Moldawien strebt stärkeren Agrarhandel mit EU an

Nachdem Moldawien den Status eines EU-Beitrittskandidaten erhalten hat, hofft das Land auf eine Steigerung der Agrarexporte in die EU und auf mehr Unterstützung bei der Modernisierung und Stärkung der Widerstandsfähigkeit seines Agrarsektors.

EURACTIV.com
2D2A0083
Der Kandidatenstatus, den der Europäische Rat Moldawien letzte Woche angeboten hat, gibt den moldawischen Landwirt:innen mehr Hoffnung, so einer der Landwirtschaftsverbände des Landes [[Aurel Obreja]]

Nachdem Moldawien den Status eines EU-Beitrittskandidaten erhalten hat, hofft das Land auf eine Steigerung der Agrarexporte in die EU und auf mehr Unterstützung bei der Modernisierung und Stärkung der Widerstandsfähigkeit seines Agrarsektors.

Moldawien gilt nach wie vor als Agrarland. Der Sektor ist für die Volkswirtschaft des Landes von entscheidender Bedeutung.

„Die EU ist der wichtigste Handelspartner von Moldawien: 66 Prozent unserer Agrar- und Lebensmittelexporte sind für den EU-Markt bestimmt“, erklärte der stellvertretende moldawische Landwirtschaftsminister Anatolie Fală. Die wichtigsten Ziellländer seien Rumänien, Deutschland, Frankreich, Italien und Polen.

Moldawiens Exporte in die EU bestehen hauptsächlich aus Getreide und daraus hergestellten Produkten, Saatgut, Obst, Gemüse, Wein und Pflanzenöl.

Die Situation dürfte sich verbessern, da die EU-Abgeordneten derzeit über eine Handelsliberalisierung für sieben moldawische Agrarexporte – Pflaumen, Tafeltrauben, Äpfel, Tomaten, Knoblauch, Kirschen und Traubensaft – diskutieren. Dadurch könnten doppelt so viele dieser Produkte ohne Zölle im Binnenmarkt verkauft werden.

Getreide wie Weizen und Mais sind bei weitem die am meisten in die EU exportierten Produkte. In normalen Zeiten kann Moldawien bis zu 400.000 Tonnen Weizen und Mais in die EU exportieren, doch der Krieg in der Ukraine hat sich erheblich auf die Lieferketten im Land ausgewirkt.

Nach Schätzungen des stellvertretenden Ministers Fală wird Moldawien dieses Jahr 250.000 Tonnen Weizen exportieren können. Um die Ernährungssicherheit im Land zu gewährleisten, benötigt der Agrarsektor jedoch Investitionen in ein Netzwerk von Lagereinrichtungen für Getreide und Gemüse.

„Oft verkaufen wir unsere Produkte sofort, weil wir keine Möglichkeit haben, sie zu verarbeiten, und manchmal ist der Preis nicht günstig“, sagte Fală.

Derzeit gibt es einen Mangel an Milch und Milchprodukten, und wegen des Krieges in der Ukraine hat Moldawien nicht viele Alternativen, um diese Produkte zu importieren. Das Land hat daraufhin die Importquote aus Rumänien um rund 20.000 Tonnen Milch bis Ende des Jahres erhöht.

„Wir brauchen Investitionen in Höhe von bis zu 200 Millionen Euro für den Bau und die Ausstattung von Bauernhöfen“, sagte Fală.

Landwirt:innen hoffen auf EU-Hilfe

Die EU unterstützt die moldawische Landwirtschaft bereits mit Fördergeldern im Rahmen von Programmen wie dem Programm zur wirtschaftlichen Förderung des ländlichen Raums (ESRA) und dem Europäischen Nachbarschaftsprogramm für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (ENPARD).

Diese Programme haben zur Modernisierung von Viehzuchtbetrieben und zur Anlage neuer Weinberge beigetragen. Nach dem Start der Programme stieg der Anteil der moldawischen Exporte nach Europa zwischen 2015 und 2019 von rund 50 auf 68 Prozent.

Der Kandidatenstatus, den der Europäische Rat Moldawien letzte Woche angeboten hat, habe den moldawischen Landwirt:innen mehr Hoffnung gebracht, so Vasile Mirzenco, Direktor eines der größten nationalen Bauernverbände des Landes, der Federația Națională a Fermierilor din Moldovaparticipă (FNFM).

„Die Exporte in die EU sind in den letzten Jahren stetig gestiegen, aber gleichzeitig müssen wir erkennen, dass das Potenzial Moldawiens für den Export von Agrar- und Ernährungsprodukten viel höher ist“, sagte er.

Nach der Erlangung des Kandidatenstatus hoffen die Landwirt:innen, dass sie den Agrarsektor aus der Sackgasse herausführen können.

„Wir hatten enorme Probleme mit den Exporten in den Osten, und jetzt, im Zusammenhang mit der außergewöhnlichen Situation des Krieges, werden die Exporte dorthin noch uninteressanter sein“, sagte Mirzenco.

Chancen am Obstmarkt

Neben Getreide kann Moldawien mehr Obst in europäische Länder exportieren, insbesondere Weintrauben, Aprikosen, Äpfel und Kirschen.

Die Obstproduzent:innen des Landes sind jedoch besorgt, dass eine Steigerung der Ausfuhren ihrer Produkte in die EU-Märkte auf Schwierigkeiten stoßen könnte, da die Europäer:innen lieber einheimische Produkte kaufen.

„Wir haben einen Markt für unsere Pflaumen gefunden, aber bei den Äpfeln ist es sehr schwierig, auf den europäischen Markt zu kommen, weil der Markt übersättigt ist“, sagte Ion Tulei, ein moldawischer Exporteur von Pflaumen.

Hauptimporteure seiner Pflaumen seien Deutschland und die Niederlande, so Tulei, wo die Nachfrage höher ist als in anderen europäischen Ländern.

„Der Vorteil unserer Produkte liegt in ihrem besonderen Geschmack. Ich denke, wir können die europäischen Verbraucher:innen davon überzeugen, Früchte aus Moldawien zu kaufen, weil sie so gut schmecken“, schloss er.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Nathalie Weatherald]