Nicht reformiertes System Europäischer Schulen „könnte zusammenberechen” [DE]
Das System der Europäischen Schulen könnte „bald zusammenbrechen“ wenn es nicht reformiert würde, sagte der Vizepräsident der Europäischen Kommission Siim Kallas bei einer öffentlichen Anhörung in Brüssel letzte Woche (19. März 2009) und wies auf „alarmierende Signale“, wie den Lehrermangel, die langsamen Entscheidungsprozesse und die Unbereitschaft der Regierungen in die Infrastruktur zu investieren hin.
Das System der Europäischen Schulen könnte „bald zusammenbrechen“ wenn es nicht reformiert würde, sagte der Vizepräsident der Europäischen Kommission Siim Kallas bei einer öffentlichen Anhörung in Brüssel letzte Woche (19. März 2009) und wies auf „alarmierende Signale“, wie den Lehrermangel, die langsamen Entscheidungsprozesse und die Unbereitschaft der Regierungen in die Infrastruktur zu investieren hin.
Auf einer Anhörung des Europäischen Parlaments, dass von der Mitte-Rechts gerichteten EVP-Gruppe organisiert wurde, sagte der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Siim Kallas, der für die Verwaltung verantwortlich ist, dass er einsehe, dass es ein delikates Thema sei das Europäische Schulsystem zu reformieren. Kallas fügt außerdem hinzu, wenn heute genügend politische Anreize geschaffen würden, man morgen bereits den Feinschliff erledigen könne, um ein qualitativ hochwertiges, multikulturelles und wahrlich europäisches Bildungssystem zu schaffen, dass in der gesamten EU zur Verfügung stehen würde.
Reformprozess ist im Gange
Die Bemühungen zur Reformierung der Europäischen Schulen sind bereits seit Mitte der 2000er im Gange sagte Kallas den Interessensgruppen, die Eltern, Lehrer und Beamte der EU-Institutionen beinhalteten, und nannte die drei wichtigsten Punkte des Reformprozesses:
- Entbürokratisierung der Entscheidungsprozesse und die Schaffung von klaren Zuständigkeitsbereichen, damit Entscheidungen auf angemesser Ebene gefällt werden können.
- Sicherstellen, dass Kosten gleichmäßig zwischen allen Mitgliedstaaten geteilt werden sowie
- Die Öffnung des Systems, um nicht nur den europäischen Lehrplan zu ermöglichen, wo sich europäische Institutionen und Einrichtungen befinden, sondern in jedem interessierten Mitgliedsstaat.
Weiterhin sagte Kallas, dass man gemeinsam sicherstellen könne, dass Europäische Schulen nicht mehr als elitäre und geschlossene Bildungseinrichtung wahrgenommen würden, sagte der Kommissar bei der Anhörung.
Die Öffnung des Systems
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt werden Kindern von EU-Beamten, die direkt für die Institutionen arbeiten, Prioritäten eingeräumt. Die luxemburgische Europaabgeordnete Erna Hennicot-Schoepges (EVP) sagte, dass zurzeit Reformen im Gange seien, die Europäischen Schulen für ein breiteres Publikum zu öffnen, besonders für Kinder der Belegschaft von EU- Agenturen (so genannte „Typ-2-Schulen“, von denen bereits vier existieren).
Staatliche Schulen sollten ihren Schülern auch die Möglichkeit geben, das Europäische Abitur anzubieten, eine Idee, die vom stellvertretendem tschechischen Bildungsminister Jakub Dürr als „höchst inspirierend“ begrüßt wurde.
Anderseits, nahm Alain Scriban vom Verwaltungsbüro der Kommission einen bescheideneren Standpunkt ein und mahnte, dass die Öffnung der Schulen kein Freibrief für alle bedeuten solle und warnte ebenfalls davor, dass sich dies als Alternative zu anderen Schulformen etablieren müsse. Hierbei betonte er insbesondere die Notwendigkeit der Qualitätserhaltung dieses Schulsystems.
Überfüllte Europäische Schulen „in der Krise”
Nicht alle Interessensvertreter teilten das positive Fazit des EU-Kommissars Kallas. Besonders die Eltern der Schüler glauben, dass das gesamte System in der Krise stecke und erhebliche Erweiterung und Investitionen benötige, wenn es auch in Zukunft qualitativ-hochwertige Bildung anbieten will, erklärte der Vertreter der Interessensgruppe der Eltern Christopher Wilkinson, der Anhörung.
Die Überfüllung, insbesondere die der drei Brüsseler Standorte Woluwé, Uccle und Ixelles bedeutet, dass viele Europäische Schulen „ nach Jahren des Fehlmanagements“ die Grenze ihrer Belastbarkeit erreicht hätten, beklagte Wilkinson.
Tatsächlich gab Reneé Christmann, Generalsekretärin der Europäischen Schulen zu, dass die Überfüllung bedauerlich sei, das es das Gefühl verstärke, die Europäischen Schulen seien „vom Rest der Gesellschaft abgeschnitten“.
Aufgrund dieser Kapazitätsengpässe, brachte Wilkinson sogar hervor, dass Versuche unternommen wurden, Kinder deren Eltern keine EU-Beamten seien, wegen der Überfüllung, nicht mehr zuzulassen. Weiter behauptete er, dass der aktuelle Zustand einer von kleinen Schulen, kleinen Klassen und kleinen Sprachgruppen, also ein abgeschlossenes System sei.
Brüssel wird bald eine neue Europäische Schule in Laken eröffnen, deren Fertigstellung aber nicht vor 2012 erwartet wird. Unterdessen geht die Debatte über die Zukunft der Europäischen Schulen weiter und einige Teilnehmer verlangten bereits eine fünfte Schule in der belgischen Hauptstadt.