Spanische Präsidentschaft enthüllt ‚unkontroverse’ Kunstinstallation [DE]

Der spanische Künstler Daniel Canogar wird heute (5. Januar) im Atrium des EU-Ratsgebäudes Justus Lipsius seine ‚unkontroverse’ künstlerische Installation enthüllen, welche die rotierende EU-Präsidentschaft seines Landes in den kommenden sechs Monaten begleiten wird.

Der spanische Künstler Daniel Canogar wird heute (5. Januar) im Atrium des EU-Ratsgebäudes Justus Lipsius seine ‚unkontroverse’ künstlerische Installation enthüllen, welche die rotierende EU-Präsidentschaft seines Landes in den kommenden sechs Monaten begleiten wird.

Durch die Aufstellung eines gewaltigen Kunstwerks im Ratsgebäude treten die spanischen Organisatoren teilweise in die Fußstapfen der tschechischen Präsidentschaft (die in der ersten Jahreshälfte 2009 stattfand), die ein vier Tonnen schweres Artefakt von David Cerny mit dem Titel ‚Entropa’ ausstellte. Die tschechische Skulptur hatte in EU-Kreisen für Aufsehen gesorgt sowie einen diplomatischen Protest von Bulgarien ausgelöst (EURACTIV vom 15. Januar 2009).

Entropa stellte Bulgarien als türkische Toilette dar und Italien als einen Fußballplatz, auf dem Spieler anscheinend masturbierten. Deutschland war von Autobahnen in Form eines Hakenkreuzes durchschnitten und Litauen zeigte Figuren im Stil von Maneken Pis, die anscheinend auf Russland urinierten. Im Vergleich dazu wird das spanische Kunstwerk, das von EURACTIV in der Lobby des Justus-Lipsius-Gebäudes gesehen wurde, wahrscheinlich keinen Streit auslösen.

Canogars Arbeit mit dem Titel ‚Travesías’ (Durchquerungen) ist eine Videoinstallation, in der sich Bilder durch eine arabeske teppichähnliche Struktur aus Leuchtdioden (LEDs) bewegen. Die Bilder, die in unterschiedliche Abschnitte eingeteilt sind, bewegen sich durch diese Schicht. Ein vollständiger Durchgang dauert 18 Minuten.

Das Video zeigt Männer, Frauen und Kinder bei unterschiedlichen Aktivitäten: Sie gehen durch den elektrischen Teppich, klettern darauf, säubern ihn, holen Gepäck ab.

Im Gespräch mit EURACTIV erzählte Daniel Canogar, dass er klar versuche, Referenzpunkte für nationale Symbole zu vermeiden. Er bevorzuge stattdessen Interpretationen seiner Arbeit, die keine nationalen Farben beinhalteten.

„Ich wollte eine enge patriotische Deutung vermeiden”, sagte Canogar.

Das Werk könne auf unterschiedliche Weise aufgefasst werden: „Einerseits spiegelt es auf dynamische, fast abenteuerliche Weise die Menschen wider, die durch das Atrium des Justus-Lipsius-Gebäudes gehen.“

Andererseits, „wenn man die Bedeutung des Wortes ‚travesías’ auf Spanisch berücksichtigt, bedeutet dies nicht einfach nur eine Durchquerung, sondern auch eine Reise. Das wäre die wörtlichste Bedeutung. Die Europäische Union ist ein Experiment, das wir alle aus erster Hand erfahren haben, um dramatische Veränderungen in einer kurzen Zeit zu vermeiden“, sagte er.

Canogar zufolge befindet sich die Union derzeit in einer Übergangsphase. „In dem Werk wird es als etwas dargestellt, das Anstrengungen erfordert: Menschen klettern, ziehen, sie treffen auf Hindernisse, die sie überwinden müssen – aber das Video hat auch Momente des Glücks“, sagte der Künstler.