Türkisch-Russischer Deal setzt Bulgarien unter Druck
Die Türkei und Russland haben einen Doppel-Deal zum Pipelinebau geschlossen: Die Türkei unterstützt das russische Gaspipeline-Projekt South Stream; Russland garantiert im Gegenzug die Erdölversorgung der türkischen Samsun-Ceyhan-Pipeline. Bisher hatte Russland dieses Projekt gemieden und stattdessen auf eine Ölpipeline über Bulgarien gesetzt.
Die Türkei und Russland haben einen Doppel-Deal zum Pipelinebau geschlossen: Die Türkei unterstützt das russische Gaspipeline-Projekt South Stream; Russland garantiert im Gegenzug die Erdölversorgung der türkischen Samsun-Ceyhan-Pipeline. Bisher hatte Russland dieses Projekt gemieden und stattdessen auf eine Ölpipeline über Bulgarien gesetzt.
Im Wettlauf um die Energieversorgung der Zukunft haben Russland und die Türkei ihre strategische Partnerschaft verstärkt. Die Türkei hatte im August grünes Licht für die russische Gaspipeline South Stream gegeben. Seit Montag ist nun Russland beim türkischen Ölpipeline-Projet Samsun-Ceyhan mit an Bord.
Die russischen Staatsunternehmen Transneft und Rosneft werden laut der Vereinbarung die erforderliche Erdölmenge für das Projekt von der türkischen Schwarzmeerküste (Samsun) an die Mittelmeerküste (Ceyhan) garantieren. Der italienische Energiekonzern Eni und die türkische Calik Holding sind ebenfalls an dem Projekt beteiligt.
Der russische Segen für dieses Ölpipeline-Projekt wird von Experten als Anerkennung für die türkische Unterstüzung beim Bau von South Stream gesehen. Die Türkei hat am Montag offiziell den Machbarkeitsstudien und geologischen Erkundungsarbeiten in den türkischen Hoheitsgewässern des Schwarzen Meeres zugestimmt. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin und der türkische Regierungschef Tayyip Erdogan hatten das bereits am 6. August in Ankara vereinbart.
Baubeginn für South Stream: 2010
Eni-Chef Paolo Scaroni kündigte im russischen Fernsehen an, dass bereits Ende 2010 mit dem Bau von South Stream begonnen werden könne. Die Machbarkeitsstudien sollten demnach bereits bis Anfang kommenden Jahres abgeschlossen sein.
Die 900 Kilometer lange Erdgaspipeline soll auf dem Boden des Schwarzen Meeres jährlich bis zu 63 Milliarden Kubikmeter russischen Erdgases an die Küste Bulgariens führen. Von dort aus sollen zwei Abzweigungen das Gas nach Österreich und Süditalien weiterleiten. Die Ukraine wird mit South Stream als Transitland umgangen.
Nabucco hinkt hinterher
South Stream gilt als Konkurrenz zum europäischen Erdgaspipeline-Projekt Nabucco, obwohl das die Kommission offiziell weiterhin dementiert. "Wir sehen weder die Erdgaspipeline South Stream noch die türkische Erdölpipeline als Konkurrenz zu Nabucco. Allerdings sehen wir nur Nabucco als Priorität an, denn die beiden anderen Projekte tragen nicht zur Diversifizierung der Lieferländer bei", hieß es heute bei der Kommission gegenüber EURACTIV.de.
Gemeint ist damit, dass die europäische Energieabhängigkeit von Russland mit den beiden Projekten weiter verstärkt wird. Derzeit verhandele die EU mit möglichen Lieferanten im kaspischen Raum, die über Nabucco ihr Erdgas auf den europäischen Markt bringen sollen. Die Verhandlungen seien aber noch in einem zeitigen Stadium.
Russischer Warnschuss an Bulgarien
Den türkisch-russischen Doppel-Deal hatten manche Medien voreilig als einen Rauswurf Bulgariens aus dem South Stream-Projekt interpretiert. Ein Gazprom-Sprecher in Moskau widersprach dem heute gegenüber EURACTIV.de und sagte, dass "Bulgarien selbstverständlich weiterhin Partner bei South Stream" sei.
Dennoch sendet Moskau mit den neuen Pipeline-Vereinbarungen eine klare Warnung an Bulgarien. Der neue bulgarische Ministerpräsident Bojko Borissow hatte Mitte Juli angekündigt, alle größeren Energieprojekte – darunter South Stream – auf Eis zu legen.
Die russische Führung war über diese Ankündigung sehr verärgert. Als erste Konsequenz rückt Russland nun näher an die Türkei. Ein vorläufiges Fragezeichen sollte nun auch hinter die bisher von Russland favorisierte Erdölpipeline vom bulgarischen Schwarzmeerhafen Burgas zum dem griechischen Hafen Alexandroupoli gesetzt werden.
Michael Kaczmarek