Serbien kämpft mit Verdopplung der Mietpreise
Die Mietpreise in Serbien sind aufgrund des starken Zustroms russischer und ukrainischer Bürger:innen in astronomische Höhen getrieben worden. Viele Menschen im Land können sich die Miete nicht mehr leisten und müssen ihre Wohnung räumen.
Die Mietpreise in Serbien sind aufgrund des starken Zustroms russischer und ukrainischer Bürger:innen in astronomische Höhen getrieben worden. Viele Menschen im Land können sich die Miete nicht mehr leisten und müssen ihre Wohnung räumen.
Viele Mieter:innen kritisieren, die Vermieter:innen würden „Kriegsgewinne“ einstreichen, indem sie die Situation nutzen, um Mieten teils auf mehr als das Doppelte zu erhöhen.
Milan Ivanović gehört zu den langjährigen Mieter:innen, die gezwungen wurden, auszuziehen, damit sein Vermieter an russische Staatsangehörige vermieten konnte, die mehr zahlten. Milan Ivanović hatte für eine Wohnung in der Belgrader Innenstadt 280 Euro pro Monat bezahlt, doch der Vermieter verlangte plötzlich 400 Euro.
„Er sagte mir, dies sei ein ‚freundlicher‘ Preis, da ich seit Jahren bei ihm zur Miete wohne, und dass er von Russ:innen viel mehr Geld bekommen könne“, so Ivanović gegenüber EURACTIV Serbien.
„Ich beschloss, trotzdem auszuziehen, weil ich auf menschlicher Ebene beleidigt war. Am Tag bevor ich ausziehen sollte, forderte mich der Vermieter auf, sofort auszuziehen, damit eine russische Familie einziehen konnte. Ich habe die neuen Mieter:innen mit eigenen Augen gesehen, sie kamen vorbei und erkundigten sich nach Möbeln, dem Einzug und anderen Details“, fügte er hinzu.
„Ich musste eine andere Wohnung mieten, für die ich jetzt 400 Euro zahle, obwohl sie nur halb so groß ist wie die vorherige. Die Preise sind lächerlich“, sagte IIvanović.
Filip Vrbaški von der Immobilienagentur Gigant erklärte gegenüber EURACTIV, dass die Mietpreise um 100 Prozent gestiegen seien. Eine 64 Quadratmeter große Ein-Zimmer-Wohnung in Neu-Belgrad werde nun für 700 Euro pro Monat vermietet, im Vergleich zu nur 350 Euro im Vorjahr.
Die meisten russischen und ukrainischen Staatsbürger:innen in Serbien – zumeist jüngere, berufstätige Menschen und Familien – hätten einjährige Mietverträge unterzeichnet, um ihren Aufenthalt im Land formell zu regeln, so Vrbaški. Seine Agentur hatte zu Beginn des Krieges vor allem mit Ukrainer:innen zu tun, in letzter Zeit seien die meisten seiner Kund:innen jedoch aus Russland gekommen, fügte er hinzu.
Von den russischen und ukrainischen Mieter:innen in Belgrad befinden sich laut Nikola Savić von der Immobilienagentur City Expert 90 Prozent im Stadtzentrum. Ähnlich verhalte es sich in den Städten Niš und Novi Sad.
„Für sie ist es wichtig, dass sie an einem sicheren Ort wohnen, dass die Wohnung voll ausgestattet ist“, sagte Savić gegenüber EURACTIV Serbien. Er fügte hinzu, dass „eine gute Internetgeschwindigkeit von entscheidender Bedeutung ist, da die meisten von ihnen von zu Hause aus arbeiten.“
Obwohl die Zahl der Ukrainer:innen und Russ:innen in Serbien leicht zurückgegangen ist, wollen die Wohnungseigentümer:innen die Mieten nicht senken, da sie nach zwei großen Zuzügen ukrainischer und russischer Bürger:innen im letzten Jahr nun wahrscheinlich auf eine weitere große Ankunftswelle setzen, die laut Vrbaški im Land erwartet wird.
„Zwischen den beiden Ankünften gab es weniger Nachfrage, und die Preise stagnierten. Die Vermieter:innen warten derzeit geduldig auf die erwartete dritte Ankunftswelle und sind daher nicht bereit, die Preise zu senken“, so Vrbaški gegenüber EURACTIV.
Dies würde bedeuten, dass bis dahin die einheimischen Mieter:innen mit deutlich höheren Mieten konfrontiert sind.