Trotz (oder wegen?) Zoll-Ängste: EU-Lebensmittelexporte in die USA im Hoch

Der Gesamtwert der EU-Lebensmittelexporte in die USA ist gestiegen und lag zuletzt bei mehr als 24 Milliarden Euro. Nun könnten aber die angedrohten US-Strafzölle auf europäische Waren folgen.

EURACTIV.com
International Food Exhibition Cibus 2012 in Parma
Heiße Ware: Der Verkauf von italienischen Käseprodukten in die USA ist in nur einer Woche sprungartig um 220 Prozent gestiegen. [<a href="https://webgate.epa.eu/?16634349628007773501&MEDIANUMBER=50332009" target="_blank" rel="noopener">EPA/PIER PAOLO FERRERI</a>]

Die neuesten Zahlen zum Lebensmittelhandel mit Daten bis Oktober 2019 bestätigen den positiven Trend der EU-Lebensmittelausfuhren in die USA – bevor bald die von der Trump-Regierung angekündigten Strafzölle eingeführt werden sollen.

Im Zwölfmonatszeitraum von November 2018 bis Oktober 2019 blieben die USA mit einem erneuten Anstieg der Exportwerte um 2,2 Milliarden Euro das wichtigste Ziel für europäische Lebensmittel und Getränkeprodukte. Der Gesamtwert dieser Ausfuhren belief sich auf 24,3 Milliarden Euro.

Es ist der zweitgrößte Wertzuwachs bei den EU-Exporten in diesem Zeitraum. Größer ist nur der Boom der Ausfuhren nach China aufgrund der sogenannten „Schweinefleischkrise“ in Folge des Ausbruchs der Schweinepest in Asien.

Eine ähnliche Entwicklung der Exporte in die USA war auch in den Vormonaten zu verzeichnen.

Der Anstieg könnte jedoch einer der letzten sein: Die US-Regierung hat Strafzölle auf EU-Lebensmittelprodukte angekündigt, nachdem die Welthandelsorganisation (WTO) im Sinne der USA über die EU-Subventionen für den europäischen Flugzeughersteller Airbus entschieden hatte.

Die Zölle sollen nach jüngsten Plänen Einfuhren von EU-Erzeugnissen im Wert von insgesamt 6,8 Milliarden Euro betreffen. Die Produktpalette reicht dabei von italienischem Käse über französischen Wein hin zu schottischem Whisky.

Die amerikanische Entscheidung für diese Zölle hat heftige Reaktionen in ganz Europa ausgelöst und droht, die Probleme in den ohnehin angespannten transatlantischen Handelsbeziehungen noch weiter zu verschärfen.

Mehr Exporte wegen der drohenden Zölle?

Auf Nachfrage von EURACTIV erklärten Experten der Landwirtschaftsorganisation COPA-COGECA, die faktischen Auswirkungen der drohenden US-Zölle würden vermutlich nur langsam sichtbar werden, da die meisten Exportverträge bereits Monate vor den entsprechenden Ankündigungen ausgehandelt worden seien.

Tatsächlich könnte die Zunahme der EU-Agrarexporte in die USA im vergangenen Jahr sogar als ein Nebeneffekt der Bekanntgabe der Zölle betrachtet werden: Laut Coldiretti, einer führenden Landwirtschaftsorganisation mit mehr als anderthalb Millionen Mitgliedern in Italien, boomte der Verkauf von italienischen Käseprodukten wie Parmigiano Reggiano und Grana Padano in die USA im Oktober 2019 weiter und verzeichnete einen Anstieg von 220 Prozent allein in der ersten Woche des Monats.

Der Grund für den Anstieg liege wahrscheinlich darin, dass die US-Konsumenten und -Gastronomen begonnen haben, sich präventiv mit Käse einzudecken, da sie einen Preisanstieg in den kommenden Monaten befürchten.

Die US-amerikanischen Gebühren für den Import von italienischem Käse würden nach Einführung der Zölle von derzeitig 2,15 Dollar pro Kilogramm auf etwa sechs Dollar steigen, so Coldiretti. Der US-Verband der Importeure von Milchprodukten schätzt, dass eine Lkw-Ladung Käse somit bis zu 800.000 Dollar mehr kosten würde.

EU will Einheit demonstrieren

Am 9. Januar traf der spanische Industrie- und Handelsminister Reyes Maroto in Brüssel mit EU-Handelskommissar Phil Hogan zusammen, um eine „entschlossene und energische“ Antwort auf die möglichen US-Zölle zu finden und zusätzliche Unterstützungsmaßnahmen für den Agrar- und Lebensmittelsektor in Europa zu fordern.

Hogan erklärte dem spanischen Minister, es scheine innerhalb der US-Regierung eine „gewisse Bereitschaft“ zu Verhandlungen zu geben. Wenn dies wirklich der Fall ist, „müssen wir diese Chance unbedingt nutzen“, drängte Maroto.

Sowohl Hogan als auch Maroto zeigten sich abschließend optimistisch, dass eine Verhandlungslösung gefunden werden könne. Schließlich wird ein weiterer WTO-Schiedsspruch die EU in wenigen Monaten ermächtigen, die USA ihrerseits mit Zöllen zu belegen, da Washington dem US-Flugzeughersteller Boeing ähnliche Staatsbeihilfen gewährt wie die EU-Staaten dem europäischen Unternehmen Airbus.

[Bearbeitet von Benjamin Fox und Tim Steins]

GD Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (DG AGRI), Europäische KommissionDieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung (Mitteilung) trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.