Die deutsche Energiewende braucht F-Gase

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[<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/eco-architecture-green-tree-glass-office-2153393199" target="_blank" rel="noopener">Grand Warszawski / Shutterstock</a>]

Die Novellierung des GEG und das diskutierte F-Gase Verbot auf EU-Ebene drohen die Energiewende zu erschweren sowie deutlich zu verteuern. Eine Senkung des Energieverbrauchs in Gebäuden erfordert einen flexiblen Ansatz der nutzbaren Technologie und keine unbegründeten Pauschal-Verbote.

Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt ab 2024 zusätzlich 500.000 neue Wärmepumpen pro Jahr zu installieren. Das ist ohne Frage ein ambitioniertes Ziel.  Daher ist es auch wenig überraschend, dass das Gebäudeenergiegesetz (GEG) Wärmepumpen klar in den Fokus setzt. Die Art und Weise, wie wir bisher unsere Häuser und Unternehmen heizen und kühlen, muss dringend überdacht werden. Die Abkehr von Gaskesseln für die Wohnbeheizung dient nicht nur der Sicherheit, sondern auch der Nachhaltigkeit.

Aktuell diskutierte Änderungsvorschläge des GEG könnten jedoch dem ambitionierten Ziel zuwiderlaufen. Mit dem aktuellen Gesetzesentwurf, steht nun auch ein Verbot von fluorierten Gasen (F-Gase) in Wärmepumpen zur Debatte. Zu den F-Gasen gehören auch Hydrofluorolefine (HFOs), ein industrielles Kältemittel mit extrem niedrigen Treibhauspotential (GWP), welches weltweit in den neuesten und effizientesten Wärmepumpen genutzt wird. Ein solcher Vorschlag würde eine Technologie verbieten, welche nachweislich die anspruchsvollen Anforderungen für ein sicheres, emissionsarmes und energieeffizientes Heizen in Wohn- und Industriegebäude erfüllt. Zudem würde mit einem Verbot praktisch keine Alternative mehr zu Propan-, Ammoniak- oder CO2-basierten Lösungen existieren. Diese vermeintlichen Alternativen werden auch als „natürliche Kältemittel“ deklariert. Allerdings ist der Begriff irreführend, da auch natürliche Kältemittel wie jedes andere Kältemittel industriell hergestellt werden. Alle Kältemittel sind somit chemische Produkte mit unterschiedlichen Eigenschaften, die sie für verschiedene Anwendungen mehr oder weniger geeignet machen. In einigen Fällen etwa können die sogenannten natürlichen Kältemittel aus Gründen der Sicherheit, der Emissionen, des Lärms oder des Energieverbrauchs überhaupt nicht genutzt werden. 

Zeitgleich zur Novellierung des GEG läuft ein Gesetzgebungsverfahren auf der EU-Ebene, welches zum Ziel hat die F-Gase-Verordnung zu verschärfen. Die Novellierung der F-Gase Verordnung befindet sich derzeit in den Trilog-Verhandlungen. Das Europäische Parlament hat Änderungsvorschläge gemacht, zu welchen der EU-Rat allerdings eine entgegenstehende Position vertritt. Falls die Position des EU-Parlaments angenommen wird, könnte diese EU-Verordnung zu einem faktischen Verbot von F-Gasen führen und Unternehmen einschränken, die für ihre Heiz- und Kühlanforderungen am besten geeignete Technologie einzusetzen.

HFOs für einen nachhaltigen Fortschritt

Dass der Einsatz von HFOs essenziell für die Energiewende ist, zeigt das Familienunternehmen Westfalen. Die Westfalen Gruppe ist nämlich auf den Vertrieb von Wärme- und Kältelösungen spezialisiert und gilt als Paradebeispiel für den vorteilhaften Einsatz von HFO-basierten Lösungen. Das Leitbild der Westfalen Gruppe dabei lautet: „Wir machen Fortschritt nachhaltig“.

