Nach Haiti: EU und UNESCO identifizieren Synergiepotenzial
UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokowa beschritt gestern (17. Februar) gemeinsam mit der EU neue Wege für eine verstärkte europäische Zusammenarbeit mit der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur. Ihre Landsmännin Kristalina Georgiewa, EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, stellte gemeinsame Pläne vor, um die Auswirkungen der Haiti-Krise zu lindern.
UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokowa beschritt gestern (17. Februar) gemeinsam mit der EU neue Wege für eine verstärkte europäische Zusammenarbeit mit der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur. Ihre Landsmännin Kristalina Georgiewa, EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, stellte gemeinsame Pläne vor, um die Auswirkungen der Haiti-Krise zu lindern.
Die bulgarische Diplomatin Irina Bokowa, der jüngst als erste Frau und Osteuropäerin die Leitung der UNESCO anvertraut wurde (EURACTIV vom 23. September 2009), hielt Treffen mit dem Europäischen Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso, der Kommissarin für Bildung, Kultur und Jugend Androulla Vassiliou, der Kommissarin für Fischerei und maritime Angelegenheiten Maria Damanaki sowie Georgiewa ab. Mit Letzterer verbindet sie ihren Worten zufolge eine langjährige Freundschaft.
Die katastrophale humanitäre Lage auf Haiti, das von einem schweren Erdbeben erschüttert wurde, war der wesentliche Gesprächspunkt beim ersten Brüssel-Besuch Bokowas in ihrer neuen Position.
Vor der Presse sagte Bokowa, die UNESCO sei in Haiti vor Ort tätig, vor allem bei der Unterstützung des dortigen Bildungsministeriums.
"Tatsächlich arbeitet das haitische Bildungsministerium aus einem UNESCO-Büro in Port-au-Prince aus, weil dieses unbeschädigt blieb", so Bokowa.
Ein anderes Ziel sei es, zügig einen Ausschuss für den Erhalt von Kulturobjekten zu gründen. Dies sei wichtig, da sich die Bulldozer derzeit nur bedingt um kulturhistorisches Erbe scherten.
Gastgeberin Georgiewa drückte ihre Freude über den Besuch Bokowas aus. In den Bereichen humanitäre Hilfe und Krisenreaktion wolle die Kommission Hand in Hand mit dem UN-System zusammenzuarbeiten.
Georgiewa erklärte, die Kommission wolle bei ihrer Antwort auf die Haiti-Krise insbesondere Bildungsmaßnahmen abdecken. Ihren Worten zufolge muss nach der Sicherstellung von Nahrungsmitteln und Unterkunft – selbst wenn dies erst einmal Notunterkünfte oder Zelte bedeuten sollte – die nächste Priorität der EU sein, Kindern eine Weiterführung des Schulunterrichts zu ermöglichen.
Zudem stellte sich auf der Pressekonferenz heraus, dass die UNESCO ein System für Tsunami-Warnungen entwickelt hat, auf das die Kommission bei der Entwicklung von Frühwarnkapazitäten zurückgreifen möchte.
Das System wurde Bokowa zufolge nach dem verheerenden Tsunami in Südostasien im Jahr 2004 entwickelt und vor kurzem in einem tatsächlichen Katastrophenfall getestet.
Sowohl Georgiewa als auch Bokowa kündigten einen baldigen Besuch Haitis an, obwohl diese Besuche sich nicht überschneiden werden.
Georgiewa, die kürzlich bei ihrer Anhörung vor dem Europäischen Parlament gut abschnitt (EURACTIV vom 4. Februar 2010), kündigte ihre Absicht an, nach Haiti zu reisen, sobald man etwas anzubieten habe. Da die Kommission nun zu Hilfsleistungen in der Lage sei, sei es an der Zeit, dort hinzufliegen.
Ihr Ziel sei es, herauszufinden, wie man die kürzlich zugewiesenen Extrahilfen in Höhe von insgesamt 90 Millionen Euro am besten verwenden könne, um die Lücken anderer Hilfsbemühungen zu schließen.
Von EURACTIV danach gefragt, welche andere Bereiche der Zusammenarbeit sie sich mit der EU vorstellen könne, nannte Bokowa die Probleme des afrikanischen Kontinents sowie die Gleichstellung der Geschlechter.
Bei beiden dieser horizontalen Prioritäten sei eine sehr ergiebige Zusammenarbeit möglich.