Tallinn wird "Grüne Hauptstadt Europas"

Die estnische Hauptstadt Tallinn hat die Auszeichnung "Grüne Hauptstadt Europas 2023" für ihr Engagement zur Verringerung der CO2-Emissionen, zur Wiederherstellung der biologischen Vielfalt sowie zur Förderung grüner Innovationen und einer nachhaltigen Verwaltung erhalten.

Euractiv.com
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Der Titel "Grüne Hauptstadt Europas" wurde dem Bürgermeister von Tallinn, Mihhail Kõlvart, von EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius während einer Zeremonie am Samstag (21. Januar) überreicht.  [<a href="https://www.shutterstock.com/fr/g/olgacov" target="_blank" rel="noopener">Shutterstock / kavalenkava</a>]

Die estnische Hauptstadt Tallinn hat die Auszeichnung „Grüne Hauptstadt Europas 2023“ für ihr Engagement zur Verringerung der CO2-Emissionen, zur Wiederherstellung der biologischen Vielfalt sowie zur Förderung grüner Innovationen und einer nachhaltigen Verwaltung erhalten.

Der Titel „Grüne Hauptstadt Europas“ wurde dem Bürgermeister von Tallinn, Mihhail Kõlvart, von EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius während einer Zeremonie am Samstag (21. Januar) überreicht.

Die Auszeichnung ist mit einem Scheck über 600.000 Euro verbunden, die für den Nachhaltigkeitsplan der Stadt, die Verbesserung von Abfall, Wasser, Luftqualität, Lärm, Biodiversität und Boden ausgegeben werden sollen.

„Wir haben sehr hart für diese Auszeichnung gearbeitet, aber es gibt noch viel zu tun“, sagte Tallinns Bürgermeister Kõlvart am Freitag (20. Januar) vor Journalist:innen.

„Ich bin der festen Überzeugung, dass die Grünen Hauptstädte Europas eine Führungsrolle bei der Schaffung nachhaltiger, widerstandsfähiger und integrativer Städte der Zukunft übernehmen müssen, um ein qualitativ hochwertiges Lebensumfeld als Schlüssel zu einer ausgewogenen und nachhaltigen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zu gewährleisten“, erklärte er.

Zu den Eröffnungsveranstaltungen der Grünen Hauptstadt Europas, die am Wochenende stattfanden, kamen Vertreter:innen von 57 Städten und Gemeinden aus mehr als 20 Ländern nach Tallinn, darunter acht Bürgermeister:innen.

Die estnische Hauptstadt plant für 2023 im Rahmen des Programms „Grüne Hauptstadt“ Aktivitäten zum Thema Umwelt für alle Einwohner:innen Tallinns und ausländische Besucher:innen, darunter über 60 Veranstaltungen.

Grüne Technologie und biologische Vielfalt

Die Idee einer Auszeichnung als Grüne Hauptstadt Europas wurde 2006 in Tallinn geboren, und seit 2010 wird jedes Jahr eine europäische Stadt ausgewählt. Die Auszeichnung wird an eine Stadt verliehen, die durchgängig hohe Umweltstandards erreicht und sich ehrgeizige Ziele für weitere Umweltverbesserungen und eine nachhaltige Entwicklung gesetzt hat.

„Europa steht in vielerlei Hinsicht vor großen Herausforderungen in Bezug auf seine Nachhaltigkeit, von der Luft, die wir atmen, über das Wasser, das wir trinken, bis hin zu den Abfällen, die wir erzeugen, und der biologischen Vielfalt, auf die wir angewiesen sind“, erklärte Sinkevičius. Er fügte hinzu, dass grüne Hauptstädte Lösungen mit anderen Städten teilen sollten, denn „keine Stadt hat alle Antworten, aber viele Städte können gemeinsam einen echten Unterschied machen.“

Die vier wichtigsten Pläne, die Tallinn zum Sieg verhalfen, waren die Verbesserung der Energieeffizienz und des Innenraumklimas von Gebäuden, die allgemeine Reduzierung der CO2-Emissionen, die Erhöhung der biologischen Vielfalt in der Stadt und Maßnahmen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft.

