Das kommt drauf an, wen man fragt. Viele Unternehmen, die nicht besonders CO2-intensiv arbeiten, unterstützen die Energiewende und den Klimaschutz stark. Andere sind zögerlich. Der Industrieverband BDI hatte sich jüngst nicht eindeutig festgelegt, welche Zielmarke für 2050 gelten soll. Während ausgerechnet die früher so defensive Stromwirtschaft fast vollständig auf Dekarbonisierung setzt, sind die energieintensiven Industrien deutlich reservierter.
Welche Länder machen die größten Fortschritte und unterstützen von der Leyen?
Norwegen nutzt seit rund 20 Jahren leere Gasspeicher in der Nordsee und die alte Förderinfrastruktur, um CO2 im Untergrund zu verpressen. Viele Millionen Tonnen CO2 wurden über Pipelines unter dem Boden der Nordsee eingelagert. Mittlerweile wird CO2 auch von Fabriken mit Gastankern zu den Lagerstätten transportiert. Die norwegische Regierung ist sogar gewillt, CO2 zu importieren.
Auch die EU steht CCS positiv gegenüber. Sie treibt die Entwicklung von fünf Großprojekten in diesem Bereich voran. Darunter ist zum Beispiel „Porthos“, mit dem die Häfen von Antwerpen, Rotterdam und Gent CO2 unter den Meeresboden der niederländischen Nordsee pressen wollen. Die Niederländer setzen schon jetzt auf starke CO2-Reduktionen.
Wer ist gegen Klimaneutralität?
In Teilen Osteuropas ist das Thema ein rotes Tuch. Bei der Abstimmung über eine klimaneutrale EU bis 2050 haben sich Polen, Ungarn und die Tschechische Republik quergestellt. Diese Staaten sind nämlich besonders von Kohle, Öl und Gas abhängig. Beispiel Polen: Dort machen Braun- und Steinkohle den Löwenanteil der Stromerzeugung aus, Zehntausende Arbeitsplätze sind von der Kohle abhängig.
Der Übergang in eine emissionsfreie Wirtschaft würde den Ländern also einiges abverlangen. Laut einer Meinungsumfrage von „Eurobarometer“ sehen nur 22 Prozent der Tschechen den Klimawandel als eines der wichtigsten Herausforderungen an – der niedrigste Wert in der EU. Auch in Polen rangiert die globale Erwärmung eher unten.
Geht es wirklich nur um das Jahr 2050? Oder stehen andere politische Ziele hinter dem Ruf nach Klimaneutralität?
Aufgrund der eindeutigen Aussagen der Klimaforscher sind das Zieljahr 2050 und die bis dahin erreichten Fortschritte tatsächlich wichtig. Die Verschärfung und Festlegung auf Klimaneutralität hätten aber auch Auswirkungen auf die näher liegenden Ziele, denn ein Einsparungspfad, der am Ende steil ansteigt, wäre unglaubwürdig. Sowohl Deutschland als auch die EU müssten schon in den kommenden Jahren ihre Anstrengungen vervielfachen, um Aussicht auf Klimaneutralität bis 2050 haben zu können. Genau deshalb drängen die Grünen zum Beispiel so vehement darauf, Klimaneutralität als Ziel festzuschreiben.