Ukraine verhandelt mit UN-Atombehörde über Schutz von Kraftwerken

Kyjiw bereitet sich auf mögliche russische Angriffe auf seine Energieinfrastruktur vor und sucht dabei Unterstützung von der Internationalen Atomebehörde (IAEO). Um die Sicherheit der Atomkraftwerke zu gewährleisten, laufen Gespräche über die Entsendung ausländischer Beobachter.

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Die Atomaufsichtsbehörde der Vereinten Nationen hatte letzten Monat vor einer erheblichen Verschlechterung der Sicherheitslage im umkämpften Atomkraftwerk Saporischschja in russisch besetztem Gebiet gewarnt – dem größten in Europa mit sechs Reaktoren. [Ukrainian Presidency / Handout/Anadolu via Getty Images]

Kyjiw bereitet sich auf mögliche russische Angriffe auf seine Energieinfrastruktur vor und sucht dabei Unterstützung von der Internationalen Atombehörde (IAEO). Um die Sicherheit der Atomkraftwerke zu gewährleisten, laufen Gespräche über die Entsendung ausländischer Beobachter.

„Kernenergie ist derzeit unsere Hauptenergiequelle, und bisher die einzige, die die Russen nicht direkt angegriffen haben“, sagte Yuliia Kyian, Generaldirektorin für strategische Planung und europäische Integration im ukrainischen Energieministerium, gegenüber Euractiv.

„Sie greifen jedoch die Infrastruktur an, die für den sicheren Betrieb der Kernkraftwerke unerlässlich ist, und sie verstehen, dass wir unsere Atomkraftwerke abschalten müssten, wenn sie diese Anlagen angreifen würden“, fügte Kyian hinzu.

Moskau könnte sich dazu entscheiden, Infrastrukturen wie Umspannwerke zu zerstören, die mit den Atomkraftwerken des Landes verbunden sind, warnte sie weiter.

Seit Beginn der groß angelegten Invasion der Ukraine im Februar 2022 hat Russland wiederholt Energieanlagen in der Ukraine ins Visier genommen.

Millionen Ukrainer haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren entweder kontrollierte oder unkontrollierte Stromausfälle erlitten, nachdem Russland unter anderem im April dieses Jahres das wichtige Kraftwerk Trypillja bei Kyjiw zerstört hatte.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte letzte Woche vor den Vereinten Nationen gewarnt, dass Russland in den kommenden Monaten weitere Angriffe auf die Atomkraftwerke des Landes plane und vor einer möglichen „nuklearen Katastrophe“ gewarnt.

Betroffen wären laut Selenskyj unter anderem die drei großen Kraftwerke in Riwne, Chmelnyzkyj und der Südukraine.

Während das Atomkraftwerk Saporischschja seit 2022 unter russischer Besatzung steht, ist das Kraftwerk Tschernobyl schon seit einiger Zeit stillgelegt.

„Die Russen haben, als sie verstanden, dass wir stark auf Kernkraft angewiesen sind und sie die Anlagen selbst nicht direkt angreifen dürfen, beschlossen, dieses [bestehende] Verbot zu umgehen, indem sie die Infrastruktur in der Umgebung der Kraftwerke angreifen“, sagte Kyian.

Die Atomaufsichtsbehörde der Vereinten Nationen hatte letzten Monat vor einer erheblichen Verschlechterung der Sicherheitslage im umkämpften Atomkraftwerk Saporischschja in russisch besetztem Gebiet gewarnt – dem größten in Europa mit sechs Reaktoren.

Die Anlage wurde in den ersten Kriegsmonaten von russischen Truppen erobert und ist seitdem wiederholt angegriffen worden, wobei sich beide Seiten gegenseitig die Schuld zuweisen.

Gleichzeitig wurden die Stromleitungen, die das Kraftwerk Saporischschja mit dem Stromnetz verbinden, mehrfach gekappt, was das Risiko eines großflächigen Stromausfalls erhöht und letztlich zu einem nuklearen Unfall führen könnte.

„Es ist unsere oberste Priorität, diese kritischen Objekte zu schützen, und wir führen Verhandlungen über beispielsweise Missionen der Internationalen Atomenergie-Organisition, die uns beim Schutz dieser Energieanlagen helfen könnten“, sagte Kyian.

Solche Missionen in die Ukraine zu entsenden, „würde der Welt zeigen, dass der ordnungsgemäße Betrieb dieser Anlagen ein wesentlicher Bestandteil der nuklearen Sicherheit und des Schutzes ist“, fügte sie hinzu.

„Wir verstehen, dass wir in einer Situation, in der wir nicht über ausreichende Luftabwehr verfügen, keine Option ungenutzt lassen können, einschließlich diplomatischer Instrumente, um diese Anlagen zu schützen“, erklärte Kyian.

Kyian machte keine weiteren Angaben zum Stand der Verhandlungen oder ob es bereits eine Reaktion der Atombehörde der Vereinten Nationen gegeben habe. Sie betonte jedoch, dass das gleiche Thema mit mehreren internationalen Partnern, darunter der Europäischen Union, besprochen worden sei.

Die Möglichkeit solcher Missionen wurde zuvor von dem Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation, Rafael Grossi, nach einem Treffen mit Selenskyj letzten Monat bestätigt.

[Bearbeitet von Daniel Eck/Kjeld Neubert]