Ohne digitale Teilhabe keine digitale Transformation

Die digitale Wende in Europa kann ohne eine digitale Integration nicht vorankommen, sagte der EU-Abgeordnete Franc Bogovič am Montag (17. Oktober).

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Der Abgeordnete betonte, dass die Überwindung der Kluft zwischen ländlichen und städtischen Gebieten ein entscheidender Aspekt der digitalen Inklusion sei. [[metamorworks/Shutterstock]]

Die digitale Transformation in Europa kann ohne eine digitale Teilhabe nicht vorankommen, so der EU-Abgeordnete Franc Bogovič am Montag (17. Oktober). Gerade ländliche Regionen drohen abgehängt zu werden.

„Die Digitalisierung kann Menschen zusammenbringen und soziale Bindungen stärken“, sagte Bogovič in seiner Rede auf der Konferenz Huawei Connect 2022 in Paris.

Der Abgeordnete betonte, dass die Überwindung der Kluft zwischen ländlichen und städtischen Gebieten ein entscheidender Aspekt der digitalen Teilhabe sei.

Bogovič betonte weiter, dass die digitale Entwicklung dazu beitragen müsse, ländliche Gebiete in der gesamten EU durch wirksame Maßnahmen anzubinden, da derzeit nur 37 Prozent aller Europäer Zugang zu schnellem Internet hätten.

Laut dem EU-Abgeordneten konzentriert sich die Digitalisierung bisher eher auf urbane Zentren, in denen hochqualifizierte Arbeitskräfte angesiedelt sind, zum Nachteil von abgelegeneren Gebieten.

Einem Bericht der G20 aus dem Jahr 2019 zufolge verschärft dies die globale Ungleichheit und schränkt den sozialen Zusammenhalt ein.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat immer wieder vor der Spaltungsgefahr von digitalen Clustern gewarnt.

Laut der OECD würde der übermäßige Fokus auf einige wenige Firmen den Wettbewerb auf dem Markt verringern, womit Wohlstandsunterschiede verstärkt würden.

„Die Unterrepräsentation bestimmter sozialer Gruppen bei Innovationstätigkeiten bedeutet, dass die menschlichen Ressourcen in der Wirtschaft nicht in vollem Umfang genutzt werden“, so die Organisation.

Allerdings haben Ballungseffekte auch ihre Vorteile.

Untersuchungen der OECD haben gezeigt, dass konzentrierte digitale Cluster weitere Innovationen fördern, auch wenn diese Innovationen nicht auf andere, weniger verstädterte Gebiete übergreifen.

Derartige Vorteile könnten das Risiko wohl wert sein.

Denn effiziente politische Maßnahmen zur Förderung digitaler Kompetenzen in allen EU-Regionen und zur Unterstützung kleinerer Unternehmen bei soliden Investitionen in digitale Lösungen sind dringender denn je.

Derzeit bleibt Europa bei digitalen Investitionen und Wachstum hinter China und den USA zurück.

„Die USA investieren sechsmal mehr Geld als die EU in neue Technologien, vor allem in KI“, sagte Victor Marçais, von der Unternehmensberatung Roland Berger, auf einer Podiumsdiskussion während der Huawei-Konferenz.

Regionale Entwicklung fördern

Die EU hat bereits verschiedene Wege aufgezeigt, wie ländliche Gebiete gefördert werden können, damit regionale KMU mit größeren, günstiger gelegenen Unternehmen konkurrieren können.

Der Weg wurde durch die Ziele der Digitalen Dekade vorgegeben, die unter anderem eine flächendeckende Breitbandanbindung in Europa, digitale Grundkenntnisse für 80 Prozent und eine wesentliche digitale Nutzungsintensität für 90 Prozent der europäischen KMU vorsehen.

Im Juli veröffentlichte die EU-Kommission ihre Partnerschaften für das digitale Ökosystem als Teil der Ziele der Digitalen Dekade für die digitale Kompetenz innerhalb der EU, um die Aus- und Weiterbildung von Arbeitnehmern in vielen digitalen Sektoren voranzutreiben.

Die Erfahrung, dass die Digitalisierung das Wachstum von Unternehmen beschleunigen und Arbeitnehmer entsprechend schulen kann, zeige in Frankreich bereits positive Auswirkungen.

Laut einer Studie der französischen KMU-Gewerkschaft CPME aus diesem Jahr erkennen 81 Prozent aller französischen KMU an, dass die Digitalisierung einen „echten“ Nutzen bringt, was einem Anstieg von 14 Prozent seit 2020 entspricht.

Das ist ein Zeichen dafür, dass das Verständnis für digitale Lösungen und die Fähigkeit, sie einzusetzen, für immer mehr Unternehmer zur zweiten Natur wird, so der Leiter der Abteilung für Digitales der CPME.

Allerdings hinken die unternehmensinternen Schulungen zu so grundlegenden Themen wie der Cybersicherheit noch hinterher.

Der Umfrage zufolge veranstalteten nur 29 Prozent der Unternehmer mindestens einmal im Jahr eine digitale Schulung für ihre Mitarbeiter, während 63 Prozent dies nie taten.

Bogovič leitet das European Smart Villages Forum, eine Initiative zur Förderung der Widerstandsfähigkeit und innovativer Lösungen in ländlichen Gebieten in der EU.

Die Einrichtung spezieller Fonds zur Unterstützung von Dörfern bei der Ermittlung relevanter Lösungen und deren Umsetzung sei laut Bogovič eine weitere Möglichkeit, kleineren Unternehmen in entlegeneren Gebieten den Zugang zu digitalen Lösungen zu erleichtern.

In diesem Sinne ist das Digital Europe Programme, das strategische digitale Investitionen für KMU mit einem Budget von 7,5 Milliarden Euro finanzieren soll, ein willkommener Anfang.

Bei der Digitalisierung geht es nicht nur um Rentabilität, sondern auch um die Schaffung gleicher Bedingungen für die soziale Gleichheit in der EU.

„Technologien können auf intelligente Weise eingesetzt werden, um die Lebensqualität aller Bürger zu verbessern“, so Bogovič abschließend.

[Bearbeitet von Luca Bertuzzi/Nathalie Weatherald]