Ein Requiem für Ultrabilligflüge

Die Auswirkungen von Billigfluggesellschaften wie Ryanair, EasyJet und Wizz Air auf Europa sind schwer zu ermessen.

Euractiv.com
Ryanair Pilots strike at Charleroi Airport
Ein Pilot der Billigfluggesellschaft Ryanair während eines Streiks am Flughafen Brüssel-Charleroi am 23. Juli 2022. [EPA-EFE/STEPHANIE LECOCQ]

Die Auswirkungen von Billigfluggesellschaften wie Ryanair, EasyJet und Wizz Air auf Europa sind schwer zu ermessen.

Zu ihren besten Zeiten waren diese Fluggesellschaften Vorreiter für die stille Demokratisierung des Flugverkehrs. Wer braucht schon lächelnde Stewards, die heiße Handtücher und kostenlosen Kaffee verteilen, wenn man für weniger als den Preis einer Kinokarte über die Grenzen geflogen wird?

Eine ganze Generation von Arbeitsmigrant:innen in Europa (zu der auch der Autor dieses Artikels gehört) hat sich auf Billigflüge verlassen, um die Verbindung zur Heimat aufrechtzuerhalten.

Diese seltsame, moderne Fähigkeit, effektiv an zwei Orten zu leben – ein neues Leben in einer neuen Umgebung aufzubauen und gleichzeitig mit Billigflügen Teil des früheren Lebens zu bleiben – schuf ein neues Verständnis davon, was es bedeutet, im Ausland zu leben.

Sie nährte die Vorstellung, dass man in zwei Ländern sein kann – und das gleichzeitig.

Aber die Möglichkeit, billig durch den ganzen Kontinent zu reisen, hatte zwar Vorteile, aber auch ihren Preis.

Billigflüge trugen zu einem unhaltbaren Niveau des Tourismus bei, wobei die Einheimischen beliebter Städtereiseziele unter steigenden Preisen litten.

Die Gewerkschaften beklagen seit langem, dass das Geschäftsmodell der Billigflieger billige Arbeitskräfte voraussetzt, um zu funktionieren, und so die Bedingungen in der gesamten Luftfahrtindustrie untergräbt.

Und Umweltschützer:innen prangern an, dass das Fliegen die kohlenstoffintensivste Art des Reisens ist, die die Klimakrise verschärft.

Sind Ultra-Billigflüge also unterm Strich positiv oder negativ für die Gesellschaft?

Diese Debatte könnte sich schon bald erübrigen, da mehrere Faktoren zusammenkommen, die den Preis für Flüge in die Höhe treiben – möglicherweise unwiderruflich.

Der Einmarsch Russlands in der Ukraine hat die Ölpreise in die Höhe schnellen lassen, so dass das Tanken für die Fluggesellschaften teurer wird.

Hinzu kommen die Steuern, die auf nationaler und EU-Ebene erhoben werden.

In Brüssel stehen drei wichtige Rechtsvorschriften zur Eindämmung der Emissionen an, die die Flugkosten in die Höhe treiben dürften.

Erstens wird die so genannte „ReFuelEU“-Gesetzgebung vorschreiben, dass Flugzeuge ab 2025 einen bestimmten Prozentsatz an umweltfreundlichem Düsenkraftstoff tanken müssen. Der Anteil an nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF) wird etwa alle fünf Jahre erhöht.

SAF wird aus fortschrittlichen Biokraftstoffen und Elektrokraftstoffen hergestellt, die beide wesentlich teurer sind als Kerosin.

Der zweite Punkt ist das EU-Emissionshandelssystem (ETS) für den Luftverkehr, das einen Preis für CO2-Emissionen festlegt. Zwar gibt es dieses System für Flüge innerhalb der EU seit 2012, doch in der Praxis sind die meisten Flüge dank der großzügigen Bereitstellung kostenloser CO2-Zertifikate von den CO2-Kosten befreit.

Nach den Plänen der EU würden diese Emissionszertifikate jedoch abgeschafft, so dass die Fluggesellschaften gezwungen wären, mehr für ihre Emissionen zu bezahlen.

Schließlich bricht die EU mit einer jahrzehntelangen Tradition und plant, Kerosin für Flüge innerhalb der EU zu besteuern.

Nach Angaben der Luftfahrtindustrie würde diese Steuer den Preis für ein Kurzstreckenticket im Jahr 2030 um 8 Euro und im Jahr 2035 um 9,30 Euro erhöhen. Für einen Mittelstreckenflug innerhalb der EU würde der Preis im Jahr 2035 um 18,60 Euro steigen.

Hinzu kommt eine ganze Reihe weiterer Gebühren, von den Kosten für die Erneuerung der Flugzeuge bis hin zu den Slot-Gebühren auf den Flughäfen, und es sieht so aus, als ob die Zeit der Billigflüge zu Ende gehen könnte.

Ist das nun ein Grund zum Feiern oder zum Trauern?

Vielleicht beides, gleichzeitig.

Dieser Kommentar erschien ursprünglich in EURACTIV’s Transport Brief, den Sie hier finden können.