Schlechter Start für die Europaabgeordneten des Front National

Der Front National (FN) stellt die größte französische Gruppe im Europaparlament. Es könnte sich jedoch als schwierig erweisen, die rechtsextreme Partei in das neu gewählte Parlament zu integrieren. EURACTIV Frankreich berichtet.

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Nicolas Bay stellte sich als einziger von 24 FN-Abgeordneten den Fragen der Presse. Foto: Euractiv.fr
Nicolas Bay stellte sich als einziger von 24 FN-Abgeordneten den Fragen der Presse. Foto: Euractiv.fr

Der Front National (FN) stellt die größte französische Gruppe im Europaparlament. Es könnte sich jedoch als schwierig erweisen, die rechtsextreme Partei in das neu gewählte Parlament zu integrieren. EURACTIV Frankreich berichtet.

Schon der Tag vor der Wahl stellte den FN vor logistische Probleme. Man hatte nicht erwartet, dass drei Kandidaten aus der Region Île-de-France in das Europaparlament gewählt würden. Eine Quelle aus dem FN-Umfeld fragt sich: „Die Europaabgeordneten aus Île-de-France haben Büros in Paris? Wo?“ Das Büro des Europaparlaments in Frankreich hat geteilte Büroräume in der Nähe der Nationalversammlung in Paris vorgeschlagen. Dort arbeiten bereits einige Abgeordnete der Sozialistischen Partei und der Zentrumspartei aus Île-de-France. Die FN-Abgeordneten scheinen die Atmosphäre dort jedoch nicht zu mögen. 

Glaubwürdigkeitsprobleme

Am Morgen nach der Wahl begannen die FN-Europaabgeordneten ihre Amtszeit, indem sie dem Pressebriefing fernblieben. Nur ein Abgeordneter war anwesend. Zwei der sechs französischen Grünen und vier der acht Abgeordneten des Zentrumsbündnisses waren da. Der anwesende FN-Abgeordnete Nicolas Bay wurde von Abgeordneten der anderen Parteien mit Fragen konfrontiert, die die Ehrlichkeit seiner Parteifreunde anzweifelten. Einige FN-Abgeordnete haben Mehrfachmandate inne. Auch gibt es Unregelmäßigkeiten bei der Bezahlung von Marine Le Pens Assistenten Michel Aliot. Darauf verweisend sagte der Europaabgeordnete Jean-Marie Cavada: „Wir haben ein Auge auf Ihre Ehrlichkeit.“ 

In zwei Fällen bekommen die Wähler nicht die Kandidaten, die sie gewählt haben. Die Nummer zwei der Liste der Region Massif Central, Jeanne Pothain, musste aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten. Jöelle Bergeron, Listenzweitplatzierte in der Region West, ist die zweite Kandidatin, die durch einen Mann ersetzt wurde. Die Gründe für ihr Ausscheiden sind allerdings inhaltlicher Natur. Sie hat sich für die Wahlbeteiligung von Ausländern ausgesprochen und wurde deshalb zum Rücktritt gedrängt. „Ich weiß nicht, was die Position des FN dazu ist und es interessiert mich nicht. Ich persönlich befürworte, dass ein Ausländer, der in Frankreich arbeitet und Steuern zahlt, auch wählen darf“, sagte sie während des Wahlkampfs.

Über der Île-de-France abgeworfen

Die FN-Europaabgeordneten der Île-de-France, die kein Büro haben, sind also nicht das einzige Problem der Partei. Bei ihnen kommt jedoch erschwerend hinzu, dass sie nicht einmal in der Region wohnen. Die Nummer eins der Wahlliste, Aymeric Chauprade, hat bis jetzt in Wien gelebt. Marie-Christine Boutonnet, die Nummer zwei, stammt aus dem südfranzösischen Gaillac. Der Listendrittplatzierte Jean-Luc Schauffhauser kommt aus Straßburg, wo er für die Gemeinderatswahlen kandidierte. Florian Philippot, die Nummer eins der Wahlliste der Nordost-Region, die auch das Elsass umfasst, entfernte ihn nach Meinungsverschiedenheiten aus dieser Wahlliste.

Insbesondere Chauprade kommt eine wichtige Rolle zu. Er ist für die internationalen Beziehungen der Partei zuständig und ist dementsprechend sehr beschäftigt, denn die Partei will die Mindestanforderungen zur Bildung einer Fraktion erfüllen und dafür braucht es Abgeordnete aus mindestens sieben Mitgliedsstaaten. Für heute ist eine Pressekonferenz mit Bündnispartnern aus Belgien, den Niederlanden und Österreich anberaumt.