Russland bietet Finnland Technologie zur Impfstoffherstellung an

Russland hat angeboten, Finnland die Technologie zur Herstellung seines Impfstoffs Sputnik V zu liefern. Mehrere Beobachter befürchten, dass dies ein "strategisches Manöver" mit politischen und kommerziellen Hintergedanken sein dürfte.

EURACTIV.com
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Nach wie vor ein Streitthema: Der russische Impfstoff Sputnik V. [<a href="https://www.shutterstock.com/de/image-illustration/buenos-aires-argentina-november-10-2020-1851403111" target="_blank" rel="noopener">[Shutterstock/Juan Roballo]</a>]

Russland hat angeboten, Finnland die Technologie zur Herstellung seines Impfstoffs Sputnik V zu liefern, berichtete die russische Nachrichtenagentur Tass Ende vergangener Woche. Mehrere Beobachter befürchten, dass dies ein „strategisches Manöver“ mit politischen und kommerziellen Hintergedanken sein könnte.

Russland wolle mit solchen Angeboten Verwirrung in der Europäischen Union stiften, warnte beispielsweise der ehemalige finnische Botschafter in Moskau, Hannu Himanen, am Samstag gegenüber dem finnischen Sender MTV3. Finnland sei eines der EU-Länder, in denen Russland „die Lage testen“ wolle.

Das Thema Impfstoff-Herstellung sei erstmals in einem Telefongespräch zwischen der russischen Parlamentspräsidentin Walentina Matwijenko und der ehemaligen finnischen Präsidentin Tarja Halonen angesprochen worden. Halonen arbeitet inzwischen für die europäische COVID-19-Truppe bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie habe Matwijenko Berichten zufolge auf Bitten der WHO kontaktiert, um den Prozess der Zulassung von Sputnik V für den Einsatz in der EU zu besprechen.

Das Angebot kommt zu einem Zeitpunkt, an dem in ganz Europa die Frustration über den langsamen Fortschritt der Impfaktionen wächst. Gleichzeitig bildet sich eine Art Graben zwischen denjenigen EU-Ländern, die auf eine breitere Palette verfügbarer Impfstoffe für ihre Bürgerinnen und Bürger drängen, und denjenigen, die vor Russlands möglichen politischen Hintergedanken warnen.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bezeichnete am Montag die Entscheidung einiger EU-Mitgliedsstaaten, dem russischen Impfstoff Sputnik V einseitig die Marktzulassung zu erteilen, bevor er auf EU-Ebene zugelassen wird, als „russisches Roulette“.

Donald Tusk, der Chef der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP), hatte bereits zuvor sein Heimatland Polen und den Rest der EU dazu aufgerufen, angesichts der potenziellen Absichten Russlands und China „nicht naiv“ zu sein, wenn diese ihre Impfstoffe in Europa anbieten.

Auf Nachfrage von EURACTIV.com, ob die EU-Institutionen auch die möglichen politischen Implikationen einer Zulassung von Sputnik V in Betracht ziehen werden, betonte der Chefsprecher der Europäischen Kommission, Eric Mamer, die EMA konzentriere sich ausschließlich auf gesundheitliche Bedenken: „Das ist das Einzige, was wir als verantwortungsbewusste öffentliche Organisation berücksichtigen können und dürfen, wenn wir einen Impfstoff prüfen.“

[Bearbeitet von Sarantis Michalopoulos und Josie Le Blond]