Krise wichtiger als Klimawandel

Armut, Wirtschaftskrise, Klimawandel - das sind für Europäer die drängensten Probleme unserer Zeit. Atomwaffen haben dagegen ihren Schrecken verloren. Für die Erderwärmung sind Deutsche besonders sensibel.

Dunkle Wolken über Frankfurter Bankentürmen – zurzeit ist die Wirtschaftskrise für viele bedrohlicher als der Klimawandel. Foto: dpa.
Dunkle Wolken über Frankfurter Bankentürmen - zurzeit ist die Wirtschaftskrise für viele bedrohlicher als der Klimawandel. Foto: dpa.

Armut, Wirtschaftskrise, Klimawandel – das sind für Europäer die drängensten Probleme unserer Zeit. Atomwaffen haben dagegen ihren Schrecken verloren. Für die Erderwärmung sind Deutsche besonders sensibel.

Die Weltwirtschaftskrise sorgt die Europäer mehr als der Klimawandel. Das geht aus einer jüngst veröffentlichten Umfrage im Auftrag der EU-Kommssion und des Europaparlaments hervor. Darin wurde nach der Wahrnehmung der Erderwärmung gefragt. (Link: Eurobarometer – Europeans’ attitudes towards climate change). Zwischen Januar und Februar wurden rund 27.000 Bürger in der EU und den möglichen Beitrittstaaten befragt.

Klimawandel verliert an Bedeutung

Armut und der Mangel an Nahrung und Trinkwasser sind demnach für 66 Prozent der Europäer die drängendsten Probleme unserer Zeit. Auf Platz zwei folgt die Welltwirtschaftskrise mit 52 Prozent. Die ökonomischen Probleme verdängen damit den Klimawandel auf den dritten Platz. Hatten im Vorjahr noch 62 Prozent der Befragten die Erderwärmung als eines der drängensten Probleme eingestuft, waren es 2009 nur noch 50 Prozent.

Terrorismus verliert an Schrecken

In der Liste der größten Sorgen verliert der internationale Terrorismus deutlich an Bedeutung. Nur noch 42 Prozent sehen ihn als prioritäres Problem, und damit 11 Prozent weniger als im Vorjahr. Eine untergordnete Rolle spielen zudem Ängste vor der Verbreitung der Atomwaffen (19 Prozent), der wachsenden Weltbevölkerung (19 Prozent) und der Verbreitung ansteckender Krankheiten (18 Prozent).

Deutsche sorgt das Klima

Auch für die Deutschen stellen die Armut sowie der Nahrungs- und Trinkwassermangel die größten Probleme in der Welt dar (75 Prozent). Im Gegensatz zum EU-Trend wirkt hierzulande aber der Klimawandel (65 Prozent) bedrohlicher als der wirtschaftliche Abschwung (54 Prozent).

Schweden unbeeindruckt von der Wirtschaftskrise

Schweden sind für die Erderwärmung mit Abstand am stärksten sensibilisiert (82 Prozent), in der Türkei wird sie nur von 32 Prozent als drängendes Problem der Welt wahrgenommen. Die Wirtschaftskrise bereitet vor allem in baltischen Staaten Sorgen. Zwischen 65 und 75 Prozent nennen sie hier als großes, globales Problem. Die Schweden bleiben vom weltweiten Konjunktureinbruch vergleichsweise unbeeindruckt, nur 33 Prozent sehen hier eine der dringlichsten Herausforderungen.

Konservative fürchten den Terror

Auch die politische Haltung spielt bei den Ängsten eine Rolle. Jene, die sich eher als links einordnen, bewerten den Klimawandel und die Armut häufiger als ernstes Problem. Für das rechte Lager der politischen Skala sind der Terrorismus und in die Wirtschaftskrise tendenziell bedrohlicher.

Klimawandel wird kaum noch geleugnet

Die Erderwärmung scheint in den Köpfen der Europäer angekommen zu sein. Zwei Drittel der Europäer glaubt nicht, dass Ausmaß und Folgen des Klimawandels übertrieben werden. Zugleich lässt sich anders herum sagen, 27 Prozent sind hiervon noch überzeugt. Relativ optimistisch sind die Europäer, was den Stopp des Klimawandels angeht. 58 Prozent halten dies noch für möglich.

Alexander Wragge

Originaldokument: Eurobarometer – Europeans’ attitudes towards climate change (EN)

Siehe auch:

EURACTIV Link-Dossier: Klimawandel der Gipfel von Kopenhagen

EURACTIV Link-Dossier: Die Energie- und Klimapolitik der EU