Proteste in Belgrad gegen geplante Gay Pride-Veranstaltung

Tausende christlicher, politisch rechtsgerichteter Demonstrant:innen sind am Sonntag (28. August) durch Belgrad gezogen, um gegen eine geplante EuroPride-Veranstaltung in der serbischen Hauptstadt zu protestieren, obwohl die Regierung angekündigt hatte, die Pride-Veranstaltung abzusagen oder zu verschieben.

EURACTIV.com with Reuters
Protest against EuroPride
Ein UN-Vertreter in Serbien äußerte sich kritisch über das Verbot der Austragung der EuroPride-Veranstalltung durch Belgrad. "Es würde gegen die internationalen Menschenrechtsverpflichtungen Serbiens verstoßen", sagte Francoise Jacob, die UN-Koordinatorin in Serbien, in einer Erklärung. [EPA-EFE/ANDREJ CUKIC]

Tausende christlicher, politisch rechtsgerichteter Demonstrant:innen sind am Sonntag (28. August) durch Belgrad gezogen, um gegen eine geplante EuroPride-Veranstaltung in der serbischen Hauptstadt zu protestieren, obwohl die Regierung angekündigt hatte, die Pride-Veranstaltung abzusagen oder zu verschieben.

Belgrad soll am 17. September Gastgeber der EuroPride sein, einer Veranstaltung, die jedes Jahr in einer anderen europäischen Stadt stattfindet. Präsident Aleksandar Vučić kündigte jedoch am Samstag an, die Veranstaltung werde abgesagt oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Als Grund nannte er Drohungen rechter Aktivist:innen.

Der Protest am Sonntag gegen die EuroPride-Veranstaltung, der während einer Prozession anlässlich eines religiösen Feiertags stattfand, wurde von Geistlichen der serbisch-orthodoxen Kirche angeführt. Einige ihrer Bischöfe sind der Meinung, dass die Pride-Veranstaltung traditionelle Familienwerte bedrohe und verboten werden sollte.

„Rettet unsere Kinder und Familien“, stand auf einem der Transparente, das die Demonstrant:innen am Sonntag hochhielten, von denen einige auch Kreuze trugen.

Andere, die sich dem Sonntagsmarsch anschlossen, riefen Slogans zur Unterstützung rechtsextremer oder nationalistischer Anliegen.

Einige schwenkten russische Flaggen, als Zeichen ihrer Unterstützung für Moskau. Die Belgrader Regierung ist aktuell bemüht, ihre Ambitionen auf einen Beitritt zur Europäischen Union mit ihren langjährigen Beziehungen zu Russland und China in Einklang zu bringen.

Der serbische Präsident sagte am Samstag, die EuroPride werde aus Sicherheitsgründen abgesagt oder später abgehalten. Neben Drohungen rechter „Hooligans“ nannte er als Begründung Probleme wie den anhaltenden Streit mit dem Kosovo sowie die Energiekrise.

„Es wird stattfinden, aber zu einem anderen und erfreulicheren Zeitpunkt“, sagte er über die EuroPride-Veranstaltung.

UN-Vertreter:innen in Serbien äußerte sich derweil kritisch über das Verbot der Austragung der EuroPride-Veranstaltung durch Belgrad. Es verstoße damit gegen die „internationalen Menschenrechtsverpflichtungen Serbiens“, sagte Francoise Jacob, die UN-Koordinatorin in Serbien, in einer Erklärung.

Frühere serbische Regierungen hatten in der Vergangenheit Pride-Paraden verboten, was Kritik von Menschenrechtsgruppen und anderen hervorrief.

Einige Pride-Märsche in den frühen 2000er Jahren stießen auf heftigen Widerstand und wurden von Gewalt überschattet.

In letzter Zeit sind die Pride-Märsche in Serbien jedoch friedlich verlaufen, was von den EuroPride-Organisatoren als ein Grund dafür genannt wurde, dass Belgrad als Gastgeber für 2022 ausgewählt wurde. Kopenhagen war Gastgeber der Ausgabe 2021.

Serbien hat den Status eines EU-Beitrittskandidaten. Um Mitglied zu werden, muss das Land jedoch zunächst die Forderungen nach Verbesserung der Rechtsstaatlichkeit und der Menschen- und Minderheitenrechte erfüllen, das organisierte Verbrechen und die Korruption ausrotten und die Beziehungen zum Kosovo verbessern.