Wettlauf um Energieversorgung
Derzeit findet ein regelrechtes Wettrennen um die künftige Energieversorgung Europas statt. Mehrere Milliardenprojekte buhlen um politische Unterstützung und Milliardenkredite. Es geht um Energiesicherheit und viel Geld.
Derzeit findet ein regelrechtes Wettrennen um die künftige Energieversorgung Europas statt. Mehrere Milliardenprojekte buhlen um politische Unterstützung und Milliardenkredite. Es geht um Energiesicherheit und viel Geld.
Desertec
Desertec stellt mit seinen Dimensionen und Ambitionen alle bisherigen Energieprojekte in den Schatten. Ein Konsortium aus 20 deutschen Unternehmen unter Führung der Münchener Rück will 400 Milliarden Euro investieren, bevor aus der nordafrikanischen Wüste ab 2020 Wind- und Sonnenenergie nach Europa fließen soll. Bis 2050 sollen dann mehr als 15 Prozent des europäischen Strombedarfs mit Sonnen- und Windenergie aus den Wüsten Nordafrikas und dem Nahen Osten gedeckt werden. Woher das Geld für die immense Investitionssumme kommen soll, ist noch unklar; wie die Ursprungsländer einbezogen werden, ist umstritten; wie der Wüstenstrom ohne erhebliche Verluste in die deutschen Stromnetze geleitet werden soll, ist ein Experiment. (EURACTIVde vom 13. Juli 2009)
Weitere Links
EURACTIV.de
Steht die Mittelmeerunion bald unter Strom (13. Juli 2009)
Wirbel um Wüstenstrom (24. Juni 2009)
Wüstenstrom – Scheer warnt vor "Fatamorgana" (19. Juni 2009)
Russisches Erdgas für Europa
Russisches Gas macht auf dem europäischen Gasmarkt mindestens 25 Prozent aus. Diese Abhängigkeit von Russland will die EU möglichst vermindern, Russland will seinen Marktanteil dagegen erhöhen: Etwa über die Nordumgehung (Nord Stream bzw. Ostseepipeline) oder die Südumgehung (South Stream) – in beiden Fällen wird die Ukraine als Transitland ausgeschlossen. Die Ukraine ist das derzeitige Problem- und Schlüsselland bei der Energieversorgung Europas.
Weitere Links
EURACTIV.de
Ukraine: Reformzusagen gegen Milliardenkredite (20. Juli 2009)
EU fördert Energieprojekte mit 4 Milliarden Euro (16. Juli 2009)
EU rüstet sich für Erdgasnotfälle (16. Juli 2009)
Gaskrise: Ukraine braucht Milliardenkredite (19. Juni 2009)
EU-Notfallpläne für Energieversorgung (14. Juli 2009)
"Russland hat viel Geld verloren" (4. Juni 2009)
Kommission entsendet Experten zu den Konfliktparteien (4. Juni 2009)
Gazprom wirft EU-Kommission Untätigkeit vor (20. Mai 2009)
Nabucco
Das Projekt Nabucco ist Europas Versuch, der Erdgasabhängigkeit von Russland zu entgehen. Von 2014 an soll Erdgas vom Kaspischen Meer unter Umgehung Russlands bis nach Österreich transportiert werden. Der Bau wird seit 2002 geplant und soll knapp 8 Milliarden Euro kosten. Ab 2019 soll die Leitungskapazität voll ausgeschöpft sein und 31 Milliarden Kubikmeter Erdgas sollen dann nach Europa fließen. Wer diese Menge Gas einspeisen soll, ist noch offen. Der frisch gekürte Lobbyist Joschka Fischer wird nun als politischer Berater und Türöffner versuchen, das Projekt auch gegen den Widerstand Russlands voranzubringen.
Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Türkei werden heute in Ankara eine Regierungsvereinbarung über die Gaspipeline unterzeichnen. Damit sollen staatliche Planungshürden für den Bau der etwa 3300 Kilometer langen Versorgungsleitung beseitigt werden.
Weitere Links
EURACTIV.de
Steinmeier: "Gasprobleme jederzeit möglich" (10. Juli 2009)
Joschka Fischer startet als Nabucco-Lobbyist (9. Juli 2009)
Russland stärkt seine Position gegen Nabucco-Pipeline (18. Mai 2009)
Die EU umgarnt ehemalige Sowjetrepubliken (13. Mai 2009)
EU-Kommission: Nabucco-Pipeline sichert Erdgasversorgung (13. Juli 2009)
Zeit Online (Video): Start für Nabucco-Pipeline (13. Juli 2009)
Ostseepipeline
Diese administrativen Hürden versucht das Nord Stream Konsortium, das die Ostseepipeline von Russland nach Deutschland bauen will, seit 2006 zu überwinden. Neben den Baugenehmigungen aus den fünf beteiligten Ländern fehlen außerdem mindestens 3,5 Milliarden Euro an Bankkrediten, um die geplanten Investitionen von 7,4 Milliarden Euro zu stemmen. Maximal könnten durch diese Pipeline jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas fließen. Der russische Staatskonzern Gazprom hält 51 Prozent am Konsortium.
Weitere Links
EURACTIV.de
"2010 wird keine Ostseepipeline gebaut" (25. Juni 2009)
Nord Stream: Behörden prüfen Einwände (12. Juni 2009)
Nord Stream auf der Suche nach 3,5 Milliarden Euro (28. Mai 2009)
South Stream
Der italienische Gasriese Eni und Russlands Gazprom haben im Juni 2007 vereinbart, eine Erdgasleitung von Russland durch das Schwarze Meer bis nach Bulgarien zu bauen. Diese sogenannte South Stream soll jährlich 300 Millionen Kubikmeter Erdgas in die Märkte der EU befördern.
South Stream und Nord Stream, an dessen Pipeline-Projekten Gazprom jeweils die Mehrheit hält, stehen damit in direkter Konkurrenz zum europäischen Nabucco-Projekt, das mit dem Ziel aufgelegt wurde, die Abhängigkeit Europas von russischem Gas zu senken.
Weitere Links
EURACTIV.de
South Stream: Sofia bekommt kalte Füße (15. Juli 2009)
Michael Kaczmarek