VW-Manager: EU-Mercosur-Abkommen aussichtsreich

Macht die Krise es möglich? Südamerika und die EU könnten ihre Märkte füreinander weiter öffnen. "Die Stimmung in Südamerika ist derzeit europafreundlich", so Viktor Klima, Südamerika-Chef von VW, gegenüber dem Handelsblatt.

Fliegen Manager aus der EU bald öfter nach Rio de Janeiro? Die Chancen auf ein Handelsabkommen mit Lateinamerika scheinen zu steigen. Foto: dpa.
Fliegen Manager aus der EU bald öfter nach Rio de Janeiro? Die Chancen auf ein Handelsabkommen mit Lateinamerika scheinen zu steigen. Foto: dpa.

Macht die Krise es möglich? Südamerika und die EU könnten ihre Märkte füreinander weiter öffnen. „Die Stimmung in Südamerika ist derzeit europafreundlich“, so Viktor Klima, Südamerika-Chef von VW, gegenüber dem Handelsblatt.

Heute berät die südamerikanische Wirtschaftsgemeinschaft (Mercosur) über die engere Zusammenarbeit mit der EU. Viktor Klima, Südamerika-Chef von VW, sieht in der Wirtschaftskrise die Chancen für ein enges Handelsabkommen steigen. "In der EU macht die Wirtschaft Druck, weil sie nach der Wirtschaftskrise einen besseren Zugang zu einem der weltweiten Wachstumsmärkte gut gebrauchen kann", so Klima gegenüber dem Handelsblatt (4. November 2009). Jüngst hatte auch der frühere Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) Südamerika als Wachstumsmarkt für die deutsche Exportwirtschaft genannt. 

Experten sehen im Wegbrechen der US-Nachfrage ein langfristiges Problem für die deutschen Exporteure.

Spanien-Portugal-Connection

Viktor Klima sieht zudem im spanischen EU-Ratsvorsitz ab Januar 2010 Chancen der Annäherung. "Die Spanier setzen sich stark ein für eine Einigung mit den Südamerikanern. Auch Kommissionspräsident Barroso will eine Integration", so Klima.

In Argentinien und Brasilien macht der ehemalige österreichische Bundeskanzler steigendes Interesse an der EU aus. "Die Stimmung in Südamerika ist derzeit europafreundlich." Bislang galten die Mercosur-Staaten als zu uneinig und desinteressiert, um ein Handelsabkommen mit der EU zu schließen. Die Verhandlungen laufen seit 14 Jahren ergebnislos.

EU intensiviert Beziehung mit Brasilien

Momentan ist Brasilien der zehntgrößte Handelspartner der EU. Zwischen 2000 und 2008 stiegen die EU-Exporte um 56 Prozent, während sich die Importe fast verdoppelten. Das EU-Handelsdefizit lag 2008 bei 9,5 Milliarden Euro. Die EU hat also großes Interesse daran, mehr zu exportieren.

Mitte Oktober unterzeichnete EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes eine Kooperations-Vereinbarung mit den brasilianischen Wettbewerbsbehörden. Vergangene Woche beschloss der EU-Rat eine enge Kooperation in der Erforschung von Nuklear-Technik.

Vorbild Südkorea

Jüngst hat die EU-Kommission ein umfrangreiches Freihandelsabkommen mit Südkorea auf den Weg gebracht. Die jährlichen Ausfuhren der europäischen Unternehmen könnten nach einer Studie durch den Freihandel um 19 Milliarden auf knapp 45 Milliarden Euro steigen. Umgekehrt könnte der Handelsstrom aus Südkorea in die EU um fast 13 auf rund 52 Milliarden Euro zunehmen. Die 27 EU-Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament müssen noch zustimmen. Auto-Industrie und einzelne EU-Abgeordnete kündigten Widerstand an (Siehe EURACTIV.de vom 16. Oktober 2009).

awr