Kritik an EU-Zuschüssen für Züchtung von Kampfstieren
Landwirt:innen, die Kampfbullen züchten, haben derzeit Anspruch auf EU-Subventionen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) - aus Sicht vieler EU-Abgeordnete und Aktivist:innen eine inakzeptable Regelung.
Landwirt:innen, die Kampfbullen züchten, haben derzeit Anspruch auf EU-Subventionen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) – aus Sicht vieler EU-Abgeordnete und Aktivist:innen eine inakzeptable Regelung.
Nach Angaben der Unión de Criadores de Toros de Lidia, die etwa die Hälfte aller europäischen Züchter:innen von Kampfstieren (Corrida) vertritt, erhalten diese fast 200 Millionen Euro pro Jahr an GAP-Subventionen.
Dass Züchter von Kampfstieren in großem Umfang EU-Gelder erhalten, ist seit Langem umstritten. Aus Frankreich kommt nun der jüngste Gegenschlag in Form eines Gesetzesentwurfs, den der linke Abgeordnete Aymeric Caron diesen Monat in die Nationalversammlung einbrachte. Diese lehnte den Vorschlag vergangene Woche jedoch ab.
Ähnliche Versuche auf EU-Ebene waren zuletzt ebenfalls gescheitert.
„Die EU kann den Stierkampf nicht verbieten, dafür gibt es keine rechtliche Handhabe, das liegt in der Verantwortung der Staaten. Aber wir können die Durchführung erschweren, indem wir die europäische Finanzierung unterbrechen“, so der Europaabgeordnete Younous Omarjee von der Linken (GUE/NGL) gegenüber EURACTIV Frankreich.
Obwohl das Europäische Parlament während der interinstitutionellen Verhandlungen zur Verabschiedung der letzten beiden GAP-Programme zweimal ein Ende der Subventionen für Züchter:innen von Kampfbullen befürwortet hat, einmal im Jahr 2014 und ein weiteres Mal im Jahr 2020, wurden die Änderungsanträge jedes Mal von den Mitgliedsstaaten im EU-Rat abgelehnt.
„Wir haben es immer noch nicht geschafft, die verschiedenen Triloge zu gewinnen“, sagte Omarjee mit Blick auf die Gespräche zwischen dem Europäischen Parlament, dem Rat und der Kommission. Bisher blockierten Spanien, Portugal und Frankreich entsprechende Vorstöße stets im Rat der Mitgliedstaaten.
Während sich die Abgeordneten auf einen Verstoß gegen die Europäische Konvention zum Schutz von Tieren in der Landwirtschaft berufen, argumentieren die Züchter:innen, eine Kürzung der Mittel würde ihre Betriebe diskriminieren.
Das Observatoire National des Cultures Taurines, Frankreichs nationale Beobachtungsstelle für Stierkampfkulturen, wies gegenüber EURACTIV Frankreich darauf hin, dass das Fleisch von Kampfstieren auf dem Markt erhältlich sei, obwohl es nicht in großem Umfang konsumiert werde.
„Mein gesamtes Fleisch geht an die Lebensmittelindustrie. Sogar Kampfstiere! Nachdem der Stier getötet wurde, kommt er in einen Schlachthof mit allen notwendigen Kontrollen“, so Jean-Louis Darré, der in der Region Gers in Südfrankreich 450 Tiere züchtet, darunter etwa 40 Kampfstiere.
Vier-Sterne-Bedingungen
Nach Ansicht des Observatoire National des Cultures Taurines gibt es keinen Grund, eine unterschiedliche Behandlung der Betriebe zu rechtfertigen, da die Zuchtanlagen – oder Ganaderías – alle EU-rechtlichen Vorgaben vollständig einhalten würden.
„Dies sind die Art von Betrieben, von denen Ökolog:innen träumen. Im Durchschnitt gibt es einen Hektar pro Tier“, sagte Elvire Oliu, Kommunikationsbeauftragte der Beobachtungsstelle.
In Frankreich grasen die etwa 6.000 Kampfstiere auf 10.000 Hektar Grünland, hauptsächlich im Süden.
Für den Züchter Jean-Louis Darré ist ein Stierzüchter ein „Landwirt wie jeder andere.“ „Welcher Betrieb kann schon von sich behaupten, so viel Platz für grasgefütterte Tiere zu bieten? Das sind Vier-Sterne-Bedingungen“, sagte er.
Die Befürworter:innen des Stierkampfes plädieren auch für den Erhalt des „toro bravo“, der einzigen Kampfstierrasse, die heute nur dank des Stierkampfes weiter fortbesteht.
Der Linke Omarjee räumt zwar ein, dass es aus landwirtschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Sicht einige stichhaltige Argumente gibt, hält die Corrida aber dennoch für moralisch nicht vertretbar.
„Aber wenn ich provozieren wollte, würde ich sagen, dass ähnliche Argumente verwendet wurden, um Kinderarbeit oder Sklaverei zu verteidigen. Wir sprechen nicht dieselbe Sprache“, sagte er.
Auf einer Pressekonferenz Ende Oktober im Europäischen Parlament zeigte der Abgeordnete zusammen mit zwei spanischen und portugiesischen Kolleg:innen seine Entschlossenheit, GAP-Subventionen von der „Achtung der Rechte der Tiere“ abhängig zu machen – insbesondere den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER), der sektorübergreifende Anforderungen erfüllen muss.
„Heute wird keine einzige EU-Infrastrukturfinanzierung akzeptiert, wenn sie dem Klima schadet und von den Pariser Vereinbarungen abweicht. Das war bis vor ein paar Jahren noch nicht der Fall. Wir könnten dies auch für den Tierschutz durchsetzen“, sagte Omarjee.
Die Schwierigkeit bei dieser Art von Entscheidung liegt auch in der gemischten Natur der meisten Betriebe.
Kampfstiere werden, besonders in der französischen Region Camargue, in der Regel zusammen mit Fleischstieren sowie Pferden und Gemüsekulturen gehalten.
Auf ihrer Website weist die Beobachtungsstelle darauf hin, dass nur zehn Prozent der Tiere eines Betriebs in der Arena an Stierkämpfen teilnehmen, der Rest werde zum Schlachthof gebracht und dann in Schlachthöfen verkauft.
Die Züchterverbände begrüßen derweil, dass die Finanzierung vorerst bis 2027 beibehalten wird.
„Eine grüne GAP kann nicht gegen die nachhaltigste Viehzucht verstoßen“, erklärten die Bauernverbände 2021 gegenüber der Presse, nachdem das Parlament über die neuen GAP-Verordnungen für 2023-2027 abgestimmt hatte.
Der Abgeordnete Omarjee ist jedoch der Meinung, dass dies die Mitgliedstaaten nicht davon abhalten sollte, mit gutem Beispiel voranzugehen.
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic/Alice Taylor]