Mazedonien und Griechenland unterzeichnen historisches Abkommen
Aus Angst vor Gebietsansprüchen hatte Griechenland bisher die Namenswahl Mazedoniens und damit die Beitrittsbemühungen des Landes blockiert. Gestern haben die Außenminister beider Länder den Streit politisch beigelegt.
Nach fast drei Jahrzehnten ist der Namensstreit Mazedoniens mit Griechenland gestern offiziell zu einem Ende gekommen. Das könnte der Startschuss für weitere Beitrittsverhandlungen des Landes zur EU und zur Nato sein.
Im kleinen Ort Psarades an der griechisch-mazedonschen Grenze haben die Außenminister von Griechenland und Mazedonien gestern ein vorläufiges Abkommen unterzeichnet, das einen entscheidenden Schritt zur Annäherung Mazedoniens an die EU bringen soll: Das Dokument sieht vor, dass Mazedonien künftig den offiziellen Namen „Republik Nord-Mazedonien“ trägt – damit soll der 27 Jahre andauernde Streit um die Identifizierung des ehemals Jugoslawischen Landes zu Ende kommen. Es muss noch von den Parlamenten beider Staaten und in einem Referendum in Mazedonien gebilligt werden.
Nach der Unterzeichnung des Dokuments durch den griechischen Außenminister Nikos Kotzias und seinen mazedonischen Kollegen Nikola Dimitrov sprach der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras von einem „mutigen, historischen und nötigen Schritt für unsere Völker“. Das Abkommen „eröffnet einen Weg für Frieden, Brüderlichkeit und Wachstum für unsere Länder, den Balkan und Europa“.
Mazedoniens Ministerpräsident Zoran Zaev sagte: „Unsere Völker wollen Frieden. Wir werden Partner und Verbündete sein.“ Beide Länder „treten aus der Vergangenheit heraus und blicken in die Zukunft“.
Ob das Abkommen die parlamentarischen Hürden und das Referendum übersteht, ist freilich noch offen. In beiden Ländern stößt die Vereinbarung auf erhebliche Vorbehalte. Die konservative Opposition in Griechenland lehnt sie ab. Ein von ihr eingebrachter Misstrauensantrag gegen Tsipras wurde allerdings am Samstag mit klarer Mehrheit im Parlament zurückgewiesen.
Auch Mazedoniens Opposition und der von ihr gestellte Präsident Gjorge Ivanov sind gegen das Abkommen, das Zaev mit Tsipras ausgehandelt hatte.
Die Zeremonie am Sonntag in Psarades wurde von Protesten begleitet. In dem nahegelegenen Dorf Pisoderi wurden bei Zusammenstößen sechs Polizisten und sechs Demonstranten verletzt. In Psarades ließen Priester zum Zeichen des Protests die Glocken läuten. In Bitola im Südwesten Mazedoniens demonstrierten rund 5000 Menschen gegen das Abkommen.
Der Streit um den Namen Mazedonien hatte die Beziehungen zwischen Griechenland und seinem nördlichen Nachbarn seit langem belastet. Der Konflikt reicht ins Jahr 1991 zurück, als sich die bisherige jugoslawische Teilrepublik für unabhängig erklärte und sich den Namen Mazedonien gab.
Aus Athener Sicht ist der Name Mazedonien Teil des griechischen Nationalerbes. Viele Griechen befürchten, der Nachbar könnte mit der Landesbezeichnung Mazedonien Ansprüche auf die gleichnamige nordgriechische Provinz erheben. Die Vorbehalte Griechenlands standen bislang einer weiteren Annäherung Mazedoniens an EU und Nato im Wege.