Türkei, Griechenland vertiefen Kooperation auf internationaler Ebene

Griechenland und die Türkei haben beschlossen, sich gegenseitig im UN-Sicherheitsrat und der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation zu unterstützen. Das soll eine neue Ära in den Beziehungen einleiten, nach jahrelangen Turbulenzen.

Euractiv.com
International Donors‘ Conference Together for the people in Türkiye and Syria
Nach dem schockierenden Erdbeben in der Türkei und der von Athen gezeigten Solidarität hätten sich die Dinge geändert. [EPA-EFE/OLIVIER HOSLET]

Griechenland und die Türkei haben beschlossen, sich gegenseitig im UN-Sicherheitsrat und der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation zu unterstützen. Das soll eine neue Ära in den Beziehungen einleiten, nach jahrelangen Turbulenzen.

Der griechische Außenminister Nikos Dendias und sein türkischer Amtskollege Mevlüt Çavuşoğlu trafen sich am Montag in Brüssel. Dabei einigten sie sich, dass Ankara die Kandidatur Athens für den Posten des nicht-ständigen Mitglieds des Sicherheitsrats in den Jahren 2025-26 und Athen die Bewerbung Ankaras für das Generalsekretariat der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) unterstützen wird.

Griechische Medien bezeichneten diesen Schritt als den Beginn einer „neuen Ära“ in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Zuvor waren die beiden Länder nahezu unversöhnlich im Streit.

Nach dem schockierenden Erdbeben in der Türkei und der von Athen gezeigten Solidarität hätten sich die Dinge jedoch geändert.

Die Türkei hat ihrerseits beschlossen, die Auslieferung des Vaters eines der Opfer des tödlichen Zugunglücks in Tempi zuzulassen, der in einem türkischen Gefängnis eine Strafe verbüßt.

Die griechische Nachrichtenwebsite in.gr berichtete, dass sich die politische Atmosphäre zwischen den beiden Ländern geändert hat und dass beide das informelle „Moratorium der Ruhe“ aufrechterhalten wollen.

Was die Kandidatur Griechenlands für den UN-Sicherheitsrat angeht, so galten die Türkei, ihre engen Verbündeten und Russland als potenzielle Bedrohung, um sie zu blockieren. Mit dieser Einigung glauben Quellen in Athen nun, dass eines der beiden Haupthindernisse überwunden wurde.

Das Spiel mit den Wahlen

In beiden Ländern werden später in diesem Jahr Wahlen abgehalten, und beide Regierungsparteien müssen um die Wiederwahl zittern.

In Ankara liegt Präsident Recep Tayyip Erdoğan vor den Präsidentschaftswahlen am 14. Mai hinter seinem Hauptgegner Kemal Kılıçdaroğlu zurück, der die Mitte-Links-Partei CHP und das zentristische Mehrparteien-Wahlbündnis Millet İttifakı anführt.

Kılıçdaroğlu liegt derzeit mit etwa 56 Prozent der Stimmen in Führung, während Erdoğan mit nur 44 Prozent zurückliegt, so der Durchschnitt der Umfragen von Europe Elects.

In Athen hatte das tödliche Zugunglück einen hohen politischen Preis für die regierende Partei Neue Demokratie (EVP). Jüngsten Umfragen zufolge befindet sich Mitsotakis in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Syriza-Chef (EU-Linke) Alexis Tsipras.

Schließlich gibt es in Athen Gerüchte, dass Außenministter Dendias Mitsotakis an der Parteispitze ersetzen will, sollte dieser einer Niederlage erleiden.

Dendias habe sich demnach absichtlich aus der laufenden Debatte über das Zugunglück herausgehalten, um nicht von dem politischen Schaden betroffen zu sein, den die Regierung derzeit erleidet.