Spionagevorwürfe: Albanien will russischen Instagram-Künstlerin ausliefern

Das albanische Justizministerium will die russische Fotografin Swetlana Timofejewa ausliefern. Sie wurde im August 2022 unter dem Vorwurf der Spionage verhaftet. Ihr Verteidigung fürchtet, dass ihr in Russland Menschenrechtsverletzungen drohen.

exit.al
Law,And,Justice,In,Albania.,Albania,Flag,With,Themis.
Timofejewa wurde zusammen mit zwei anderen Personen beim Betreten geschlossener Militäreinrichtungen aus der kommunistischen Ära erwischt, als Albanien noch eng mit der Sowjetunion verbunden war. Sie wurde wegen Spionage angeklagt und wird auch in Russland wegen ähnlicher Vorwürfe gesucht. [Shutterstock/Osman Bugra Nuvasil]

Das albanische Justizministerium will die russische Fotografin Swetlana Timofejewa ausliefern. Sie wurde im August 2022 unter dem Vorwurf der Spionage verhaftet. Ihr Verteidigung fürchtet, dass ihr in Russland Menschenrechtsverletzungen drohen.

Timofejewa wurde zusammen mit zwei anderen Personen beim Betreten geschlossener Militäreinrichtungen aus der kommunistischen Ära erwischt. Sie wurde wegen Spionage angeklagt und wird auch in Russland wegen ähnlicher Vorwürfe gesucht.

„Das Justizministerium hat das Auslieferungsersuchen der genannten Person bearbeitet, wobei die Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation in ihrer Eigenschaft als zentrale Behörde Garantien dafür gegeben hat, dass das Auslieferungsersuchen nicht darauf abzielt, die Person aus politischen Gründen, aufgrund ihrer Rasse, Religion, Nationalität oder politischen Ansichten zu verfolgen“, so das Justizministerium gegenüber BIRN.

Timofejewa hatte dem Gericht Anfang Februar erklärt, sie habe sich von ihrem Mann scheiden lassen und Russland wegen ihrer Ansichten über den Einmarsch Russlands in der Ukraine verlassen. Sie sagte, dass diese Ansichten sie der politischen Verfolgung aussetzen würden, und sie äußerte den Wunsch, in Albanien zu bleiben.

Trotz der Proteste ihres Rechtsvertreters wird sie nun das Auslieferungsverfahren durchlaufen und nach Russland zurückgeschickt werden.

Ihr Anwalt Isuf Shehu erklärte, es bestünden Bedenken, dass die Behauptungen des russischen Generalstaatsanwalts nicht der Wahrheit entsprächen und dass ihr bei einer Rückkehr Menschenrechtsverletzungen drohten.

„Das Justizministerium muss unbedingt überprüfen, ob die Aussagen der zuständigen Institution des ersuchenden Staates, also der Generalstaatsanwaltschaft, der Wahrheit entsprechen oder nicht“, so Shehu.

Es wurden auch Bedenken hinsichtlich der Zusammenarbeit mit dem Land angesichts der EU- und US-Sanktionen und des anhaltenden Krieges geäußert.

Das albanische Justizministerium erklärte gegenüber BIRN: „Die Zusammenarbeit im Bereich der Justiz hat nichts mit Strafmaßnahmen zu tun, die ausschließlich politischer und wirtschaftlicher Natur sind.“ Das Ministerium fügte hinzu, dass es die entsprechenden Gesetze bezüglich der Auslieferung „buchstabengetreu“ befolgt habe.

Timofejewa hat zwei Bücher veröffentlicht und eine große Fangemeinde in den sozialen Medien aufgebaut. Ihre Kunst konzentriert sich auf Fotos von Fabriken und dergleichen der ehemaligen Sowjetunion, der von ihr betriebene Instagram-Account hat 250,000 Abonnenten.

Sie wurde in Albanien verhaftet, nachdem sie eine heruntergekommene Waffenfabrik südlich von Tirana betreten hatte, in der einst AK-47 hergestellt wurden.

Bei den Ermittlungen fand die Polizei Kameras, Drohnen, Telefone, Landkarten und Bargeld. Die Behörden wurden noch misstrauischer, als einer von Timofejewas Mitarbeitern Pfefferspray auf zwei Wachleute sprühte, als diese entdeckt wurden.

Die drei Verdächtigen befinden sich nach wie vor in Haft und streiten alle Vorwürfe gegen sie ab.