Das Engagement Tallinns für grüne Technologien und biologische Vielfalt zeigt sich in den zahlreichen Initiativen, die die Stadt vorantreibt.

Ein Beispiel dafür ist Ülemiste City, ein zukunftsorientiertes städtisches Umfeld für aktive junge Menschen, das 2005 gegründet wurde und in dem 14.000 Talente aus mehr als 73 Ländern arbeiten, studieren und leben.

Nahezu 500 Unternehmen sind in Ülemiste tätig und nutzen Smart-City-Technologien, um ein wissensbasiertes Arbeits- und Lebensumfeld zu schaffen, das die Wettbewerbsfähigkeit von Menschen und Unternehmen fördert und die Entstehung neuer Geschäftsmodelle inspiriert.

Die Stadt experimentiert auch mit selbstfahrenden, unbemannten Lieferfahrzeugen sowie mit intelligenten Gebäudelösungen, dank einer Partnerschaft mit R8 technologies, einem Unternehmen, das intelligente Energiekontrollsoftware für Gebäude anbietet.

Im Bereich der biologischen Vielfalt entwickelt Tallinn derzeit eine „Bestäuberautobahn“, die durch sechs Stadtteile führt. Die Autobahn wird auch ein grüner Transportkorridor für Schmetterlinge, Hummeln, Bienen und andere Tiergruppen sowie für Menschen sein.

„Tallinn hat mehr als 2.100 Hektar geschützte Gebiete – Naturschutzgebiete, geschützte Parks und sogar eine Insel“, sagte Vladimir Svet, Tallinns Vizebürgermeister für Umwelt und Stadtentwicklung.

„Tallinn ist auch eine der wenigen Hauptstädte, die ihr eigenes Moor haben. Und wahrscheinlich die einzige, in der schottische Hochlandrinder Angestellte der Stadt sind. Dies ist nur eines unserer vielen Projekte zur Wiederherstellung und zum Schutz der Artenvielfalt der Küstenwiesen“, erklärte er.

Grenoble übergibt den Staffelstab

Éric Piolle, der Bürgermeister von Grenoble, der die Auszeichnung für 2022 innehatte, nahm ebenfalls an der Übergabezeremonie teil.

Die französische Stadt Grenoble wurde zur Grünen Hauptstadt 2022 gewählt und schlug damit Turin, Tallinn und Dijon, die anderen Finalisten, dank des Pioniercharakters ihrer Maßnahmen zugunsten des ökologischen Übergangs.

Der Gewinn dieser Auszeichnung habe sich positiv auf die Stadt ausgewirkt, sagte Piolle gegenüber EURACTIV.

„Es macht die Menschen stolz auf das, was sie bisher getan haben. Anerkennung ist der Schlüssel, um den Wandel weiter zu beschleunigen“, sagte Piolle. Der Gewinn des Preises habe alle Beteiligten hinter einem gemeinsamen Ziel vereint, von akademischen Führungskräften über den Sportsektor bis hin zu Kultur und Institutionen.

Um die ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen, müsse jedoch noch viel getan werden, so der Bürgermeister, vor allem in Bezug auf saubere Luft und biologische Vielfalt.

„Wir haben die Luftverschmutzung in den letzten 10 Jahren bereits um 30 bis 50 Prozent reduziert, je nach Schadstoff, aber wir wollen die Ziele der Weltgesundheitsorganisation bis 2030 erreichen. Das würde einen weiteren großen Schritt bedeuten“, so Piolle.

Und Grenoble bleibt nicht dabei stehen. Die Stadt, die in einem Tal liegt und immer wieder unter Spitzenwerten der Luftverschmutzung leidet, führt derzeit eine Umweltzone ein und versucht, Maßnahmen zu ergreifen, die den Bürger:innen helfen sollen, ihr Verhalten zu ändern, indem sie auf das eigene Auto verzichten und auf nachhaltigere Verkehrsmittel umsteigen.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]