Untersuchungen gegen Säkularisten führen zu Spannungen in Türkei [DE]
Die jüngste Verhaftungswelle gegen verdächtige ‚Ergenekon’-Mitglieder, einer mysteriösen Organisation, die dem säkularistischen Militär-Establishment nahe steht, führte zu neuen Spannungen in der Türkei. Gleichzeitig protestierte Griechenland gegen Verletzungen des Luftraums über der Ägäis durch seinen Nachbarn. EURACTIV Türkei berichtet.
Die jüngste Verhaftungswelle gegen verdächtige ‚Ergenekon’-Mitglieder, einer mysteriösen Organisation, die dem säkularistischen Militär-Establishment nahe steht, führte zu neuen Spannungen in der Türkei. Gleichzeitig protestierte Griechenland gegen Verletzungen des Luftraums über der Ägäis durch seinen Nachbarn. EURACTIV Türkei berichtet.
Die jüngste Serie von Verhaftungen am Sonntag (11. Januar 2009) erhöhte die Gesamtzahl der Menschen, die verdächtigt werden, an einem säkularistischen Komplott teilgenommen zu haben, um die moderat islamistische AKP-Regierung zu stürzen, auf über 100.
Nach Angaben der Polizei habe sie dank einer Skizze, die sie im Haus eines ehemaligen Chefs der Polizei-Spezialkräfte gefunden habe, ein Waffenversteck in einem Wald nahe Ankara entdeckt.
EURACTIV Türkei zufolge haben die Verhaftungen der vergangenen Woche gezeigt, dass eine Reihe von „Überraschungsnamen“ scheinbar mit Ergenekon verstrickt und an dem Fall beteiligt ist, der weithin als der „Fall des Jahrhunderts“ in der Türkei betrachtet wird.
Zu den Verhafteten gehören Professor Yalçin Küçük, ehemaliger Präsident des Rats für Hochschulbildung (YÖK), Professor Kemal Gürüz, ehemaliger Rechtsberater des Generalstabs, der Ehren-Generalstaatsanwalt am Kassationsgerichtshof Sabih Kanadoglu, und eine Reihe anderer hochrangiger Militärbeamter.
Der wichtigste Oppositionsführer Deniz Baykal von der Republikanischen Volkspartei (CHP) reagierte vehement auf die Verhaftungen. Dabei handele es sich um eine Racheoperation und eine politische Abrechnung, sagte er.
Solche Szenen ereigneten sich in Ländern, die einen Regimewechsel erlebten. Man habe sowohl vor und nach der Zeit des Ajatollah Khomeini als auch vor und nach der Zeit Hitlers den Austausch des Systems für soziale Werte, Grundwerte und Prinzipien der Gesellschaft und den Austausch bedeutender Personen beobachten können. Nun erlebe man erneut solche Szenen, erklärte Baykal.
Unterdessen hat Griechenland die Türkei beschuldigt, durch ihre Militärjets über der Ägäis „Provokationen“ zu verursachen. Der griechische Premierminister Kostas Karamanlis wird heute (12. Januar 2009) einem außerordentlichen Treffen zu der Situation vorsitzen.
Die griechische Presse schrieb, dass die jüngsten Spannungen zwischen den beiden NATO-Mitgliedern, die einer Reihe vorangegangener Spannungen folgten, wahrscheinlich mit der schwierigen internen politischen Situation in der Türkei in Zusammenhang stünden.