Umfrage: Das Image Europas hat sich verbessert
Europaskeptiker fuhren bei den Europawahlen im Mai deutliche Gewinne ein. Dennoch glauben mehr Europäer als jemals zuvor, dass ihre Stimme in Europa zählt. EURACTIV Frankreich berichtet.
Europaskeptiker fuhren bei den Europawahlen im Mai deutliche Gewinne ein. Dennoch glauben mehr Europäer als jemals zuvor, dass ihre Stimme in Europa zählt. EURACTIV Frankreich berichtet.
Das Image der EU hat sich verbessert. Dies geht aus einer aktuellen Umfrage der EU-Kommission hervor.
Die Eurobarometer-Umfrage zeigt deutliche Fortschritte nach den diesjährigen Wahlen. Seit dem Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon 2009 nominieren die europäischen Fraktionen einen Kandidaten für die Kommissionspräsidentschaft. Dies schuf eine direkte Verbindung zwischen den Ergebnissen der Europawahlen und der Spitze der EU-Kommission. Man wollte damit die demokratische Legitimation der europäischen Institutionen erhöhen.
Die Umfrage wurde nach den Europawahlen und dem damit verbundenen Triumph der europaskeptischen Parteien in ganz Europa durchgeführt. 42 Prozent der Europäer glauben, ihre Stimme wurde gehört. Im November 2013 waren das noch 29 Prozent.
Das ist der höchste Wert seit diese Frage vor zehn Jahren zum Eurobarometer hinzugefügt wurde. In Frankreich ging der Front National (FN) mit 25 Prozent der Stimmen als Sieger aus den Europawahlen hervor. Dort glauben 54 Prozent der Wähler, dass ihre Stimme zählt und damit 18 Prozent mehr als im letzten Jahr
65 Prozent der 32.689 Befragten fühlten sich als EU-Bürger, vier Prozent mehr als 2013. Auch in Frankreich verstanden sich 63 Prozent der 1.004 Befragten als Europäer. Das ist unterdurchschnittlich, aber der Wert liegt sechs Prozent über dem des letzten Jahres.
Besser informiert
Kommissionsvizepräsident Maroš Šef?ovi?, der in der Kommission für interinstitutionelle Beziehungen und die Verwaltung zuständig ist, hat Erklärungsansätze für die verbesserten Werte. Er glaubt, dass eine bessere Vermittlung dessen, worum es bei den Europawahlen ging, eine Rolle spielte. „Viele Debatten rund um die Europawahlen – nicht zuletzt die Bürgerdialoge und der Spitzenkandidaten-Prozess brachten Europa den Bürgern näher“, sagte er laut Presseerklärung.
Charles de Marcilly, Chef des Brüsseler Büros der Robert-Schuman-Stiftung, glaubt, dass die Medien eine wichtige Rolle spielten. Sie hätten ein breitere Berichterstattung während des Wahlkampfs angeboten. Und die Europäer hätten sich bemüht, die Bedeutung dieser Wahlen nachzuvollziehen. „Es ist nicht unbedingt ein allgemeiner Trend. Zwischen den Ländern gibt es große Unterschiede. In den nördlichen Mitgliedsstaaten gibt es eine entwickeltere europäische Kultur, während die Politik in den südlichen Mitgliedsstaaten kein positives Image hat“, erklärte er.
Franzosen sind skeptisch
Viele Europäer glauben an eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in der EU innerhalb der nächsten zwölf Monate. Zum ersten Mal seit der Finanzkrise sind die Menschen, die glauben, dass die Auswirkungen der Krise ihren Höhepunkt erreicht haben (47 Prozent) in der Mehrheit. 44 Prozent gehen von einer weiteren Verschlechterung der Situation aus.
In Frankreich denken 60 Prozent der Menschen, dass das Schlimmste noch nicht überstanden ist. Nur 27 Prozent wähnen die EU in der besten Position, effizient mit der Wirtschaft- und Finanzkrise umzugehen.
Die Zahl der Europäer, die die Wirtschafts- und Währungsunion unterstützen, ist seit November 2013 um drei Prozent auf 55 Prozent gestiegen. 36 Prozent sprachen sich gegenteilig aus. In der Euro-Zone stehen 67 Prozent aller Befragten hinter dem Euro (68 Prozent in Frankreich), während ihn 26 Prozent ablehnen.
Ist die Kommission zu optimistisch?
Der Optimismus der Kommission liege teilweise darin begründet, dass sie sich positiv in die Sommerpause verabschieden wolle, glaubt de Marcilly: „Es ist Ende Juli, die Kommission ist optimistisch. Sie bevorzugt ein halbvolles Glas. Es ist eine politische Botschaft vor dem hektischen Herbst“, sagte er.
De Marcilly hat Vorbehalte. Auch für die neue Kommission sei das Interesse der Menschen in die europäische Politik und die Institutionen eine große Hürde. Er sagte: „Es ist kontraproduktiv, das einfach so mitzuteilen, ohne es durch politische Impulse zu unterstützen. Die EU braucht Meinungsbildner. Während der Wahlen gingen wir über den institutionellen Aspekt hinaus, wir gingen in die Länder. Die Kommission wird politischer sein müssen und freier in ihren Aussagen.“