Zukunft der Bauern - Kommission setzt auf Wettbewerb

Auch in der Landwirtschaft gelten die Gesetze des Marktes. Die Kommission will die Agrarwirtschaft für den globalen Wettbewerb stärken. Die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam hält diese Philosophie für einen Irrweg.

Europäische Lebensmittel sollen wettbewerbsfähiger werden. Foto: pixelio.de / Renate Franke
Europäische Lebensmittel sollen wettbewerbsfähiger werden. Foto: pixelio.de / Renate Franke

Auch in der Landwirtschaft gelten die Gesetze des Marktes. Die Kommission will die Agrarwirtschaft für den globalen Wettbewerb stärken. Die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam hält diese Philosophie für einen Irrweg.

Die EU-Kommission hat am 6. Juli 2009 einen Fahrplan vorgestellt, der die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Land- und Ernähungswirtschaft steigern soll.

Darin werden die Mitgliedstaaten und die beteiligten Interessengruppen u. a. zu folgenden Maßnahmen aufgerufen:

– die transparentere Preisgestaltung und vertragliche Vereinbarungen in der gesamten Lebensmittelkette,

– eine Untersuchung der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der europäischen Agrar- und Lebensmittelwirtschaft zur Beurteilung ihrer Position auf den globalen Märkten

– die Vereinfachung der Verwaltungsverfahren, speziell für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die Forschungsgelder akquirieren wollen

– die Durchführung einer Studie über die Auswirkung von Eigenmarken des Einzelhandels auf die Wettbewerbsfähigkeit der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft, insbesondere der KMU

Grundlage des Fahrplans sind die Empfehlungen (EN) einer Hochrangigen Gruppe vom 17. März 2009. Hier kamen Vertreter der Mitgliedstaaten und  Entscheidungsträger der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft, der Zivilgesellschaft und der Fachverbände zusammen.

Nach Angaben der EU-Kommission ist die Lebensmittel- und Getränkeindustrie mit rund 280.000 Unternehmen (90 Prozent davon KMU) und etwa 4 Mio. Arbeitsplätzen einer der größten Wirtschaftszweige Europas. Gemessen am Umsatz (ca. 800 Mrd. EUR) ist die europäische Lebensmittelindustrie der größte Wirtschaftszweig in Europa.

Oxfam: Exporte auf Kosten der Entwicklungsländer

Marita Wiggerthale, Agrarexpertin bei Oxfam Deutschland, sieht die EU bei ihren Bemühungen um mehr Wettbewerbsfähigkeit auf dem falschen Weg. Wiggerthale sagte gegenüber EURACTIV.de:

"Die Vision, die dem High-Level-Group-Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit der EU-Argrar- und Lebensmittelwirtschaft zugrunde liegt, ist für uns an sich schon problematisch. Die Erreichung der globalen Wettbewerbsfähigkeit geht zu Lasten der bäuerlichen Landwirtschaft sowie der Arbeiter/innen in der Ernährungsindustrie und treibt die Industrialisierung der Landwirtschaft voran. Es besteht die Gefahr, dass Standards im Umwelt- und Tierschutz herabgesetzt werden. Die Erschließung neuer Absatzmärkte ist ein zentraler Bestandteil der Weltmarktstrategie."

Der forcierte Zollabbau in  Entwicklungsländern bedrohe die Lebensgrundlagen der Kleinbauern vor Ort, so Wiggerthale weiter. Armut und Hunger würden somit zunehmen. "Die Ernährungskrise hat gezeigt, wie wichtig es hingegen ist, dass diese Länder ihre eigene Landwirtschaft aufbauen. Es ist ein Irrweg der EU, auf die globale Wettbewerbsfähigkeit zu setzen. Die Europäische Agrarpolitik muss sozial und ökologisch nachhaltig ausgerichtet werden."

awr

Weitere Informationen:

EU-Kommission: Ergebnisse und Dokumente zur High Level Group zur Wettbewerbsfähigkeit der Lebensmittelwirtschaft