Sofia beruft nordmazedonische Botschafterin nach Schüssen ein

Das bulgarische Außenministerium hat die Botschafterin Nordmazedoniens, Agneza Rousi-Popovska, nach der Schießerei im bulgarischen Kulturklub Zar Boris III. in Ohrid einbestellt und darauf hingewiesen, dass die wiederholte Gewalt der letzten Monate Straffreiheit schafft,

EURACTIV.bg
Protest against the opening of the ‚Tsar Boris III association‘ in Ohrid
epa10228927 Police officers stand guard during a protest against the opening of the 'Tsar Boris III association' in Ohrid, Republic of North Macedonia, 07 October 2022. The association was opened amid a bitter and ongoing dispute over history and identity between North Macedonia and Bulgaria, and named after Tsar Boris III of Bulgaria, a ruler who led Bulgaria into a wartime alliance with Nazi Germany and virtually wiped out the Macedonian Jewish community. The Jewish community said it was deeply offended and left leaning political parties have called on a protest. EPA-EFE/GEORGI LICOVSKI [EPA-EFE/GEORGI LICOVSKI]

Das bulgarische Außenministerium hat die Botschafterin Nordmazedoniens, Agneza Rousi-Popovska, nach Schüssen auf den bulgarischen Kulturklub Zar Boris III. in Ohrid einbestellt.

Zuletzt hatte ein unbekannter Angreifer Steine auf den Club geworfen und dabei Glas und einen Teil der Leuchtreklame zerstört. Tage später eskalierte die Situation, als eine Schusswaffe auf das Gelände abgefeuert wurde.

Der Name ‚Zar Boris III‘ wird in Nordmazedonien als Provokation empfunden. Die jüdische Gemeinde und der Fonds für den Holocaust an den Juden Mazedoniens betonen, dass die Bezeichnung Nazismus und Faschismus verherrlicht.

Das bulgarische Außenministerium verurteilte den schweren kriminellen Akt in einer Protestnote.

„Wir nehmen die Reaktion des Außenministeriums von Nordmazedonien zur Kenntnis, aber wir akzeptieren kategorisch nicht, dass solche schweren kriminellen Handlungen als Vandalismus definiert werden“, heißt es in der bulgarischen Stellungnahme weiter.

„Es bedarf größerer und ernsthafter konsequenter Anstrengungen, um die Verpflichtungen in Bezug auf den Schutz und die Gewährleistung der Menschenrechte zu erfüllen, die zu den Hauptkriterien auf dem Weg des Beitritts der Republik Nordmazedonien zur EU gehören“, erklärte der stellvertretende Minister und Sprecher des Außenministeriums Kostadin Kojabaschew während der regelmäßigen wöchentlichen Besprechung des Ministeriums.

In dem Protestbrief, heißt es, dass die wiederholten Beispiele eskalierender Gewalt in den letzten Monaten in der Praxis zeigen, dass das systematische Fehlen gezielter und angemessener Maßnahmen ein Gefühl der Straflosigkeit schafft und die Vermehrung von Hassverbrechen gegen Bulgaren in Nordmazedonien fördert, fügte Kodjabashev hinzu.

Außenminister Nikolay Milkov, der sich derzeit in Barcelona aufhält, sprach mit seinem mazedonischen Amtskollegen Bujar Osmani und brachte dabei die anhaltende Eskalation deutlich zur Sprache. Osmani sagte zu, die Vorfälle so schnell wie möglich aufzuklären.

„Solche Ereignisse sind völlig inakzeptabel, sie können Menschenleben gefährden und rückschrittliche Prozesse verstärken, die im Widerspruch zur europäischen Integration des Landes stehen“, erklärte das nordmazedonische Außenministerium.

Bulgarien blockiert seit Längerem den EU-Beitritt Nordmazedoniens – auch mit Verweis auf etwaige Diskrimination gegenüber der bulgarischen Minderheit im Land.

Von der parlamentarischen Tribüne aus hat Kostadin Kostadinow, Vorsitzender der populistischen pro-russischen Partei Vazrazhdane, der sich grundsätzlich gegen EU und NATO ausspricht, die Regierung aufgefordert, „die Frage der Angriffe auf bulgarische Clubs in Nordmazedonien dringend auf höchster Ebene zur Diskussion in der Europäischen Union zu stellen.“

Denn „der Angriff mit einer Schusswaffe auf den bulgarischen Club ‚Zar Boris III‘ in Ohrid ist kein Angriff gegen Bulgarien, sondern gegen die EU und vielleicht in gewissem Sinne auch ein Angriff gegen die NATO“, sagte er.

Der nordmazedonische Premierminister Dimitar Kovachevski kommentierte, dass der Name des Clubs – „Zar Boris III‘ – eine arge Provokation sei.

„Schon bei der Eröffnung dieser Clubs habe ich gesagt, dass die dafür gewählten Namen nur eine Provokation darstellen können… Die Idee war, Kultur- und Informationsclubs zu eröffnen, die die Bürger beider Länder einander näher bringen, und nicht Clubs, die bei den Bürgern negative Emotionen hervorrufen“, sagte er.

Zudem habe er die Bürger:innen bereits aufgefordert, sich als EU-Beitrittskandidat, mit Würde und nach europäischen Kriterien zu behandeln.

Während der Herrschaft von Boris III. wurden fast 50.000 Jüd:innen aus dem Gebiet des heutigen Bulgariens gerettet, aber weitere 11.343 Juden aus den sogenannten „neuen Ländern“ – Belomorie, Vardar Mazedonien und Pirot, die von Bulgarien mit dem Segen Nazideutschlands annektiert wurden, wurden in Konzentrationslager in Polen deportiert.