US-Firmen loben Investitionsstandort Deutschland
Deutschland konnte aus Sicht von US-Investoren seinen Vorsprung als attraktivster Wirtschaftsstandort in Europa deutlich ausbauen. Im internationalen Vergleich verliert Europa aber an Bedeutung. Das ist das Ergebnis des siebten Business Barometers des American Chamber of Commerce (AmCham).
Deutschland konnte aus Sicht von US-Investoren seinen Vorsprung als attraktivster Wirtschaftsstandort in Europa deutlich ausbauen. Im internationalen Vergleich verliert Europa aber an Bedeutung. Das ist das Ergebnis des siebten Business Barometers des American Chamber of Commerce (AmCham).
In Deutschland ansässige US-Unternehmen schätzen insbesondere die "hohe Qualität der Mitarbeiter" und die "hohe Prozess- und Produktqualität", erklärte Christian Veith, Deutschland-Chef der Boston Consulting Group (BCG) bei der heutigen Präsentation des neuen
Business Barometers. Diese Wirtschaftsstudie wird jährlich von der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham) und der BCG durchgeführt. Anfang 2010 wurden 102 US-Firmen mit einem Gesamtumsatz von ca. 150 Milliarden Euro und mehr als 350.000 Arbeitsplätzen in Bezug auf ihre Zufriedenheit mit dem Wirtschaftsstandort Deutschland im europäischen Wettbewerb befragt.
Bei der Präsentation der Studie in Berlin wies Otmar Debald, Finanzvorstand bei Procter & Gamble Deutschland, heute darauf hin, dass die Nachfrage nach Konsumgütern in Deutschland trotz der Wirtschaftskrise zu weiten Teilen konstant geblieben sei. Das habe sich ebenfalls positiv auf amerikanische Investitionsneigungen ausgewirkt.
Deutschland schlägt sich besser als der Rest Europas
56 Prozent der Befragten meinten, dass Deutschland weniger von den negativen Folgen der Wirtschaftskrise betroffen sei, als das restliche Europa. Das sei zum Großteil auf Maßnahmen der Bundesregierung zurückzuführen. Deren Konjunkturpakete werden als wirkungsvolles Instrument gegen die hohe Anfälligkeit der exportorientierten deutschen Wirtschaft bewertet.
Mit aktuellen staatlichen Maßnahmen zur Förderung des Wirtschaftswachstums – so etwa das "Wachstumsbeschleunigungsgesetzes" – zeigten sich jedoch nur 27 Prozent zufrieden. Auch wurden die Erwartungen hinsichtlich der Förderung von Nachwuchskräften und der Deregulierung des Arbeitsmarktes enttäuscht. Viele wünschen sich eine konsequentere und schnellere Umsetzung der Regierungsziele. Fred Irwin, AmCham-Präsident, ergänzte, dass er im Vergleich zur Bundesregierung insbesondere die Landesregierungen als flexiblere Kooperationspartner schätze.
Wachsende Verlagerung aus Europa heraus
Im Bereich des Geschäfts mit "Mergers & Acquisitions" zeigt die Umfrage, dass eine Verlagerung der Aktivitäten aus Deutschland heraus in andere Länder Europas kontinuierlich zurückgeht. "Manche der erwarteten Vorteile, die man sich in Osteuropa erhofft hatte, haben sich nicht eingestellt", so Veith. Allerdings stieg der Anteil derer, die eine Verlagerung ganz aus Europa heraus planen, drastisch an (17 Prozent im Vergleich zu sechs Prozent im Vorjahr).
Laut Veith kam dieses jedoch nicht überraschend, China und Indien seien als "Gewinner der Krise" anzusehen. Debald erklärte, dass Aufgaben einfacher Art, die "hier keiner machen möchte" wie etwa die Dateneingabe, nach Asien verlagert werden können. Diese sogenannte "Low-End Verlagerung" solle jedoch nicht davon ablenken, dass das Qualitätssiegel "Made in Germany" weiter einen international anerkannten Ruf genieße.
2009 lief schlechter als erwartet
Dreimal so viele Unternehmen wie im Vorjahr sehen ihren Umsatz erheblich oder drastisch durch die Finanzkrise beeinflusst und insgesamt 53 Prozent der Befragten verzeichneten einen Umsatzrückgang. Auf diese Einbußen reagierten 45 Prozent der Unternehmen mit der Einführung von Kurzarbeit und gaben an, damit einen Stellenabbau vermieden zu haben. Dennoch reduzierten 42 Prozent im Befragungszeitraum 2009 ihre Belegschaft, im Vergleich zu 27 Prozent im Vorjahr.
In Bereich der Umsätze und Investitionen konnten die Ende 2008 formulierten Wachstumshoffnungen bei weitem nicht realisiert werden. Sowohl Dauer als auch Ausmaß der Krise wurden unterschätzt. Diese Resultate stimmen mit den Ergebnissen einer im März durchgeführten globalen Umfrage von Finanzexperten überein. (Siehe EURACTIV.de vom 16. April 2010)
Daniel Tost
Dokumente / Links / Download
VII. AmCham Business Barometer: Perspektiven zum Wirtschaftsstandort Deutschland (April 2010)