Klimawandel: Experten kritisieren G8-Staaten
Die klimapolitischen Anstrengungen der G8-Staaten sind nicht ausreichend. Deutschland hat die beste Bilanz, aber keines der Länder kämpft bisher entschieden genug gegen den Klimawandel. Das ist ein schlechtes Signal für die Klimakonferenz in Kopenhagen.
Die klimapolitischen Anstrengungen der G8-Staaten sind nicht ausreichend. Deutschland hat die beste Bilanz, aber keines der Länder kämpft bisher entschieden genug gegen den Klimawandel. Das ist ein schlechtes Signal für die Klimakonferenz in Kopenhagen.
Die Zeit für Verhandlungen vor dem Weltklimagipfel in Kopenhagen wird knapp. Im Dezember soll in Kopenhagen das Kyoto-Folgeabkommen beschlosen werden. Nur wenn alle Staaten hohe Verpflichtungen eingehen, können die Folgen des Klimawandels abgeschwächt werden.
"Wissenschaftler sind sich einig, dass die globale Erderwärmung gegenüber nicht über 2°C steigen darf im Vergleich zu den vorindustriellen Werten", so Eberhard Brandes, Geschäftsführer des WWF Deutschland. Dieses Ziel könne jedoch nur dann erreicht werden, wenn die Treibhausgasemmissionen um 20 Prozent in den nächsten 20 Jahren und um 95 Prozent bis zum Jahr 2050 reduziert werden.
Damit bei der Klimakonferenz in Kopenhagen diese ambitionierten Ziele vereinbart werden können, muss der G8-Gipfel in Italien Anfang Juli dafür die Weichen stellen. "Ohne eine konstruktive Führungsrolle der G8 Staaten wird es kein gutes Klimaabkommen in Kopenhagen geben", befürchtet Allianz-Vorstand Joachim Faber.
Doch die G8-Staaten gehen nicht mit gutem Vorbild voraus. Die Studie G8 Climate Scorecards, die in Berlin vorgestellt wurde, kommt zu dem Ergebnis: Kein Land erreicht Werte im grünen Bereich. Deutschland, Großbritannien und Frankreich stehen zwar in diesem Vergleich an der Spitze der G8. Diese Länder haben ihre aktuellen Kyoto-Ziele schon erreicht, doch auch hier reichen die erzielten Treibhausgasminderungen und die langfristig angelegten klimapolitischen Anstrengungen nicht aus, um das Ansteigen der globalen Durchschnittstemperatur auf unter 2°C zu beschränken.
Trotz der Spitzenreiterposition kritisieren die Spezialisten auch die Rolle Deutschlands: "Man hat die Führungsrolle abgegeben und es ist kein Nachfolger in Sicht. Wir befinden uns also in einem Vakuum", so Regine Günther vom WWF.
"Die Bedeutung der Klimakrise ist nicht zurückzudrehen", warnt Eberhard Brandes. "Es ist eine klare Selbstverpflichtung nötig. Wir brauchen ambitionierte Zukunftspläne um die Frage zu beantworten: Wie soll eine kohlestoffarme Gesellschaft eigentlich aussehen?" Die G8 hätten hierbei Vorbildfunktion, es gehe auch darum, wer den ersten Schritt macht.
"Die Wirtschaftskrise lässt sich mit finanziellen Mitteln entschärfen, aber kein Geld der Welt wird uns retten, wenn wir den Klimawandel jetzt nicht begrenzen", so Joachim Faber. Die Klimapolitik dürfe auf keinen Fall der Wirtschaftskrise zum Opfer fallen.
Und es mache auch aus wirtschaftlicher Perspektive Sinn, in erneuerbare Energien zu investieren. Eine kohlestoffarme Zukunft biete sowohl für die G8 Staaten als auch für Schwellenländer ein erhebliches Wachstumspotential. Falter: "Ein Drittel der Gelder, die jetzt in Konjunkturprogramme fließen, um Unternehmen zu retten, würde ausreichen, um den Klimawandel zu bremsen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen."
Isabel Robles
Weitere Dokumente:
Studie: G8 Climate Scorecards