Nord Stream auf der Suche nach 3,5 Milliarden Euro
Nord Stream verhandelt derzeit mit 30 Banken um Kredite in Höhe von 3,5 Milliarden Euro. Sobald die nationalen Genehmigungen vorliegen, sollen die Banken ins Projekt einsteigen. Bisher haben die Anteilseigner des Konsortiums zwei Milliarden Euro in das Ostseepipeline-Projekt gesteckt. Nord Stream hat aber bereits Verträge über drei bis vier Milliarden Euro abgeschlossen.
Nord Stream verhandelt derzeit mit 30 Banken um Kredite in Höhe von 3,5 Milliarden Euro. Sobald die nationalen Genehmigungen vorliegen, sollen die Banken ins Projekt einsteigen. Bisher haben die Anteilseigner des Konsortiums zwei Milliarden Euro in das Ostseepipeline-Projekt gesteckt. Nord Stream hat aber bereits Verträge über drei bis vier Milliarden Euro abgeschlossen.
Die ersten Rohre der Ostseepipeline sollen ab April 2010 auf dem Ostseegrund verlegt werden. Ende 2011 soll darin das erste Erdgas von Russland nach Greifswald strömen.
Offene Fragen
Ob der ambitionierte Zeitplan umgesetzt wird, ist weiter offen. Folgende Aspekte müssen vorher geklärt werden:
– Umweltverträglichkeit: Können die Bedenken der skeptischen Ostseeanrainerstaaten (Polen, Estland, Lettland und Litauen) und der fünf direkt vom Pipeline-Bau betroffenen Länder (Russland, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland ) ausgeräumt werden?
– Genehmigen alle Behörden der fünf vom Bau direkt betroffenen Länder den Pipeline-Bau?
– Werden die Banken die benötigten 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen?
– Wer entfernt die chemische Munition und die Minen aus dem 1. und 2. Weltkrieg, die in der Nähe der geplanten Pipeline auf dem Ostseeboden liegen?
Die Route der Pipeline
Die Pipeline soll auf insgesamt 1.200 km durch die Wirtschaftszonen von Russland, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland verlaufen. Ab 2012 soll die Pipeline bis zu 55 Milliarden Kubikmeter russischen Erdgases pro Jahr nach Westeuropa liefern.
Die nationalen Behörden der fünf Länder prüfen derzeit, wie sich der Bau der Pipeline auf die Umwelt, den Meeresboden und die Fischerei auswirkt und ob das mit dem jeweiligen nationalen Recht vereinbar ist.
Außerdem müssen die Einwände der übrigen Ostseeanrainerstaaten (Polen, Litauen, Lettland, Estland) zu grenzüberschreitenden Umwelteffekten geprüft werden. Die zwischenstaatlichen Konsultationen laufen noch bis zum 8. Juni 2009.
Nationale Genehmigungen
Obwohl die baltischen Länder und Polen sicher alle rechtlichen Möglichkeiten gegen die Pipeline ausschöpfen werden, ist Ulrich Lissek, Kommunikationschef der Nord Stream AG, „100 Prozent überzeugt, dass alle fünf Länder den Bau der Pipeline genehmigen werden. Die nationalen Genehmigungsverfahren sollten bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.“
Wenn eines der fünf betroffenen Länder die Genehmigung verweigert, ist das Pipeline-Projekt gestorben, bestätigte Dirk von Ameln, Genehmigungsdirektor der Nord Stream, am 28. Mai 2009 bei einem Gespräch mit Korrespondenten in Berlin.
Erst die Genehmigungen, dann das Geld
Für Nord Stream ist dieses Szenario verständlicherweise unvorstellbar. Schließlich haben die Anteilseigner der Nord Stream AG bisher zwei Milliarden Euro in die Gesellschaft eingebracht. Die Verträge mit Rohrlieferanten, mit Logistikunternehmen und mit Rohrverlegespezialisten belaufen sich zudem bereits auf ein Volumen von drei bis vier Milliarden Euro.
Derzeit verhandelt Nord Stream daher mit etwa 30 Banken über die Finanzierung von 3,5 Milliarden Euro. Das Umfeld für diese Verhandlungen ist in der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise schwierig geworden.
„Vor einem Jahr hätten wir über diese Summe mit zwei bis vier Banken verhandelt. Heute geht dem Kapitalismus das Kapital aus und es ist schwer, eine Bank zu finden, die einem eine Milliarde Euro gibt“, erklärte von Ameln.
Paul Corcoran, Finanzdirektor des Nord-Stream-Konsortiums, hatte Euractiv.com vor wenigen Tagen erklärt, dass die Banken ihr Geld erst dann in das Projekt stecken würden, wenn die endgültige Transportroute genehmigt ist und die technischen Details und die Umweltzertifikate vorliegen.
Das Geld wird dringend benötigt, denn laut Planung sollen die Banken 70 Prozent des Projektbudgets (7,4 Milliarden Euro) finanzieren.
"Wir wollen das erste von Banken getragene Finanzierungspaket im dritten Quartal 2009 festmachen", erklärte Lissek. Einen Teil der Kredite solle dabei über staatliche Exportbürgschaften (Hermes in Deutschland, Sace in Italien) abgesichert werden.
Eigentümer der Nord Stream AG
Bisher sind in der Nord Stream AG der russische Staatskonzern Gazprom (51 Prozent), die deutschen Gesellschafter BASF/Wintershall (20 Prozent) und E.ON Ruhrgas (20 Prozent) und die niederländische Nederlandse Gasunie (9 Prozent) beteiligt.
Bis Ende des Sommers soll auch der französische Energiekonzern GDF Suez in das Konsortium aufgenommen werden. Geplant ist eine Beteiligung von 9 Prozent, die von den deutschen Anteilseignern an GDF Suez abgegeben werden. (mka)