Kommission muss "absurde" Einstellungspolitik reformieren [DE]

Die nächste Europäische Kommission sollte das "absurde" Rekrutierungssystem der EU reformieren und es in Einklang mit dem heutigen flexiblen Arbeitsmarkt bringen, so Siim Kallas, Vize-Präsident der EU-Exekutive in einem Interview mit EURACTIV.

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Die nächste Europäische Kommission sollte das „absurde“ Rekrutierungssystem der EU reformieren und es in Einklang mit dem heutigen flexiblen Arbeitsmarkt bringen, so Siim Kallas, Vize-Präsident der EU-Exekutive in einem Interview mit EURACTIV.

Kallas, seit seiner Ernennung in die EU-Kommission 2004, Minister für Verwaltung, Audit und Betrugsbekämpfung möchte ein „sehr rigides System“ einführen, dass  Außenstehende stärker fördert und „die richtige Position für die richtigen Menschen“ ermöglicht.

„Es ist eine geschlossene Gemeinschaft. Die Leute kommen hierher und bleiben bis zur Pensionierung. Das ist das Problem”, sagte er und kündigte an, dass die Modernisierung der Personalpolitik zu den Prioritäten der künftigen EU-Exekutive werden müsse.

Kallas erklärte, dass von den rund 30,000 in den EU-Institutionen Beschäftigten nur „ein paar Hundert“ jedes Jahr das System verlassen, um in Rente zu gehen oder neue Herausforderungen zu suchen. Das stellt die „wahren Fragen“, bezüglich der Einstellungspolitik.

“Die heutige Situation ist absurd. Wir nehmen Menschen zwischen 25 und 30 Jahren – Personen mit zumindest etwas ernsthafter Arbeitserfahrung – und wenn sie dann alle erforderlichen Etappen gegangen sind, stehen sie uns mit 50 Jahren oder älter für die höchsten Posten zur Verfügung.“ Er fordert bei der Einstellung der besten Leute in der Kommission größere Flexibilität.  

Der ehemalige estnische Ministerpräsident erwähnte, dass er erst kürzlich eine Anfrage aus dem “letzten Jahrhundert” von einer “sehr hochrangigen” Person bekommen hat, was beweist, dass die “starren Regeln” immer noch nötig sind, da die Zeiten der Günstlingswirtschaft noch nicht vorbei sind.
 ‘Ein Kommissar für jedes Land’

Gefragt nach der Zukunft der Europäischen Kommission angesichts der zu erwartenden Ratifizierung des Lissabon-Vertrags und den möglichen Beitritt von Ländern wie Kroatien und Island in die EU erklärte Kallas, seine „klare Präferenz liege bei einen Kommissar pro Land“.

Weniger Kommissare als Mitgliedsstaaten, warnte er, könnten zu einem “verrückten System” führen, bei dem die Posten der Generaldirektoren mit ins Spiel kommen.
“Stellen Sie sich vor, Frankreich und Deutschland hätten keinen Kommissar,” sagte Kallas und warnte, dass “dies zu einer Politisierung der Generaldirektoren  führen würde.“ Dies könnte sogar zu Kommissions-Chefs führen mit „weniger Macht und weniger politischem Einfluss als die Generaldirektoren.“ 

Jedoch räumte der Este ein, dass eine “größer und größer werdende Kommission definitiv schwieriger zu handhaben“ sei.

Kallas erklärte, dass beim Modell ‚ein Kommissar pro Mitgliedsstaat’ kein Weg an einer „Hierarchie innerhalb der Kommission“ vorbei führe. „Ich glaube, dass eine Art der Hierarchie, bei der die Vizepräsidenten eine wirklich koordinierende Rolle in bestimmten Sektoren übernehmen notwendig ist. […] Sonst wird es wirklich schwierig.“  

Schaffung eines„europäischen Schulmodells“

Kallas führt als größte Leistung seiner ersten Amtszeit die Schaffung eines europäischen Schulmodells an, das überall eingeführt werden kann […], um Freizügigkeit, besondere Fähigkeiten und hoch anspruchsvolle Arbeit zu fördern.“  
EU-Regierungen und Abgeordnete verabschiedeten auf Betreiben Kallas im Jahr 2005 eine umfassende Reform des Europäischen Schulsystems  – und ermöglichten nationalen Schulen das Europäische Curriculum anzubieten. Eine weiterführende Schule in Den Haag (Niederlande) wird dies als erste im September 2010 präsentieren (EURACTIV vom 13. Mai 09).

Kallas beäugt Wirtschaftsposten 

Auf die Frage welches Portfolio er gerne in der nächsten EU-Exekutive übernehmen würde, meinte Kallas er würde „zu seinem wirtschaftlichen Blutkreislauf“ zurückkehren und er hätte „Signale“ erhalten, dass „es eine Rückkehr zu meiner wirtschaftlichen Seele“ geben könnte. 

„Ich bin ein Ökonom und wenn ich daran denke wann die kreativsten Perioden in meinen Leben waren, dann war das in der Wirtschaft“, erklärte er. 

„Ich unterschätze nicht, was ich (in der letzten Kommission) getan habe, aber natürlich bin ich ein Ökonom, und das ist meine Antwort“, sagte der Este und räumte ein, dass seine Erfahrung in der Innenpolitik „mit Wirtschafts- und Währungspolitik verbunden sei“. 

Kallas, ehemaliger estnischer Finanzminister und Zentralbank-Direktor räumte ein, dass Estlands Position außerhalb der Euro-Zone „wahrscheinlich ein gewisser Nachteil für das Portfolio [von Joaquín Almunia]“ sei und drückte seine Bereitschaft aus, die jetzige Position beizuhalten.

Siim Kallas sprach mit Andrew Williams und Daniela Vincenti-Mitchener. 

Um die erste Hälfte des Interviews zu lesen, klicken Sie bitte hier

Die zweite Hälfte wird mit einer zweiten Geschichte nächste Woche veröffentlicht.