder hätten als Bedingung genannt von den Industrieländer erst noch konkretere Pläne zum mittelfristigen Senken der Emissionen verlangt.

Positionen

EU-Kommission

Kommissions-Präsident José Manuel Barroso fokussierte sich bei seiner Bewertung des ersten Gipfel-Tages auf die Weltwirtschaftskrise. Zur Emmissionsproblematik sagte er: "Wir brauchen öffentliche und private Investitionen, vor allem in der "CO2-armen" Technologie. Wir müssen die Banken dazu bekommen, hierfür wieder Kredite zu vergeben."

WWF

Die Einigung auf das 2 Grad-Ziel sei vielleicht ein großer Schritt für die G8, aber leider nur ein kleiner Schritt für das Klima, erklärte Regine Günther, Leiterin Klimapolitik und Energie beim WWF in Berlin.  Der WWF kritisiert, dass nicht genau festgelegt wurde, welches Jahr als Maßstab für die Reduzierung gelten soll. Darüber hinaus fehlten klare mittelfristige Minderungsziele bis 2020. 

Laut WWF muss die Gruppe der Industriestaaten ihre Treibhausgasemissionen um 40 Prozent bis 2020 gegenüber 1990 senken. Die USA sollten vergleichbare Ziele übernehmen. "Addiert man die bisherigen Reduktionsziele der einzelnen Industrieländer wird dieses Ziel bis 2020 nicht erreicht. Der G8-Gipfel hat es nicht geschafft, diese Lücke zu schließen", heißt es in einer Erklärung.  

"Enttäuschend ist, dass die G8 bei der finanziellen Unterstützung der Schwellen- und Entwicklungsländer im Klimaschutz auf der Stelle treten. Weiterhin gilt: Die Gletscher schmelzen schneller als die Regierungschefs handeln", so Regine Günther weiter. Grundsätzlich wertet der WWF die Einigung als Fortschritt, nicht aber als Durchbruch.

Im Vorfeld des Gipfels hatte der WWF den G8-Staaten in einer Studie attestiert, beim Klimaschutz zu langsam voran zu kommen. (EURACTIV.de vom 1. Juli 2009).

mka/awr/reuters

Weitere Dokumente
G8-Gipfel: Offizielle Website mit Dokumenten, Protokollen, etc. (auf Englisch)
G8-Gipfel: Abschlusserklärung zum 1. Tag (auf Englisch)
Schwedische EU-Ratspräsidentschaft: 1. Tag des G8-Gipfels: Weltwirtschaft, Klima, Entwicklung (8. Juli 2009, auf Englisch)