Neue Gaskrise "wahrscheinlich"

Europa sollte damit rechnen, dass es auch diesen Winter durch eine Gasversorgungskrise wie vergangenen Januar getroffen wird. Walter Boltz, Vorsitzender der österreichischen Energiebehörde E-Control, findet im Gespräch mit EURACTIV, dass die Möglichkeit einer erneuten Unterbrechung der Gasversorgung gravierende und langfristige Folgen für das Ansehen von Gas hat.

Wie lange funktioniert die Gasversorgung diesen Winter? (Foto: dpa)
Wie lange funktioniert die Gasversorgung diesen Winter? (Foto: dpa)

Europa sollte damit rechnen, dass es auch diesen Winter durch eine Gasversorgungskrise wie vergangenen Januar getroffen wird. Walter Boltz, Vorsitzender der österreichischen Energiebehörde E-Control, findet im Gespräch mit EURACTIV, dass die Möglichkeit einer erneuten Unterbrechung der Gasversorgung gravierende und langfristige Folgen für das Ansehen von Gas hat.

"Die grundlegende Situation zwischen der Ukraine und Russland hat sich nicht viel verbessert (…), und das Zahlungsproblem taucht jeden Monat auf", erklärte Boltz und wies auf die finanzielle Situation der ukrainischen Naftogaz und auf die nächsten Wahlen in der Ukraine hin. Die Wahlen drohen die politische Situation unberechenbar zu machen. "Ich würde sagen, es gibt eine gute Chance, dass etwas Ähnliches wieder passieren kann", schloss Boltz. 

System war nicht für Europa angelegt

Ein grundlegendes Problem dabei ist nach Ansicht des österreichischen Energieexperten, dass das ukrainische Gastransport-System von der Sowjetunion gebaut wurde und darauf ausgerichtet war, Gas von Russland zu transportieren durch die Ukraine nach Europa zu transportieren. Es war eher gebaut worden, um Gas aus dem Norden in Lagerungseinrichtungen nahe Europa zu bringen.

Die Ost-Ukraine könnte also aus Russland beliefert werden, und dieses Gas könnte weiter nach Westeuropa gebracht werden, erklärte er. 

Russen behaupten: Ukrainische Speicher zu klein

"Wenn die Ukraine nicht genügend Speicherkapaziäten hat, wird sie nicht fähig sein, Europa im Winter zu versorgen", so Boltz. Die Höhe der Lagerungen sei ein Staatsgeheimnis in der Ukraine, aber die Russen behaupteten, es reiche nicht aus, sagte er.

Der Chef der Regulierungsbehörde meinte, dass sich die Verbraucher dieses Mal der negativen Folgen besser bewusst seien. Sie würden weniger dazu neigen, die Situation eskalieren zu lassen. Er warnte, dass eine weitere Krise ein schwerer Schlag für die Gasindustrie sein könnte. 

"Gasunternehmen sagen uns, dass es sehr schwierig ist, Gasanwendungen an neue Kunden zu verkaufen. Wenige Menschen wollen auf Gas umsteigen, weil sie immer noch diese Erinnerung haben, dass das Gas abgeschnitten werden könnte.“ 

Das sei natürlich sehr schlecht, da Gas von seiner zuverlässigen Versorgung und seiner Umweltfreundlichkeit gelebt habe, findet Boltz. Eine neuerliche Krise könnte zu einem großen Schritt von Gas weg führen. 

Dennoch argumentierte Boltz, dass die EU dieses Mal besser antworten könne, da Investitionen bereits in Projekte in Mittel- und Osteuropa fließen. 

Zu hohe Vertragspreise

Auf längere Sicht beweise die Versorgungsknappheit, dass die Industrie die Verträge mit Ländern wie Algerien, Russland und Norwegen überdenken müsse, warnte Boltz. Er wies darauf hin, dass die Vertragspreise jetzt das Doppelte der Marktpreise betrügen, Angebot und Nachfrage seien aus dem Gleichgewicht. 

Der Chef der Regulierungsbehörde erwartet, dass viele Unternehmen dieses Jahr Schwierigkeiten in der vertraglichen Versorgung haben werden. 

"Es bleibt abzuwarten, wie flexibel die verschiedenen Hersteller in der Lieferung der Gasmengen sind und in welchem Ausmaß sie sagen: ‚Wir brauchen das Geld, und wir brauchen es jetzt, wir kümmern uns nicht, was sie mit dem Gas tun‘,“ sagte er. 

Mit Walter Boltz sprach Susanna Ala-Kurikka, EURACTIV.com