Umweltschutz: EU beschließt schrittweises Aus für Plastiktüten
EU-Bürger sollen künftig weniger Einwegtüten aus Plastik benutzen. Darauf einigten sich Unterhändler von EU-Staaten und Europaparlament.
EU-Bürger sollen künftig weniger Einwegtüten aus Plastik benutzen. Darauf einigten sich Unterhändler von EU-Staaten und Europaparlament.
Im Streit um die Reduzierung der Zahl vom Plastiktüten hat die EU eine vorläufige Einigung erzielt. Im sogenannten Trilog-Verfahren verständigten sich EU-Parlament, Ministerrat und EU-Kommission am späten Montagabend auf einen Kompromiss, wonach die EU-Staaten zwei Methoden wählen können: Entweder beschließen sie Ziele zur Minderung des Verbrauchs auf rund 40 Tüten pro Person bis Ende 2025 oder sie schreiben ab 2017 eine Gebühr für den Gebrauch vor.
Mit dem beschlossenen Kompromiss will die EU den Verbrauch von Einwegtüten senken. „Im Interesse der Abfallvermeidung und Ressourceneffizienz ist es wünschenswert, Maßnahmen zur Vermeidung der Verbreitung von kurzlebigen und zum einmaligen Gebrauch vorgesehenen Erzeugnissen (wie Kunststofftaschen) zu ergreifen“, erklärt die EU-Kommission dazu in ihrem „Grünbuch zu einer europäischen Strategie für Kunststoffabfälle in der Umwelt“
Ganz dünne Beutel, wie sie etwa an der Gemüsetheke verwendet werden, könnten die Regierungen laut Einigung von den Auflagen ausnehmen. Der Grund: Ein Verbot könnte hier noch schädlichere Verpackungen wie etwa Schalen aus Schaumstoff fördern.
Nach Angaben der EU-Kommission liegt der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von Plastiktüten bei derzeit 198 Tüten pro Jahr, davon 176 Einwegtüten. Kunststoffbeutel stehen bei Umweltschützern schon seit Jahren in der Kritik: Plastik macht zum Beispiel einen Großteil des Mülls aus, der die Weltmeere verschmutzt. Pro Jahr gelangen nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) rund zehn Millionen Tonnen Müll in die Ozeane. Dadurch sterben jährlich Hunderttausende Vögel und Meeressäuger. Sie verheddern sich oder fressen Plastik. Winzige Teile könnten über die Nahrungskette in den menschlichen Körper gelangen, warnen Experten.
In Irland werden die wenigsten Plastiktüten verbraucht: Dort sind es im Schnitt 20 Stück, darunter 18 Einwegtüten. Irland ist besonders nach der Einführung von Sonder-Gebühren – 44 Cent pro Tüte – der Verbrauch um etwa 90 Prozent zurück. Deutschland liegt im Mittelfeld: Dort werden von 71 Tüten 64 Einwegtaschen benutzt. In Dänemark und Finnland nutzen die Menschen 79 beziehungsweise 77 Tüten – darunter sind jeweils 4 Einwegtaschen. Für Portugal werden mehr als 500 Tüten insgesamt angegeben.
Neben der unterschiedlichen Nutzung und Anzahl von Plastiktüten gibt es in den einzelnen EU-Ländern einen unterschiedlichen Umgang mit Abfällen. Deutschland verfügt über ein hoch entwickeltes Abfallwirtschaftssystem, anders jedoch in anderen Staaten.
Die Einigung der EU-Institutionen gilt als Durchbruch im Streit um die umstrittenen Plastiktüten. Als sicher gilt der Kompromiss aber erst, wenn der Ministerrat ihn offiziell bestätigt. Dies könnte Ende der Woche geschehen.