Tausende protestieren in Bulgarien gegen Abhängigkeit von russischem Gas

Tausende von Menschen haben am Mittwoch in Bulgarien anlässlich des ukrainischen Unabhängigkeitstags gegen die Absicht der geschäftsführenden Regierung protestiert, Verhandlungen mit Gazprom aufzunehmen.

EURACTIV.bg
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Die Demonstration in Sofia begann vor dem Gebäude der Präsidentschaft, da Präsident Rumen Radew die geschäftsführende Regierung ernannt und die Richtung ihrer Politik vorgegeben hat. [Shutterstock/Marko Aliaksandr]

Tausende von Menschen haben am Mittwoch in Bulgarien anlässlich des ukrainischen Unabhängigkeitstags gegen die Absicht der geschäftsführenden Regierung protestiert, Verhandlungen mit Gazprom aufzunehmen.

Die Demonstration in Sofia begann vor dem Gebäude der Präsidentschaft, da Präsident Rumen Radew die aktuelle geschäftsführende Regierung ernannt und die Leitlinien ihrer Politik vorgegeben hat.

Die proeuropäische Koalition Demokratisches Bulgarien unterstützte den Protest, der die Politik der Regierung als „nationalen Verrat“ bezeichnete.

Die Fraktion wirft der Regierung vor, die Abhängigkeit Bulgariens von Russland wiederaufzubauen, was „das Land unweigerlich in eine schwere Gaskrise“ führe.

Der bulgarische Protest gegen die Gasabhängigkeit vereinigte sich später am Abend mit dem friedlichen Marsch für Freiheit und Unabhängigkeit, der von ukrainischen Bürger:innen in Bulgarien organisiert wurde.

Die führenden Parteien in Bulgarien haben mitunter sehr unterschiedliche Positionen zu den Beziehungen zu Russland und zum russischen Gas.

Die Bulgarische Sozialistische Partei und die radikale prorussische Partei Vazrazhdane bestehen darauf, in Verhandlungen mit Russland einzutreten und sich auf Gaslieferungen zu einigen. Nur die Partei Demokratisches Bulgarien ist strikt dagegen.

Die beiden größten Parteien GERB und „Wir setzen den Wandel fort“ versuchen, angesichts der starken pro-russischen Einstellung, die fast die Hälfte der bulgarischen Bürger hat, vor den Wahlen eine flexible Politik zu betreiben.

Die Parlamentswahlen im Land finden am 2. Oktober statt. GERB besteht darauf, die Beziehungen zu Gazprom abzubrechen, will aber gleichzeitig in Verhandlungen mit dem russischen Gasmonopolisten treten, mit dem Bulgargaz einen gültigen Vertrag bis Ende des Jahres hat.

Die Partei „Wir setzen den Wandel fort“, die im Rahmen der Regierung von Kiril Petkow eine für bulgarische Verhältnisse radikale antirussische Politik verfolgte, hat nun jedoch das Narrativ gewechselt.

So will der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident Asen Vassilew, dass Bulgarien mit Gazprom verhandelt, wenn der Gaspreis günstig ist.