Mit Social Business in den nächsten Aufschwung

Wirtschaft kann human, fair und erfolgreich sein. Davon geht der "Social Business Ansatz" aus. Mit Beispielen aus dem Wirtschaftsleben zeigen Franz Alt und Peter Spiegel, wie die Welt erfolgreicher und zugleich gerechter werden kann.

Der Vatikan Foto: dpa
Der Vatikan Foto: dpa

Wirtschaft kann human, fair und erfolgreich sein. Davon geht der „Social Business Ansatz“ aus. Mit Beispielen aus dem Wirtschaftsleben zeigen Franz Alt und Peter Spiegel, wie die Welt erfolgreicher und zugleich gerechter werden kann.

"Der Unterschied zwischen der Finanz- und der Klimakrise besteht darin, dass die Finanzkrise  nur zwei Jahre dauern wird, die Klimakrise dagegen ist die Überlebensfrage der Menschheit", sagt Franz Alt am 29. Juni 2009 in Berlin.

Zusammen mit Peter Spiegel hat er das Buch "Gute Geschäfte – Humane Marktwirtschaft als Weg aus der Krise" geschrieben. Ihr Ansatz geht davon aus, dass die Marktwirtschaft mehr soziale und kulturelle Ordnungselemente brauche. Sie sind überzeugt, dass ein ökosoziales Wirtschaftswunder möglich sei, wenn der "Social Business Impuls" in der Gesellschaft verwurzelt werde.

Social Business ist ein wirtschaftliches Konzept, das auf den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus zurückgeht. Unternehmen sollen soziale Probleme lösen, arbeiten dabei dennoch wirtschaftlich. "Die Unternehmen können sich selbst tragen, wir brauchen keine Charity mehr", so Peter Spiegel. "Die Social Business Ökonomie ist wesentlich humaner und zugleich wirtschaftliche wesentlich effizienter als eine auf Rendite und Gier orientierte."

Für ein soziales Wirtschaftswunder

Das Kleinkreditsystem des Friedensnobelpreisträgers Muhaamad Yunus in Bangladesch beweise, dass keine Milliarden nötig seien, um einer breiten Bevölkerungsschicht aus der Armut zu helfen. Ausgestattet mit einem kleinen Startkapital hat sich deren wirtschaftliche und soziale Lage schnell und deutlich verbessert. "Nach diesem Vorbild ist ein soziales Wunder weltweit möglich", so Spiegel.

Energieverhalten verbessern

Investitionen in erneuerbare Energien seien am erfolgreichsten, denn nirgendwo lohne sich der Einsatz so, wie in diesem Bereich, so die Autoren. "Es gibt keine Energiekrise. Die Sonne produziert 15000 Mal mehr Energie als die Menschen brauchen", sagte Franz Alt. "Es gibt nur falsches Energieverhalten, wir müssen den solaren Reichtum mobilisieren." Die Technik dafür stehe zur Verfügung, nur der politische Wille habe bisher gefehlt, diese Technologien auf breiterer Ebene einzuführen. "Die ganze Welt ist erneuerbar", so Alt, sogar der Vatikan habe weitläufig in Solarzellen investiert.

Außerdem seien erneuerbare Energien ein wahrer "Jobknüller", die derzeit einzige Branche, die auf- und nicht abbaut. "Das Ökologische wird sozial", resümierte Franz Alt. Die Wirtschaft zeige sich auch durchaus interessiert an dem Konzept, man stehe mit zehn deutschen Dax-Unternehmen in Verhandlungen.

Wirtschaft und Gemeinnutz verknüpfen

Auch Gesine Schwan zeigte sich begeistert von dem Konzept: "Politik, Technologie und Wirtschaft müssen sich viel besser verständigen." Das sei nicht immer leicht, denn jeder vertrete immer auch eigene Interessen, doch man brauche mehr "Appetizer", wie dieses Buch: "Appetithäppchen, die uns zeigen, dass wir es besser können."

Schwan zeigte sich zuversichtlich, dass Lösungen realisiert werden können, die eine bessere Zukunft bringen. Und plädierte gegen die "systemische Abgeschlossenheit" von Wirtschaft und Politik. Peter Spiegel pflichtete bei: "Warum werden der gemeinnützige und der Business-Sektor immer als etwas Getrenntes wahrgenommen?"

Isabel Robles

Weitere Informationen

Kommission: Klimaaussichten 2050 (8. Januar 2007, Pressemitteilung englisch)
Kommission: Klimaausblick 2030 (2003, englisch)
EURACTIV: Energieprognosen (11. August 2004)