Andreas Weisheit, Leiter des Geschäftsbereichs Gase bei der Westfalen Gruppe, macht deutlich, dass es sehr wichtig sei, Kunden und Kundinnen selbst entscheiden zu lassen, wenn es um die Wahl des Kältemittels gehe. „Ich glaube, dass alle vier Produkte [HFOs, Ammoniak, CO2 und Propan] eine Rolle bei der Dekarbonisierung spielen. CO2, Ammoniak und Propan haben ein sehr geringes Treibhauspotential, sind aber nicht für alle Anwendungen geeignet“, führt er aus. „HFOs haben ebenfalls ein geringes Treibhauspotential und sind darüber hinaus über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg energieffizient.“

Die vielfältigen Vorteile von HFOs zeigen sich auch deutlich bei der Kühlung in Supermärkten. Denn bei der energieintensiven Nutzung von Gefriertruhen, Kühlschränken und der Lagerung von frischen Lebensmitteln entstehen hohe Kosten. Zeitgleich haben insbesondere die deutschen Supermärkte zunehmend mit steigenden Energierechnungen zu kämpfen. Von Honeywell durchgeführte Berechnungen legen dar, dass die Energie- und Emissionskosten der Supermärkte bei einer Verwendung einer HFO-basierten Lösung im Vergleich zu einem CO2- oder Propan-basierten Kühlsystem wesentlich niedriger sind. 

Das hat die Supermarktgruppe Edeka in der Stadt Erxleben erkannt und nutzt seither HFO-basierte Kältemittel. Edeka entschied sich für das hochmoderne Hybrid-Kältesystem der Kühlmöbelwerk Limburg GmbH (KMW), mit welchem sie ihre Kosten- und Nachhaltigkeitsziele erreichen können. Goran Simic, Vertriebs- und Serviceleiter von KMW, macht deutlich, die Erfahrung zeige, „dass es möglich ist, ein Kältesystem zu implementieren, das die Investitions-, Betriebs- und Wartungskosten minimiert und gleichzeitig die Klimaziele des Betreibers erfüllt.“ 

Mit einem Verbot von HFOs und somit faktisch einer nur noch zulässigen Nutzung natürlicher Kältemittel, könnten die jährlichen Energiekosten des gesamten Supermarktsektors um etwa zwei bis fünf Milliarden Euro steigen. Dies hätte auch die unbeabsichtigte Folge, dass jährlich zusätzlich 5,5 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen würden – das entspricht dem Ausstoß von mehr als einer Million benzinbetriebener Autos in einem Jahr.  Der Einsatz von HFO-basierten Lösungen könnte einer solch besorgniserregenden Entwicklung entgegenwirken und Supermärkte bei der Bewältigung ihrer steigenden Energiekosten unterstützen. 

Technologieoffenheit statt Pauschal-Verbote

Für viele Unternehmen in Deutschland und Europa ist klar: Leitprinzip für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit sollte sein, Technologieneutralität zu schützen. Das bestätigt auch Christian Hüttl, Geschäftsführer des Bereichs Wärmepumpen bei Siemens Energy: „Unserer Meinung nach sollte im Fokus stehen, Technologieneutralität bestmöglich zu schützen, damit Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben und das für ihre Bedürfnisse am besten geeignete Kältemittel verwenden können. Der Weg zur Dekarbonisierung stellt uns alle vor große Herausforderungen und es ist wichtig, dass so viele Optionen wie möglich auf dem Tisch liegen, damit die Unternehmen in ganz Deutschland diese Herausforderungen meistern können.“

Auch verschiedene Fachverbände der Kälte-Klima Technik unterstützen einen solchen technologieoffenen Ansatz. In einem gemeinsamen Positionspapier, u.a. vom Verband Deutscher Kälte-Klima-Fachbetriebe (VDKF), warnen sie, dass der Marktanteil von Propan-Wärmepumpen bis 2030 bestenfalls auf 30 % erhöht werden könnte (derzeit sind es weniger als 5 %). Weiter heißt es, dass ohne F-Gase der Wärmepumpenmarkt nicht in der gewünschten Größenordnung entwickelt werden könne und eine Wartung bestehender Anlagen so nicht möglich sei.

Ziel muss es insgesamt sein, Heiz- und Kühlsysteme mit dem energieeffizientesten und optimal geeignetsten Kältemittel betreiben zu können. Nur so kann die Energiewende reibungslos und ohne die Geschäfts- und Lebenshaltungskosten wesentlich zu beeinträchtigen, erreicht werden.

Wir hoffen, dass die für das GEG und F-Gase Verordnung zuständigen politischen Entscheidungsträger einen technologieneutralen Ansatz in ihren Beratungen berücksichtigen und Unternehmen die Möglichkeit lassen, selbst zu wählen. Nur so können fundierte Entscheidungen getroffen werden, die Deutschland auf dem Weg unterstützen, die Energie- und Klimaziele zu erreichen.