Scharfe Kritik von SPD-Chef Müntefering an den Banken

SPD-Chef Franz Müntefering übt harsche Kritik an den Banken: „Die eigentliche Krankheit des ganzen Systems“ sei die Kurzatmigkeit der Boni-Systeme etwa der Deutschen Bank. Das Denken von Deutsche-Bank-Chef Ackermann sei moralisch zweifelhaft und gesellschaftlich verantwortungslos, sagte Müntefering in einem Gespräch mit Korrespondenten in Berlin.

Foto: SPD
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SPD-Chef Franz Müntefering übt harsche Kritik an den Banken: „Die eigentliche Krankheit des ganzen Systems“ sei die Kurzatmigkeit der Boni-Systeme etwa der Deutschen Bank. Das Denken von Deutsche-Bank-Chef Ackermann sei moralisch zweifelhaft und gesellschaftlich verantwortungslos, sagte Müntefering in einem Gespräch mit Korrespondenten in Berlin.

„Ökonomischer Erfolg ist wichtig. Schwarze Zahlen sind gut. Das sichert Arbeitsplätze“, sagte SPD-Vorsitzende Franz Müntefering. „Aber das darf nicht nur heute gut sein, sondern muss auch morgen und übermorgen gut sein.“

Wirtschaft funktioniere nur, wenn sie in mittlerer Distanz gut sei.

„Die Kurzatmigkeit, dass in Deutschland bei der Deutschen Bank exorbitante Boni gezahlt werden für kurzfristige Gewinne, ist die eigentliche Krankheit des ganzen Systems.“

Es sei krank, dass nicht mehr darauf geachtet werde, was ein normaler, ein guter Unternehmer zu tun habe. „Der weiß, er muss im Schnitt die nächsten fünf oder zehn Jahre – rauf und runter – gut bleiben. Er muss vorausdenken, investieren, verändern, er muss forschen und entwickeln.“

Der könne sich nicht, wenn er ein gutes Jahr oder ein halbes gutes Jahr gehabt hat, so kurzatmig verhalten wie die Deutsche Bank und deren Chef Josef Ackermann.

Müntefering rechnete im Gespräch mit Korrespondenten in Berlin vor: „Im Jahr 2007 hat die Deutsche Bank einen Gewinn von 29,2 Prozent auf die Eigenkapitaleinlagen gehabt. Der Chef der Bank hat als Lohn rund 1,2 Millionen und als Boni 12,8 Millionen verdient. Im Jahr 2008 hat dieselbe Bank vier Milliarden Miese. Aber keine Mali!“ Und nun sage derselbe Chef der Deutschen Bank wieder, unverändert wie vor der Krise, er möchte in diesem Jahr 25 Prozent Gewinn auf die Eigenkapitaleinlagen haben.

„Ich find das intellektuell schwierig, aber auch moralisch unverantwortlich“, sagte Müntefering. „In einer Situation, wo 500.000 Menschen in Kurzarbeit sind, wo sie Angst haben um ihre Spareinlagen, sagt er, Ackermann: Ich hätte gerne 25 Prozent Gewinn. Und die werden schon einen Weg finden, das zu erreichen. Ich hab Zweifel daran, dass eine solche Denke, die sich jenseits von gesellschaftlicher Verantwortung bewegt, Gutes bringt.“

Als Konzept schlug der Wahlkämpfer vor: „Getreu der sozialdemokratischen Idee: sozial und demokratisch, das bedeutet soziale Marktwirtschaft, das bedeutet auch Sozialstaat, auch Sozialpartnerschaft. Es ginge der Welt ganz gut, wenn wir das hätten, was wir in Deutschland über einige Jahre und Jahrzehnte – zwar nicht perfekt, aber doch hinreichend – erreicht haben. Auch in anderen Ländern übrigens, zum Beispiel Skandinavien.“

Jetzt müsse jedes Land für sich und müssten alle miteinander diese Regeln finden. „Es muss was Neues geschaffen werden. Das ist die Aufgabe dieser Zeit und ihrer Generation.“

Ewald König

Hintergrund:

Der gebürtige Schweizer Josef Ackermann führt die Deutsche Bank seit acht Jahren als Vorstandsvorsitzender. Der 2010 auslaufende Vertrag des 61-Jährigen Bankers wurde soeben bis 2013 verlängert. Seine Renditevorgabe von 25 Prozent auf das Eigenkapital steht vielfach in Kritik.

Ackermann räumte vor den Aktionären auf der jüngsten Hauptversammlung in Frankfurt am Main ein, dass die Banken Fehler gemacht hätten. „Zum Teil sogar sehr schwere Fehler. Risiken wurden falsch eingeschätzt oder teilweise übersehen. Finanzprodukte waren vielfach zu kompliziert und intransparent“, sagte er. Jetzt gelte es, aus den Fehlern zu lernen.